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Vergebung und Verständnis heilen die Seele

Eines Tages fiel Sabine (oder Kathrin, oder Harald oder…) beim Aufräumen ein Zettel in die Hände, der ihr Leben veränderte. Darauf stand in der Handschrift ihrer Mutter: „Liebe Sabine! Danke für all deine Liebe und Fürsorge. Ich bin so glücklich, dass ich dich habe. Liebe Grüße, deine Mama.“

Sabine konnte sich nicht erinnern, den Zettel jemals zuvor gelesen zu haben. Diese liebevollen Worte passten so gar nicht zu ihrer kühlen und strengen Mutter. Sie begann, die Frau, die sie großgezogen hatte, mit anderen Augen zu sehen.

So wie Sabine geht es vielen Menschen: Irgendwann stellen sie erstaunt fest, dass sie ihre Eltern eigentlich gar nicht richtig kennen, weil die Beziehung so sehr von Groll, Bitterkeit und enttäuschten Erwartungen überschattet ist.

Vielen erwachsenen Söhnen und Töchtern wird es irgendwann zu anstrengend, weiterhin das brave Kind zu spielen. Sie meiden deshalb den Kontakt zur Familie, wo es nur geht. Umgekehrt bemüht sich manch einer verzweifelt, den Eltern doch noch nachträglich Liebe und Anerkennung abzuringen. In beiden Fällen ist die emotionale Ablösung von den Eltern nicht gelungen.

Wenn wir in der Rolle des enttäuschten Kindes stecken bleiben, zahlen wir allerdings einen hohen Preis: Wir leben dann in emotionaler Abhängigkeit zu unseren Eltern und bleiben ein Leben lang an die schmerzhaften Kindheitserlebnisse gefesselt. Da hilft nur eines: Wir müssen unseren Eltern ihre Fehler vergeben. Vielleicht erscheint diese Vorstellung schier unmöglich. Doch Vergeben heißt nicht Vergessen. Vielmehr geht es darum, die Geschichte unserer Eltern kennenzulernen und zu versuchen, uns in ihre Lage zu versetzen.

Wo ein direktes Gespräch mit den Eltern nicht möglich ist, können womöglich andere Verwandte Licht ins Dunkel bringen. Vielleicht macht es dir ja sogar Spaß, ein bisschen Familienforschung zu betreiben: Was für ein Mensch war deine Mutter als junge Frau? Was für Träume hatte sie? Wie war das Verhältnis zu ihren eigenen Eltern? Auch wenn du ihr späteres Verhalten nicht gutheißen kannst, gelingt es dir eventuell, es zumindest etwas besser zu verstehen.

Vergebung ist ein innerer Prozess, für den du dich bewusst entscheiden kannst. Damit übernimmst du Verantwortung für deine Gefühle und verabschiedest dich endgültig von der Opferrolle.

Wenn du deinen Eltern ihre Fehltritte vergibst, findest du inneren Frieden und wirst wahrhaft erwachsen.

Erst durch die Versöhnung mit deiner Kindheit kannst du die schmerzhaften Erfahrungen von damals auf ihren angestammten Platz verweisen – in die Vergangenheit. Denn die Gegenwart gehört deinem erwachsenen Ich. Deine Kindheit kannst du dir nicht aussuchen, aber die Zukunft liegt in deiner Hand.

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Streicheleinheiten für das innere Kind

Kennst du das auch, dass dir an manchen Tagen schon ein kleiner Zwischenfall die Tränen in die Augen treibt oder du vor Wut platzen könntest? Womöglich ärgerst du dich dann über dich selbst und fragst dich, warum du dich so kindisch verhältst. Doch eigentlich ist das kein Wunder, denn in jedem Unterbewusstsein wohnt ein kleines, verletzliches Kind.

Für dieses innere Kind ist die Zeit stehen geblieben. Geraten wir als Erwachsene in eine schwierige Situation, die einem traumatischen Erlebnis aus Kindertagen ähnelt, übernimmt das innere Kind das Ruder und reproduziert all die Gefühle und Gedanken von damals. Zahlreiche Google-Einträge beweisen, dass das Konzept des inneren Kindes längst Einzug in die Ratgeberliteratur und modernen Therapieangebote gehalten hat. Die Idee ist denkbar einfach: Als erwachsener Mensch kannst du deinem inneren Kind nachträglich all die Liebe und Aufmerksamkeit schenken, die es früher entbehren musste.

