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Wie verhindern wir, dass Angst uns lähmt?

ANGST

Die Zahl stammt aus dem letzten Jahr. Damals machten sich laut einer Langzeitstudie die Deutschen so wenig Sorgen wie noch nie. In Zeiten von Corona dürften sich die Zahlen dramatisch verändern. Aber wie geht man um mit Angst? Und was sagt man Menschen, die Angst haben? Oder ist ein gewisses Maß an Angst nicht sogar sinnvoll?

Es gibt unterschiedliche Formen des Gefühls. Sinnvoll ist die Unterscheidung zwischen Furcht und Angst. Beides fühlt sich ähnlich an und dürfte auch mit den gleichen körperlichen Reaktionen einhergehen, aber von Furcht spricht man, wenn es eine konkrete Bedrohung gibt.

Wer nicht in der Lage ist Angst zu empfinden, der läuft bei drohender Gefahr nicht weg und wird vernichtet. Diese Form der Angst ist demnach überlebenswichtig, dabei wird der Körper mit der notwendigen Energie versorgt, die uns hilft, uns zu verteidigen oder um unser Leben zu rennen. Dumm nur, wenn wir, was in der heutigen Zeit viel häufiger vorkommt, eigentlich bei einer existenziellen Bedrohung einen kühlen Kopf bewahren müssen.

Aber auch dann hat die Furcht einen Sinn: Sie warnt uns, lässt uns aktiv werden und handeln. Problematisch aber wird es, wenn die Bedrohung diffus ist. Wenn Signale aus der Umgebung uns in Angst versetzen, wir die konkrete Bedrohung gar nicht ausmachen können. Hier sprechen die Experten von Angst statt von Furcht, diese Angst lässt uns erstarren und lähmt uns. Weil wir gar nicht wissen, gegen was wir uns wehren können.

So etwas kann viele Ursachen haben. Meist stammt sie aus früheren Erfahrungen, Signale aus der Umgebung erinnern uns unbewusst an schlimme Erfahrungen und aktivieren die diffuse Angst.
Während der Fünfjährige in uns diese Angst verspürt, versucht der Erwachsene, „auf Biegen und Brechen eine Erklärung zu finden, warum er sich so panisch fühlt“.
Was dabei herauskommt, sieht man an den aktuellen Verschwörungstheorien sehr deutlich. Statt sich zu fragen, woher wohl diese Sorgen kommen, fangen Menschen an, alle möglichen rationalen oder irrationalen Erklärungen zu finden, um sich selbst erklären zu können, warum sie dieses beklemmende Gefühl erspüren. Es scheint dann manchmal einfacher zu sein, geheime Mächte verantwortlich zu machen, als herauszufinden, woher wohl diese Ängste rühren und wie man mit seinen Sorgen und Grübeleien anders umgehen kann. Was mitunter dann auch ziemlich schmerzhaft sein kann.

Guter Rat

Menschen, die Angst haben, suchen in diesem Angstzustand häufiger Kontakt zu anderen Menschen und bitten um Rat (auch die Veröffentlichung von Verschwörungstheorien ist ja im Grunde nichts anderes als der Versuch, Kontakt aufzunehmen).
Aber nicht jeder Rat ist geeignet, die Angst zu beseitigen. Man sollte sich also gut überlegen, an wen man sich wendet, zumal unter Angst die Urteilsfähigkeit, „zwischen gutem und schlechtem Rat zu unterscheiden“, leidet.
Wie aber gibt man einen guten Rat?
„Bitte nicht diskutieren, … keine Durchhalteparolen, keine Beschwichtigungen, keine Hoffnungsreden, keine Appelle an die Vernunft, keine Vergleiche mit Menschen, denen es schlechter geht.“
All das wendet sich nämlich an den „Erwachsenen“ und verstärkt die Angst des Fünfjährigen in uns noch.

Was dem Fünfjährigen hilft ist Zuwendung. Er braucht jemandem, der ihm signalisiert, dass er für ihn da ist. Der glaubhaft macht, spüren zu können, wie ihm zumute ist. Der anerkennt, dass die Ängste schlimm sind. Der Fünfjährige muss spüren, dass der andere mitfühlt – an der Stimme, am Blick, an der Berührung. „Die ängstliche Seite muss sich für eine gewisse Zeit darauf verlassen können, dass da jemand sich für sie interessiert“. Soll heißen: Man sollte immer mal wieder für den anderen da sein, von sich aus auf ihn zugehen und Zeit mit ihm verbringen.