Innere Kinder kommen in allen Altersstufen vor – je nachdem, zu welchem Zeitpunkt das einschneidende Erlebnis stattfand. Ist dein inneres Kind ein trotziger Teenager, musst du vielleicht einfach mal die Tür hinter dir zuknallen, die Musik deiner Lieblingsband von damals in voller Lautstärke hören und lauthals mitsingen.

Wenn du dich vor Veränderungen oder dem Alleinsein fürchtest, kann das bedeuten, dass du irgendwann in den ersten drei Lebensjahren einen tief greifenden Verlust erlitten hast. Diese Erfahrung versetzt dein inneres Kind immer wieder aufs Neue in Panik. Wenn das passiert, kann dir ein anderer Anteil deiner Persönlichkeit helfen: der innere Erwachsene. Dessen Aufgabe ist es, das innere Kind zu trösten. Hege und pflege es so, wie du es mit einem Kleinkind tun würdest: Kuschle dich mit einer Wärmflasche ins Bett, entspanne in der Badewanne oder gönne dir eine Portion warmen Grießbrei.

Starke Probleme mit dem Selbstwertgefühl haben ihren Ursprung hingegen oft im dritten bis elften Lebensjahr. Überlege, wie du dieses Kind ermutigen und aufheitern kannst. Vielleicht möchte es einen Trickfilm gucken oder in den Zoo gehen? Oder du redest ihm gut zu und erklärst ihm, dass es okay ist, hin und wieder wütend und traurig zu sein. Solche Selbstgespräche fühlen sich anfangs vielleicht ungewohnt an, sind aber Balsam für dein psychisches Wohlbefinden:

Noch einmal zum Mitschreiben: Der Kontakt mit dem inneren Kind hilft dabei, die eigenen emotionalen Bedürfnisse kennenzulernen und die Wunden der Vergangenheit aus eigener Kraft zu heilen.

Es geht also darum zu lernen, sich selbst eine gute Mutter oder ein guter Vater zu sein. Aber welche Rolle spielen die eigentlichen Eltern aus Fleisch und Blut bei der Kindheitsbewältigung?

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Die Macht konstruktiver Selbstgespräche

Ein Perspektivwechsel ist also ein wichtiger Schritt zur Heilung. Das klingt einleuchtend, ist aber in der Praxis gar nicht immer so leicht umzusetzen. Das gilt vor allem für die negativen Glaubenssätze, die als Erbe einer schwierigen Kindheit unser Denken und Fühlen vergiften.

Sie bringen einen dazu, die Welt und vor allem sich selbst durch eine dunkle Brille zu betrachten. So zieht man Unglück und Misserfolge geradezu an: Wenn man tief im Inneren davon überzeugt ist, ein Versager zu sein, wird man das neue Projekt auf der Arbeit gar nicht erst erfolgreich zu Ende bringen. Wenn man fest daran glaubt, es nicht wirklich wert zu sein, geliebt zu werden, gibt man der neuen Beziehung erst gar keine Chance.

Um sich aus diesem Wiederholungszwang zu befreien, hilft es, sich jeden Glaubenssatz einzeln vorzuknöpfen. Dazu muss man diese aber zunächst einmal aus dem ständigen Hintergrundrauschen der Gedanken herausfiltern. Und das geht etwa so: Lausche im Alltag immer mal wieder deinem inneren Selbstgespräch. Lege dann eine Liste mit allen negativen Überzeugungen über dich als Person an, die in deinem Kopf herumgeistern. Führe parallel dazu auf einer alternativen Liste all deine positiven Eigenschaften auf.

Je tiefer deine Selbstzweifel sitzen, desto mehr Überwindung wird dich diese zweite Liste kosten. In dem Fall können auch gute Freunde dabei helfen, die Versagerbrille einmal abzusetzen. Was mögen sie besonders an dir? Gibt es etwas, dass sie an dir bewundern? Durch dieses Vorgehen entwickelst du ein neues, realistischeres Bild von dir selbst. Mag sein, dass Pünktlichkeit und Organisationsgeschick nicht unbedingt zu deinen Stärken zählen. Aber vielleicht wirst du von deinem Umfeld als gute Zuhörerin und begnadete Köchin geschätzt?