Viel verlangt? Vermutlich, aber so wird es sein:

Ein einfacher Ratschlag und alles ist gut, ist eine Illusion. Zuhören und annehmen ist angesagt, aber das kostet Zeit und Energie.

Und ein letzter Tipp: Man kann versuchen, „die Selbstdistanzierung beim anderen zu fördern“, indem man zum Beispiel fragt: „Wenn dein Kind so panisch wäre wie du gerade, was würdest du dann tun?“ Möglicherweise erkennt der andere in dem Moment, was ihm fehlt, etwa dass er vielleicht einfach nur mal in den Arm genommen werden möchte….

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Hallo, Angst!

In Corona-Zeiten gibt es mehr Anlässe denn je, Angst zu haben. Dabei ist die Angststörung schon jetzt eine der häufigsten psychischen Krankheiten überhaupt. Führungskräfte bleiben davon nicht verschont. Wie können sie sinnvoll auf die eigene Angst reagieren? Viele kleine Tipps für den Umgang mit einem starken Gefühl.

Hier die Liste ohne Anspruch auf Vollständigkeit, verstanden als kleiner Werkzeugkasten, aus dem man sich bedienen kann.

  • Gestehen Sie sich ein, dass Sie Angst haben. Es muss niemand anderes dabei sein, wenn Sie das tun. Erlauben Sie sich ruhig die Vorstellung, dass alles den Bach herunter geht, lassen Sie Ihrer Trauer freien Lauf, weinen Sie, gönnen Sie sich die Verzweiflung, unterdrücken Sie sie nicht.
  • Wenn Sie es nicht fertig bringen, diese Emotionen als „Angst“ zu bezeichnen, dann nehmen Sie andere Namen: Unsicherheit, Unbehagen zum Beispiel. Oder geben Sie ihnen alberne Namen – was auch immer, aber benennen Sie sie.
  • Stellen Sie sich diese Gefühle wie einen Zug vor, der mit Geschwindigkeit in einen Bahnhof einläuft und ihn wieder verlässt und beobachten Sie ihn dabei.
  • Begrüßen Sie die Gefühle: Hallo, Angst! Hallo Sorge! und verabschieden sie wieder: Bis zum nächsten Mal! Bis später!
  • Spielen Sie Detektiv und finden heraus, wann die Angst auftritt. Bestimmte Absender in Ihrem E-Mail-Progamm? Bestimmte Äußerungen anderer? Bestimmte Nachrichten und Berichte? Es hilft, diese Angstanzeiger aufzuschreiben.
  • Die Anzeiger äußern sich oft auch körperlich – Enge in der Brust, flaches Atmen, verkrampfte Schultern, angespannte Kiefermuskulatur. Ich empfehle eine Übung, bei der man sich aufrecht auf einen Stuhl setzt und alle Teile des Körpers der Reihe nach durchgeht und darauf achtet, welche sich angespannt anfühlen. Dann kennen Sie Ihre Angstanzeiger. Linderung verschaffen Sie sich, indem Sie in diese verspannten und vielleicht schmerzenden Regionen hineinatmen.
  • Strukturieren Sie Ihre Zeit – wer es schafft, sich selbst besser zu organisieren, der hat eine stärkere Kontrolle über seine Angst. Also zum Beispiel eine To-Do-Liste jeden Morgen erstellen. Oder einen Tagesplan aufstellen, am besten in 30-Minuten-Abschnitten, wobei man darauf achten sollte, seinen Kalender nicht zu überfrachten.
  • Starten Sie kleine, sinnvolle Handlungen. Ob das nun das Sortieren von Rechnungen ist, das Gießen von Blumen, das Aufräumen Ihres E-Mail-Kontos – wichtig ist, dass man sich auf etwas konzentriert, das unmittelbar ansteht. Solange, bis die Panik nachlässt.
  • Eignen Sie sich eine Achtsamkeitstechnik für den Notfall an. Eine klassische Atemübung zum Beispiel, etwa die 4-7-8-Atemtechnik (bis 4 zählen beim Einatmen, bis 7 beim Atem anhalten und bis 8 beim Ausatmen). Oder sie richten Ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes, indem Sie sich zunächst auf die Angst fokussieren, die Aufmerksamkeit dann aber langsam zu einem Gegenstand in Ihrer Hand (einen Stift, ein Buch) wandern lassen.
  • Vertagen Sie die Angst. Sie können Ihr zum Beispiel mitteilen, dass Sie grade jetzt wenig Zeit für sie haben. Sätze wie: „Angst, bleib wo du bist. Ich arbeite gerade an eine Lösung und muss diese Aufgabe erst erledigen.“

Für Führungskräfte (natürlich nicht nur für dieser) gilt zudem, dass sie sich trauen sollten, über ihre Emotionen zu reden, also auch über ihre Angst. Wenn Sie zum Beispiel zugeben, dass es Ihnen in der aktuellen Situation nicht gut geht, Sie sich Sorgen machen und manchmal nicht schlafen können, dann entlastet das nicht nur Sie selbst, sondern hilft den anderen, sich normal zu fühlen. Diese merken, dass sie mit ihrer Angst nicht allein sind, was zu einer emotionalen Verbundenheit führt.

Sie können dies sogar in Krisenzeiten ein kleines Stück fördern, z.B. durch die Ampelübung. Jeder sagt zu Beginn eines Treffens kurz, wie er sich fühlt, also rot, gelb oder grün. Und wer möchte, kann dazu auch erzählen, warum das so ist, niemand muss.

Mag sein, dass Sie die meisten Empfehlungen für sich als wenig tauglich ansehen, aber vielleicht ist die eine oder andere dabei, die Sie doch ausprobieren möchten. Wichtig ist auf jeden Fall: Je nach dem Grad der Angststörung sollten Sie sich professionelle Hilfe holen! Auch ein Schritt, der eher für Stärke als für Schwäche steht.

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ZOMBIFIKATION zu VUCA-Zeiten

Sollte man in komplexen Situationen lieber auf die Urteilskraft von Nicht-Experten vertrauen?

Eine gewagte Hypothese: In „nur komplizierten“ Fällen helfen uns Experten mit ihrem Fachwissen. Aber in VUCA-Zeiten stehen sie dem Fortschritt eher im Weg, weil sie ihr Wissen in der Vergangenheit erworben haben. Auf wen soll man dann setzen?

Experten werden zweifellos überall benötigt werden und niemand möchte auf ihre Expertise verzichten (Urteilskraft vor Instanz). Aber dummerweise vertrauen wir (und auch Manager) auch bei neuen Problemstellungen auf Fachleute, und diese erstellen in der Tat ja auch ständig Prognosen über die Zukunft. Es gibt eindrucksvolle Beispiele, bei denen Experten um Vorhersagen gebeten wurden und bei 80.000 Prognosen die Trefferquote nicht höher lag als bei Zufallstipps.

Wenn die Experten aber in Sachen Prognosen überfordert sind – wer kann es besser? Angeblich unterschätzen wir „die Leistung von Nichtexperten bei komplexen Fragestellungen fahrlässig„.
Ein schönes Beispiel: Ein niederländischer Verkehrsplaner entfernte in den 80er Jahren sämtliche Schilder und Ampeln an Hauptverkehrsstraßen. Fahrbahn und Bürgersteig wurden zu durchgehenden Flächen. „Shared Space“ hieß das Projekt. Und siehe da: Die Verkehrsunfälle gingen auf NULL zurück, die Zeit zum Zurücklegen der Wegstrecke sank auf die Hälfte, obwohl sich die Geschwindigkeiten verlangsamten.

Fazit: Menschliche Urteilskraft genügt, um komplexe Situationen effektiv zu regulieren. Bevormundet man die Menschen z.B. durch Regeln, Vorschriften und Vorgaben, die von „Experten“ erstellt wurden, verhalten sich die Bevormundeten auch wie Entmündigte. Sie übernehmen keine Verantwortung, diese wird „durch Warnhinweise und Verhaltensaufforderungen ausgeschlossen.“ Dafür gibt es den Begriff „Zombifikation„.