Ein weiteres Mittel gegen negative Glaubenssätze ist eine Haltung innerer Distanz. Wenn das nächste Mal ein selbstkritischer Gedanke auftaucht, formuliere ihn einfach um. Anstatt zu sagen „Ich bin hässlich“, sagst du: „Ich habe gerade das Gefühl, hässlich zu sein“. Durch diesen simplen Kniff erkennst du, dass der selbstzerstörerische Gedanke nur in deinem Kopf existiert und erst einmal nichts über die Realität aussagt. Passend dazu heißt es in einem chinesischen Sprichwort: „Du kannst nicht verhindern, dass die Vögel der Besorgnis über deinen Kopf fliegen. Aber du kannst verhindern, dass sie sich in deinem Kopf ein Nest bauen.“

Wir halten fest: Negative Glaubenssätze verlieren an Kraft, wenn du sie umformulierst oder durch positive Gedanken ersetzt.

Natürlich kann es trotzdem immer mal wieder vorkommen, dass deine inneren Kritiker die Oberhand gewinnen. Das ist aber nicht weiter tragisch, solange es dir in solchen Situation gelingt, mit dir selbst nachsichtig zu sein und dir etwas Gutes zu tun.

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Ein Perspektivwechsel relativiert negative Kindheitserlebnisse

Eine traurige Kindheit mündet nicht zwingend in ein unglückliches Leben. Trotzdem hadern viele Menschen noch Jahrzehnte später mit den Schicksalsschlägen ihrer frühen Jahre. Sie sind überzeugt, dass sie heute zufriedener und selbstbewusster wären, wenn ihnen als Kind eine bessere Behandlung widerfahren wäre. So schieben wir beispielsweise unsere Bindungsangst auf einen ständig abwesenden Vater oder eine allzu dominante Mutter und lassen zu, dass unsere Kindheit weiterhin das Drehbuch unseres Lebens bestimmt.

Es ist also höchste Zeit, dass wir selbst die Regie übernehmen und aus der Opfergeschichte eine Heldensage machen. Die Grundlage dafür ist eine positive Selbsteinschätzung. Je vorteilhafter diese ausfällt, desto wahrscheinlicher erinnern wir uns auch an schöne Dinge. Können wir uns gerade selber nicht leiden, treten die dunklen Aspekte unserer Lebensgeschichte in den Vordergrund. Manchmal verschmilzt unsere Fantasie dann sogar mehrere negative Ereignisse und macht daraus ein einziges Horrorszenario. Es lohnt sich also, die Geschichten deiner Kindheit etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Nehmen wir an, du gehörst du den Menschen, deren Kindheitserlebnisse durchweg negativ erscheinen. Hier rate ich dir, sich eine Erinnerung herauszupicken – sagen wir den ersten Schultag – und sich möglichst viele Details ins Gedächtnis zu rufen. Am besten schreibst du alles auf, woran du dich erinnerst, oder nimmst Fotos von dem Tag zur Hilfe. Nun begib dich auf Spurensuche. Entdeckst du nicht vielleicht doch einen Moment der Freude und Leichtigkeit? Vielleicht war deine Schultüte randvoll gefüllt mit Süßigkeiten und Geschenken? Oder die Großeltern kamen zu Besuch? Nun forsche weiter und gehe gedanklich die darauffolgenden Jahre durch: Gab es ein Schulfach, das dir besonders viel Spaß gemacht hat, oder einen Schulfreund, mit dem du gerne in der Pause gespielt hast?

Wenn es dir gelingt, eine Geschichte zu erzählen, die über Leid und Unglück hinausreicht, ändert sich damit auch deine Selbstwahrnehmung. Nach und nach wirst du verstehen, dass die unangenehmen Erlebnisse deiner Kindheit zwar immer ein Teil von dir sein werden, aber längst nicht dein ganzes Wesen ausmachen.