Ich habe viel Sympathie für diese Haltung, allerdings zeigt das Beispiel auch das Problem der Übertragbarkeit. Die Verkehrsteilnehmer mögen zwar keine Experten in Sachen „Verkehrsplanung“ sein, aber sie kennen sich aus mit Auto-, Fahrrad- und Fußgänger-Verhalten. Sie beherrschen diese Fortbewegungsarten meist ziemlich gut. Im Unternehmensalltag bräuchte man Mitarbeiter, die über breites Wissen und Fähigkeiten verfügen und keine „dressierten Spezialisten“ sind, die sich nur auf einem Fachgebiet auskennen. Und sie müssten über alle notwendigen Informationen verfügen, damit das mit der Selbstregulierung funktioniert. Was in der Übergangszeit sicher ein Problem darstellt, das aber lösbar ist.

Eine weitere Frage, die sich wie immer bei solchen Beispielen stellt, ist, ob das mit der Selbstregulierung auch bei großen Organisationen funktioniert – das scheint beim Shared Space auch ein Problem zu sein.

Ansonsten sind meine Erfahrungen ähnlich: Wenn man Gruppen mit wenigen Spielregeln „machen lässt“, setzt sich in der Regel tatsächlich die menschliche Urteilskraft durch. Die Kunst ist weniger, Menschen dazu zu befähigen. Die Kunst ist, so viel Vertrauen in sie zu entwickeln und auszuhalten, wenn es nicht sofort funktioniert, dass sie diese Urteilskraft auch wirklich nutzen können. In vielen Workshops die ich gehalten habe oder Besprechungen die ich moderiert habe, habe ich mir zwischendurch das Urteil eines Experten gewünscht. Oder in denen ich dachte: „Was diskutieren die denn hier so lange, die Lösung liegt doch auf der Hand!?“

Um anschließend immer wieder davon überrascht zu werden, welche erstaunlichen und vor allem kreativen und praktischen Lösungen Gruppen entwickeln, wenn man ausreichend Geduld hat. Wobei diese Lösungen manchmal der entsprachen, die ich für die einzig mögliche gehalten hatte, aber oft genug auch völlig anders und viel praktikabler ausfiel.

 

Hilfe, Anregungen und Trainingsmöglichkeiten erhalten Sie unter www.michaeltiefel.com oder info@michaeltiefel.co

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Firmencoaching – anders als gedacht

Meine praktische Tätigkeit als freier Coach und Trainer spielt sich wie folgt ab:

Ich werde in eine Firma gerufen, wo man mir eröffnet, dass man mich für eine Schulung vorgesehen hat (meist aufgrund einer mündlichen Empfehlung). Jetzt lasse ich mir erst einmal erzählen, was die Firma tut und wie der „Laden läuft“. Dann komme ich auf die spezielle Problematik zu sprechen – denn gäbe es keine Probleme, so hätte man mich nicht gerufen.

Bei diesem Stand der Gespräche hake ich mit (oft sehr direkten und teilweise unangenehmen) Fragen so lange nach, bis ich genau weiß, wo die Nöte der Firma beziehungsweise ihrer Mitarbeiter liegen.

Erst jetzt fällt die Entscheidung: Was für eine Art Seminar wollen wir abhalten? Ein Management-Seminar? Ein Kommunikationsseminar? Eine Rhetorikschulung? Eine Schulung für Gesprächstechnik? Ein ausgesprochenes Verhaltenstraining? Ein Motivationsseminar? Oder mehrere dieser Seminare – und in welcher Reihenfolge? Oder eine Kombination?

Nehmen wir mal an, das Grundproblem einer Firma sei folgendes: Die Firma hat ein Marketing-Konzeption erarbeitet – und der Außendienst zieht nicht mit! Im Augenblick „mauern“ die „alten Hasen“; möglicherweise steht auch eine „Palastrevolution“ ins Haus. Mein Vorschlag heißt in diesem Falle: „Offiziell“ machen wir ein „Verkaufstraining“. Richtziel des Seminars muss es aber sein, den Außendienst zu motivieren, dass er die neue Marketing-Konzeption anerkennt und nach dem Seminar „moralisch aufgerüstet“ an die Front zurückeilt, um höhere Umsätze denn je zuvor zu erzielen. Denn an den erzielten Umsätzen wird letztlich mein Erfolg gemessen.

Jetzt hole ich möglichst detaillierte Auskünfte über den Außendienst ein. Und zwar auf zweierlei Weise: Zum einen lasse ich mir von meinem Verhandlungspartner (meist Vertriebs- und/oder Außendienstleiter erzählen, was er von „seinem“ Außendienst hält. Und dann gehe ich mit mindestens zwei Außendienstmitarbeitern einige Tage auf die Reise. Erst dann entscheide ich endgültig über Zeitdauer und Lernziele des Seminars und übersende der Firma einen Programmvorschlag.

Wie man sieht, lege ich sehr viel Wert auf die „Vorarbeit“ und gehe nicht blauäugig in ein Coaching/Seminar. Gerade in Unternehmen ist dies besonders wichtig.

Sie wollen mehr erfahren? Dann melden Sie sich einfach unter info@michaeltiefel.com

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Die starke Macht der Worte – Reden Sie Krisen nicht herbei!

Max Frisch hat den weisen Satz gesagt: Eine Krise ist ein produktiver Zustand – man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen!“

Leichter gesagt als getan, oder? Das Krisengefühl lauert derzeit überall – ob auf persönlicher, beruflicher, nationaler oder globaler Ebene. In der Kommunikation und in den Medien sind Krisen das beherrschende Thema. Wir sind sehr geübt darin, unsere Aufmerksamkeit auf die Krisen zu lenken und entsprechende Informationen aufzunehmen. Diese negativen Informationen trüben unsere Gedanken und Emotionen ein, so dass das innere „Katastrophen- Gefühlskarussell“ so richtig Fahrt aufnehmen kann. Die Folge ist in der Regel das Gefühl, der Situation ausgeliefert zu sein und die eigene Handlungsfähigkeit zu verlieren.

Wie können Sie aus diesem emotionalen Katastrophen Karussell“ aussteigen?

  • Beteiligen Sie sich nicht an der Krisen-Kommunikation

Gespräche über Krisen gibt es momentan überall: mit den Kollegen und Vorgesetzten, der Familie, mit Freunden. Immer dann, wenn Sie selber aktiv in diese Gespräche einsteigen und Ihre Energie in diese Krisen stecken, produzieren Sie mehr von den negativen Emotionen und machen die Krisen dadurch größer.
Was können Sie stattdessen tun? Steigen Sie aus der Krisen-Kommunikation aus. Dadurch entziehen Sie der als schwierig erlebten Situation den Nährboden, sich zu einer lähmenden Katastrophe zu entwickeln. Lenken Sie stattdessen die Aufmerksamkeit in Richtung Zukunft und fragen Sie, was jetzt zu tun wäre oder was ein erster Schritt sein könnte, um diese schwierige Situation zu meistern. So werden sich die Beteiligten ihrer eigenen Fähigkeiten bewusst und behalten das Heft des Handelns in den eigenen Händen.

  • Schärfen Sie Ihr Bewusstsein: Was ist eigentlich eine Krise?

Folgt man Max Frisch, so ist eine Krise ein produktiver Zustand, d.h. ein Zustand, aus dem heraus Neues entsteht. Man könnte eine Krise als eine Aufforderung des Lebens verstehen, aktiv zu werden und neue Lösungen zu finden.
Was können Sie tun? Fragen Sie sich, was Sie durch diese Krise schaffen können, was Ihnen ohne diese Situation evtl. nicht möglich gewesen wäre?

  • Trainieren Sie Ihren Geist – bringen Sie sich durch Ihr Denken und Sprechen auf Erfolgskurs!

Von Kindesbeinen an sind wir trainiert, den Fehler bzw. das Haar in der Suppe zu finden. Mit diesem geübten Blick auf das Negative, schwingen wir uns selber auf das Negative ein und laden sozusagen die nächste Krise zu uns ein. Das geht auch anders.
Was können Sie tun? Richten Sie Ihr Bewusstsein auf das, was Sie erreichen wollen. Seien Sie sich bewusst, welche Fähigkeiten Sie haben, um diese Situation erfolgreich zu meistern. Trainieren Sie Ihr Denken und verordnen Sie sich ein inneres „STOPP Schild“, wenn Sie sich selber durch negative Gedanken in die Katastrophe denken. Sprechen Sie eine positive Sprache und sagen Sie, was Ihnen wichtig ist und was Sie wollen – anstatt was alles nicht geht.