Wir können also festhalten, dass ein wohlwollender Blick auf die eigene Geschichte das erlittene Unrecht relativiert und die Vergangenheit in ein anderes Licht rückt.

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Resilient durch starke Beziehungen

Die frühen Kindheitserfahrungen stellen also die Weichen für unsere seelische Entwicklung, so viel steht fest. Doch die gute Nachricht ist, dass sie keineswegs als ewiger Fluch auf unserem Leben lasten müssen. Wir selbst können ihren Bann brechen. Das Zauberwort für diesen Befreiungsschlag heißt Resilienz.

Der Begriff Resilienz beschreibt eine Art seelische Elastizität, die uns hilft, uns von traumatischen Erlebnissen zu erholen. Im besten Fall lernen wir sogar daraus. Resiliente Menschen ähneln Bäumen im Wind: Sie werden von den Stürmen des Lebens zwar heftig hin- und hergeworfen, aber sie zerbrechen nicht.

Das trifft auch auf Kinder zu. Die US-amerikanische Entwicklungspsychologin Emmy Werner fand schon in den 1970er-Jahren heraus, dass sogar misshandelte und vernachlässigte Kinder über diese psychische Widerstandskraft verfügen. Über einen längeren Zeitraum beobachtete sie die Entwicklung von Kindern aus Problemfamilien und stellte fest, dass sich ein Teil von ihnen – wenn auch nicht alle – später erfolgreich in die Gesellschaft integrierte. Allem Anschein nach waren sie trotz ihrer schweren Kindheit zu zufriedenen Erwachsenen herangewachsen.

Heute wissen wir, dass das Geheimnis solcher Erfolgsgeschichten in positiven Erfahrungen außerhalb des Elternhauses liegt. Wenn in das Leben eines Kindes mindestens ein Erwachsener tritt, zu dem es eine stabile Bindung aufbauen kann und der ihm zeigt, dass es geliebt wird, können seine seelischen Blessuren verheilen. Als alternatives Vorbild zu den eigenen Eltern hilft ihm dieser Erwachsene, Lebensfreude und Selbstvertrauen zu entwickeln.

Gab es vielleicht auch in deinem Umfeld eine solche Person? Ein Lehrer, der deine Talente erkannt und gefördert hat? Eine Tante, die dich auf Ausflüge mitnahm? Oder eine ältere Schwester, die dir bei den Hausaufgaben half? Und wie sieht es heute aus? Vielleicht lebst du in einer liebevollen Partnerschaft oder hast Freunde, die mit dir durch dick und dünn gehen? Öffne deinen Blick für die Menschen in deinem Leben, die dich auf deinem Weg unterstützen. Zwar können sie die Vergangenheit nicht ungeschehen machen, aber sie können dir im Hier und Jetzt Trost und Halt bieten.

Verlässliche Bezugspersonen wecken also unsere seelischen Widerstandskräfte und können die Schmerzen negativer Kindheitserfahrungen auch nachträglich lindern.

In den Armen dieser Menschen können wir neue Kraft schöpfen und endlich aus dem Schatten der Vergangenheit heraustreten. So können wir die Geschichte unseres Lebens überarbeiten und selbst bestimmen, wohin die Reise gehen soll.

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Sabotierende Stimmen aus der Vergangenheit

Manche Menschen treiben uns zur Weißglut, obwohl sie uns eigentlich gar nichts getan haben. Sie erfüllen uns mit einem unerklärlichen Groll oder wir fühlen uns in ihrer Gegenwart so klein und elend, dass wir am liebsten im Erdboden versinken würden. Was steckt hinter diesen Emotionen? Oft ist die Ursache ein schmerzhaftes Erlebnis aus der Kindheit, das durch eine bestimmte Situation oder Begegnung wieder wachgerufen wird.

Stellen wir uns zum Beispiel ein Kind vor, das regelmäßig von den Wutausbrüchen eines jähzornigen Vaters in Angst und Schrecken versetzt wird. Gut möglich, dass dieses innere Kind noch Jahrzehnte später ähnlich reagiert, sobald eine Autoritätsperson laut wird. Sobald der Chef beispielsweise Anzeichen von schlechter Laune zeigt, verwandelt sich der Erwachsene wieder in das verschreckte Kind von damals, das sich am liebsten unter der Bettdecke verkriechen würde. Allerdings ist ihm dieser Zusammenhang höchstwahrscheinlich nicht bewusst, weil seine Psyche die Erinnerung an die negative Kindheitserfahrung ins Unterbewusstsein verbannt hat.