  • Wenn Sie also Ihren Blick auf die Zukunft richten und aus schwierigen Situationen Visionen erschaffen,
  • wenn Sie sich Ihrer Fähigkeiten bewusst werden und sich ganz bewusst dafür entscheiden, aus dem negativen Gedanken-Karussell auszusteigen
  • wenn Sie sich stattdessen fragen, was alles möglich ist und wir so gedanklich die Zukunft (nach der Krise) gestalten, dann stärken Sie Ihr Bewusstsein, Krisen meistern zu können.

So schaffen Sie es, dass aus schwierigen Situationen keine Katastrophen-Stimmung erwächst sondern Neues entstehen kann – Dann muss die nächste Krise ohne Sie stattfinden.

 

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PRINZIPIEN DER EFFEKTIVITÄT

Es gibt verschiedene, zeitlose, universelle Prinzipien der Effektivität im persönlichen, zwischenmenschlichen und geschäftlichen Bereich.
Hier sind meine sieben wichtigsten:
  1. Das Prinzip des lebenslangen Lernens, der ständigen Weiterbildung. Lebenslanges Lernen ist in der Welt von heute unerlässlich. Es trägt dazu bei, dass wir bessere Beziehungen führen und im Beruf kompetenter werden können. Viele von uns werden auf mehr als fünf verschiedenen Gebieten gearbeitet haben, bevor sie in den Ruhestand gehen. Der technische Fortschritt schreitet mit rasender Geschwindigkeit voran – da wollen Sie sicher nicht hinterherhinken?

„Das ist Lernen – plötzlich verstehen wir etwas, das wir schon unser ganzes Leben lang verstanden haben, aber auf eine völlig neue Weise“ Doris Lessing

  1. Das Prinzip des Dienens, der Gedanke, andere zu unterstützen und ihnen zur Seite zu stehen.

„Anderen zu dienen ist wundervoll – allerdings nur, wenn man es mit Freude, mit ganzem Herzen und mit freiem Geist tut.“ Pearl S. Buck 

  1. Das Prinzip, optimistisch zu bleiben, positive Energie auszustrahlen und die vier emotionalen Hindernisse – Kritisieren, Klagen, Vergleichen und Konkurrieren – zu vermeiden.

„Der entscheidende Punkt beim Leben und beim Optimismus ist, töricht genug zu sein, um zu glauben, dass das Beste noch kommt.“ Peter Ustinov

  1. Das Prinzip, anderen Bestätigung zu geben und sie als pro-aktive Individuen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten und großem Potenzial zu sehen.

„Wenn man die Menschen behandelt, als wären sie das, was sie sein sollten, hilft man ihnen, das zu werden, was sie werden könnten.“  Johann Wolfgang von Goethe

  1. Das Prinzip des Gleichgewichts – die Fähigkeit, unsere unterschiedlichen Rollen zu erkennen und für alle wichtigen Bereiche unseres Lebens das richtige Maß an Zeit aufzuwenden. Denn Erfolg in einem Lebensbereich kann eine Vernachlässigung oder Misserfolge in anderen nicht aufwiegen.

„Jeder von uns ist ein Haus mit vier Zimmern: einem physischen, einem mentalen, einem emotionalem und einem spirituellen. Wenn wir nicht jeden Tag in jedes Zimmer gehen – und sei es nur, um dort für frische Luft zu sorgen – , sind wir keine richtigen Menschen.“                   Rumer Godden

  1. Das Prinzip der Spontaneität – die Fähigkeit, das Leben mit einem Schuss Abenteuerlust und Neugier auszukosten, statt bei allen Dingen immer etwas Negatives finden zu wollen.

„Die Essenz von Freude ist Spontaneität“ Germaine Greer

  1. Das Prinzip der ständigen Erneuerung und Verbesserung in den vier Dimensionen unseres Lebens: dem physischen, spirituellen, mentalen und sozial/emotionalen Bereich.

„Das ist die größte Investition, die wir im Leben machen können – in uns selbst zu investieren.“ Stephen R. Covey

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Baue Gewohnheiten auf

Kleine Gewohnheiten haben erstaunlichen Einfluss auf dein Leben

Wir alle haben große Ziele. Wir wollen auswandern, abnehmen oder ein Haus kaufen. Mit dem Rauchen aufhören, den Job wechseln oder mehr Geduld haben. Aber noch bevor wir richtig in die Umsetzung gehen, kapitulieren viele von uns. Warum? Weil wir nicht wissen, wie wir das alles erreichen sollen. Weil wir denken, große Ziele verlangen nach großen Schritten.

Stell dir vor, ein Flugzeug startet in München in Richtung Berlin. Und jetzt stell dir vor, der Pilot ändert den Kurs während des Starts um winzige 9 Grad nach Nordwesten. Die Nase der Maschine dreht um weniger als zwei Meter ab, und außerhalb des Cockpits bemerkt das niemand. Doch das winzige Manöver entfaltet während des langen Flugs beträchtliche Wirkung, sodass die verwirrten Passagiere nicht in Berlin, sondern in Köln von Bord gehen.

Was zeigt uns dieses Beispiel? Dass wir die Wirkung kleiner Veränderungen nicht sofort bemerken. Wenn du dich heute außer Form fühlst und zwanzig Minuten joggst, bist du auch morgen noch unfit. Oder umgekehrt: Wenn du heute vorm Schlafengehen eine Familienpizza verdrückst, wirst du nicht über Nacht übergewichtig (von Übelkeit mal abgesehen).

Der entscheidende Faktor ist die Routine: Wenn du täglich eine Pizza isst, nimmst du im Laufe eines Jahres mehrere Kilo zu. Und wenn du täglich zwanzig Minuten joggst, fühlst du dich schon nach ein paar Wochen schlanker und fitter. Es sind also die kleinen Gewohnheiten, die auf Dauer große Wirkung entfalten.

Das bedeutet, dass du Geduld brauchst, wenn du dein Leben positiv verändern willst. Und du brauchst die Zuversicht, dass dich deine Gewohnheiten auf dem richtigen Kurs halten – selbst wenn du keine unmittelbaren Resultate siehst.

Nehmen wir an, du willst sparen. Du legst jeden Monat Geld zur Seite, schaust aber ständig frustriert auf den Kontostand. Kein Wunder, dass du so an der Wirkung deines Verhaltens zweifelst. Hör auf, verbissen auf direkte Ergebnisse zu schielen. Konzentriere dich auf dein Langzeitziel und deinen Kurs. Hab Vertrauen! Wenn du weiterhin monatlich sparst, wird früher oder später eine beträchtliche Summe zusammenkommen.

Unterschätze nie die Macht kleinster Gewohnheiten. Ein Millionär, der sein Geld gedankenlos ausgibt, mag sich nicht um die kommenden Kontoauszüge sorgen müssen. Aber irgendwann kommt auch ihn seine Arglosigkeit teuer zu stehen.

All das führt zu einer befreienden Erkenntnis. Du musst dein Leben nicht komplett auf den Kopf stellen, um große Veränderungen herbeizuführen. Du musst nicht alles von heute auf morgen umkrempeln, um dich neu zu erfinden. Konzentriere dich auf das tägliche eine Prozent, auf die minimalen Veränderungen des Lebens. Wenn du diese zur täglichen Routine machst, wirst du irgendwann deine anvisierten hundert Prozent erreichen.

Du willst mehr dazu wissen oder wie du dich auf einem bestimmten Gebiet effektiv verbessern kannst? Dann schreibe uns unter info@michaeltiefel.com

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WARUM DIE SOZIALE INTELLIGENZ FÜR DIE FÜHRUNG SO ERHEBLICH VON BEDEUTUNG IST

Neue Erkenntnisse der Hirnforschung zeigen, wie Führungskräfte die Stimmung im Team und damit auch dessen Leistung verbessern können: Indem sie lernen, die biologischen Gesetze der Empathie zu nutzen.

Die biologischen Grundlagen:

Sogenannte Spiegelneuronen in unserem Gehirn bringen uns dazu, unbewusst die Emotionen und Handlungen unseres Gegenübers aufzugreifen und zu imitieren. Gut vernetzte Spindelzellen helfen, wiederkehrende Muster zu erkennen und entsprechend zu handeln – ein Erfahrungswert, den wir als Intuition bezeichnen. Oszillatoren steuern unsere Körpersprache so, dass wir uns mit anderen Menschen synchron bewegen.