Für die empfindliche Kinderseele war Verdrängung damals der einzige Weg, sich von der erlittenen Kränkung zu erholen. Auch als Erwachsene gehen wir diesen unangenehmen Gefühlen meist lieber aus dem Weg oder versuchen, sie mit Fernsehen, Essen oder Alkohol zu betäuben. Doch in Stresssituationen werden diese Stimmen wieder laut und der Schmerz von damals trifft uns erneut mit voller Wucht.

Ein besonders dominanter Part im Orchester unserer Seele gehört den Stimmen unserer Eltern. Beständig wiederholen sie die immer gleichen Ratschläge und Aussagen, mit denen sie uns schon zu Kinderzeiten in den Ohren lagen. Für die meisten Kinder sind die Worte ihrer Eltern gleichbedeutend mit einer unumstößlichen Wahrheit. Sagt die Mutter zum Kind: „Du bist ein solcher Tollpatsch“, hat es keine andere Wahl, als ihr zu glauben.

Um die Anerkennung ihrer Eltern zu gewinnen, wollen Kinder deren Erwartungen an sie unbedingt erfüllen. Die Psyche hilft dabei, indem sie ihnen immer wieder einflüstert, was die Eltern sich von ihnen wünschen. Mit der Zeit werden daraus innere Überzeugungen bzw. unbewusste Glaubenssätze, die unser Selbstbild auch als Erwachsene noch prägen. Oft mit fatalen Folgen. Wem etwa von klein auf gesagt wurde, dass er dumm sei, der wird sich schwerlich für eine akademische Laufbahn entscheiden. Wer von seinen Eltern ständig vermittelt bekommen hat, eine Last zu sein, der wird es später schwerer haben, für die eigenen Bedürfnisse einzustehen.

Unangenehme Kindheitserfahrungen leben also als schmerzhafte Gefühle in unserer Seele weiter und schädigen als negative Glaubenssätze unser Selbstbewusstsein.

Aber sind wir dem Fluch der frühen Jahre wirklich auf Gedeih und Verderb ausgeliefert?

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Deine emotionale Schatztruhe

Wenn du an deine schönste Kindheitserinnerung denkst, was für eine Szene erscheint dann vor deinem inneren Auge? Siehst du dich mit deiner Mutter ausgelassen über den Spielplatz toben? Backst du gemeinsam mit deiner Oma einen leckeren Apfelkuchen? Oder lauschst du vielleicht gebannt der Stimme deines Vaters, der dich sanft in den Schlaf singt?

Die meisten von uns können mindestens einen solchen Moment kindlicher Seligkeit aus den Tiefen unseres Gedächtnisses hervorkramen. So unterschiedlich sie auch sein mögen – all diese Erinnerungen haben gemeinsam, dass uns jemand seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkte.

Ein Kind, das von seinen Bezugspersonen Geborgenheit und Zuwendung erfährt, lernt, dass es ein wertvoller Mensch ist. Es lernt, dass seine Gedanken und Gefühle in der Welt der Erwachsenen auf Verständnis und Interesse stoßen.

Wir können uns die Seele eines Kindes wie eine Schatztruhe vorstellen: Zu Beginn des Lebens ist sie noch leer und muss erst von den Erwachsenen mit Wärme und Fürsorge gefüllt werden. Erlebt das Kind die Bindung zwischen sich und den Eltern als stabil und erfährt, dass es bedingungslos geliebt wird, fasst es Vertrauen ins Leben und entwickelt ein gesundes Selbstwertgefühl.

Um das kindliche Selbstvertrauen zusätzlich zu stärken, helfen außerdem ermutigende Erfahrungen. Denn alle Kinder dürsten danach, die Welt zu entdecken und sich an ihr zu beweisen. Sie müssen deshalb nicht nur behütet, sondern auch unterstützt werden, damit sich die Schatztruhe weiter füllt. Dazu gehört, dass die Eltern die Begabungen des Kindes entdecken und fördern. Ein Kind, das gelobt und in seinen Fähigkeiten bekräftigt wird, erlebt sich schon früh als kompetentes und eigenständiges Wesen. Und wenn der Knirps sich hin und wieder mal mit einer Aufgabe übernimmt, sollte er in den Arm genommen und getröstet werden.

Ein Kind, dessen innere Schatzkiste bis zum Rand mit emotionalen Kostbarkeiten vollgepackt wurde, ist bereit, die Welt zu erobern: Es traut sich zu, Schwierigkeiten aus eigener Kraft zu meistern und weiß, dass es Liebe und Respekt verdient. Bläst ihm im Erwachsenenalter dann einmal ein schärferer Wind um die Nase, schützen die Schätze der Kindheit die Seele vor den Stürmen des Lebens.

Wenn wir also in unseren ersten Lebensjahren ausreichend Aufmerksamkeit und Liebe erfahren, gehen wir gut gewappnet und mutig in die Welt.

Doch was passiert, wenn die Schatztruhe eher leer bleibt? Was geschieht mit einer Kinderseele, deren Bedürfnisse unerfüllt blieben?

 

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Angst führt zu Betrug

Warum Menschen eher aus Angst vor Verlust schummeln als um etwas zu gewinnen

Schon oft gehört und gelesen: Wir verzichten lieber auf einen möglichen Gewinn als dass wir etwas, das uns schon sicher ist, auf’s Spiel setzen. Das nennt man “Verlustaversion”. So wie wir den Verlust eines Gegenstandes stärker wahrnehmen als den Gewinn des Gegenstandes, der den gleichen Wert hat. Was hat das mit Betrug zu tun? Das erklärt uns Daniel Rettig in der Kolumne Alltagsforschung in der Wirtschaftswoche.

Laut einer Studie neigen Menschen eher dazu, sich unethisch zu verhalten, wenn sie Angst vor dem sozialen Abstieg haben als um sich einen Vorteil zu verschaffen. In dem Experiment konnten die Probanden durch Trickserei im Rang aufrücken oder zurückfallen. Wenn die Abstufung drohte, stieg der “Schummelfaktor” signifikant.

Klingelt bei uns allen da der Fall VW? Die Trickserei mit der Betrugsoftware, um die Abgaswerte zu manipulieren, dürfte den Beteiligten vermutlich nicht sonderlich viel Ruhm und Ehre gebracht haben. Wahrscheinlicher ist, dass sie fürchteten, in Ungnade zu fallen, wenn sie keine Lösung für ein vermeintlich lösbares Problem präsentieren zu können.

Das wäre dann doch mal eine interessante Frage für Unternehmer und Führungskräfte: Was können meine Mitarbeiter bzw. unsere Manager VERLIEREN? Also sich einmal nicht die Frage zu stellen: Wie motiviere ich die Mitarbeiter? Was stelle ich ihnen in Aussicht? Sondern: Was passiert eigentlich mit den Menschen im Unternehmen, wenn sie nicht den angestrebten Erfolg haben? Wenn sie das Ziel verfehlen?

Würde man darüber nachdenken, könnte man ja gleich weiter denken: Wie erstrebenswert sind diese Ziele wirklich? Wie schrecklich oder weniger furchtbar wäre es, wenn sie verfehlt werden? Und wenn Ziele nicht erreicht werden oder die Ergebnisse nicht den Hoffnungen entsprechen: Was passiert eigentlich dann mit den hierfür Verantwortlichen im Unternehmen?

Die Antworten hierauf könnten interessante Hinweise darauf geben, welche Tricks wohl bisher zur Anwendung kommen, um die gewünschten Resultate präsentieren zu können…

 

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KOMMUNIKATION IST DIE NABELSCHNUR ZUM LEBEN

Rhetorik und Kommunikation mit Keynote-Speaker & Persönlichkeitsexperte Michael Tiefel trainieren.

Dein Weg zur ERFOLGREICHEN Kommunikation mit dem

Seminar „Erfolgreich präsentieren und überzeugen“

Du wirst: 

> Begeisternde Reden halten

> Motivierendes Feedback geben

> Sicher und selbstbewusst Auftreten

> Schwierige Situationen meistern

Lerne in diesem Training direkt von dem Rhetorik-Trainer, Autor und Persönlichkeitsexperten, dem seit Jahren Manager*innen, Unternehmer*innen und Privatpersonen vertrauen.

Egal ob Meeting, Führungsgespräche, Karriere als Redner*in/Speaker oder öffentlicher Auftritt, mit diesem Seminar bist Du für deine nächste kommunikative Herausforderung gerüstet!

Jederzeit SICHER reden

Die Kernkompetenz der Rhetorik: In allen Situationen Sicherheit ausstrahlen. Vertrauen gewinnen und den gewünschten Eindruck beim Publikum erzielen.

Motivierendes Feedback geben

Mit einer Rückmeldung kann man Menschen kränken und Beziehungen zerstören. Mit einem rhetorischen Feedback bleibst Du knallhart in der Sache und dennoch bleibt bei Deinem Gegenüber ausschließlich: MOTIVATION

Mit ERFOLG durchstarten

Begeisternd präsentieren! Großartige Reden halten. Starker Small Talk, der nicht nur Small bleibt. Was passiert wohl in Deinem Leben, wenn Du um Dich herum ständig Motivation erzeugst?

„Erfolgreich präsentieren und überzeugen“ – das 2tägige Seminar erfolgreicher Unternehmer*innen und Persönlichkeiten. 

RHETORIK & KOMMUNIKATION

 

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DEINE BEWERTUNG VON STRESS

WIE SEHR DU ETWAS ALS BEDROHUNG EMPFINDEST, HÄNGT VON DEINER EIGENEN BEWERTUNG AB

Wir kommen zu der Frage nach den Unterschieden in der Stressbewältigung: Warum nehmen manche Menschen etwas als Bedrohung wahr, was andere völlig unbeeindruckt lässt?

Grundlegend gibt es ja eine offensichtliche Verkettung zwischen Reiz und Reaktion. Wenn du ein traumatisches Erlebnis hast, schreiben sich bestimmte Reize als konditionierte Reaktion in dein Gehirn ein. Nach einem schweren Verkehrsunfall wäre es z.B. normal, wenn das Geräusch einer anhaltenden Autohupe noch lange Zeit Furcht und Stress bei dir auslösen würde. Trotzdem fällt die Verkettung Reiz-Reaktion bei jedem Menschen anders aus: Manche verbinden fortan alle Reize als negativ, die nur irgendwie mit dem Unfall in Verbindung standen. Andere können differenzieren, dass z.B. das Martinshorn des nahenden Krankenwagens für Hilfe und Rettung stand und weiterhin steht.

Deine emotionale Reaktion hängt nämlich auch davon ab, wie du Vorfälle und Dinge bewertest.
Warum können wir im Zoo seelenruhig vor einem Grizzlybären stehen, vor dem wir in freier Wildbahn panisch Reißaus nehmen würden?
Weil wir wissen, dass wir im Zoo sicher sind. Die Verkettung von Grizzly und Angst ist nicht direkt. Zwischen Reiz und Reaktion scheint es eine zwischengeschaltete Bewertung zu geben: Reiz – Bewertung – Reaktion.

Nun muss so ein Reiz oder Stressor im echten Leben nicht immer ein Grizzly sein. Der berühmten Bedürfnispyramide von Abraham Maslow nach streben wir neben überlebenswichtigen Grundbedürfnissen wie Essen und Trinken auch die Erfüllung von Metabedürfnissen wie Liebe, Glück und Erfüllung an. Geraten diese in Gefahr, erleben wir den gleichen Stress wie eine Maus im Angesicht eines aggressiven Rivalen.

Wie stark du Stress erlebst, hängt neben deiner Bewertung der Situation auch davon ab, wie du mit der Bedrohung umgehst. Der Psychologe Richard Lazarus nannte den Umgang mit Stressoren Coping, also Bewältigung. Je größer du dein eigenes Coping-Potenzial einschätzt, desto geringer erlebst du einen Reiz als Bedrohung. Dein Coping hängt wiederum von Faktoren wie der Solidarität deiner Kollegen oder der Unterstützung deiner Freunde ab.