Das Geheimnis guter Führung:

Vorbildliche Führungskräfte zeichnen sich vor allem durch ihre Fähigkeit aus, gute soziale Beziehungen zu ihren Mitmenschen aufzubauen. Denn positiv gestimmte Mitarbeiter bringen deutlich bessere Leistungen als nervöse oder ängstliche.

Die gute Nachricht für alle Einzelgänger: Soziale Intelligenz ist nicht in den Genen verankert, sondern lässt sich mithilfe eines guten Coachs oder Mentors auch noch im fortgeschrittenen Alter erlernen.

Vorgesetzte, die negatives Feedback mit einem Lächeln überbringen, haben zufriedenere Mitarbeiter als solche, die mit kritischer Miene Lob verteilen.

Wir sind keine bloßen Sklaven unserer Gene und frühkindlichen Erlebnisse. Jede Führungskraft kann ihr Verhalten verändern, wenn sie sich wirklich bemüht.

Sind Sie eine sozial intelligente Führungskraft?

 Hier finden Sie sieben Kompetenzen und einige Fragen mit denen wir sie beurteilen.

Einfühlungsvermögen

  • Wissen Sie, was Ihre Mitmenschen motiviert, auch wenn diese aus einem anderen Umfeld stammen als Sie selbst?
  • Haben Sie ein Gespür für die Bedürfnisse anderer Menschen?

Einklang

  • Hören Sie anderen Menschen aufmerksam zu und machen Sie sich Gedanken über ihre Gefühle?
  • Haben Sie einen guten Instinkt für die Stimmungen Ihrer Mitmenschen?

Unternehmensbewusstsein

  • Haben Sie ein Gespür für die Kultur und die Wertvorstellungen einer Abteilung oder eines Unternehmens?
  • Durchschauen Sie soziale Netzwerke, und kennen Sie deren unausgesprochene Normen?

Einfluss

  • Überzeugen Sie andere Menschen, indem Sie sie in eine Diskussion verwickeln und an ihr Eigeninteresse appellieren?
  • Holen Sie sich Unterstützung von wichtigen Leuten?

Mitarbeiterentwicklung

  • Verstehen Sie sich als mitfühlender Coach Ihrer Mitarbeiter, und investieren Sie Ihre persönliche Zeit und Energie in dieses Mentoring?
  • Geben Sie anderen Leuten Feedback, das diesen bei ihrer beruflichen Entwicklung weiterhilft?

Inspiration

  • Können Sie überzeugende Visionen formulieren, Ihrer Abteilung Stolz auf die eigene Gruppe vermitteln und ein positives emotionales Klima fördern?
  • Führen Sie Ihre Mitarbeiter, indem Sie das Beste aus ihnen herausholen?

Teamarbeit

  • Bitten Sie sämtliche Mitglieder Ihres Teams um Input?
  • Unterstützen Sie alle diese Teammitglieder und ermutigen Sie sie zur Zusammenarbeit?

 

Fazit

Knallharte Chefs mögen es für finanziell unverantwortlich und für ein Zeichen von Schwäche halten, sich mit solchen Theorien zu befassen, da der Erfolg in ihrer Welt letztendlich nur an Zahlen gemessen wird. Doch heutzutage gibt es neue Untersuchungsmethoden, mit denen sich die Entwicklung eines Menschen wissenschaftlich messen lässt – und diese bestätigen die alten Theorien, sodass sich ein direkter Zusammenhang zur Mitarbeiterperformance herstellen lässt. Daher sieht es inzwischen ganz so aus, als ob die sogenannte weiche Seite des Managements auf ziemlich harten Fakten beruht.

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DIE MEISTEN MENSCHEN HÖREN NICHT ZU UM ZU VERSTEHEN, SIE HÖREN ZU UM ZU ANTWORTEN!

Der Mensch will verstanden werden. Hier ist es egal ob in der Familie oder im Beruf. EINFÜHLENDES ZUHÖREN gehört zu den Grundprinzipien einer erfolgreichen Kommunikation.

Wenn ich effektiv mit einer anderen Person interagieren will, muss ich sie zuerst verstehen.

Der wahre Schlüssel dafür, dass ich eine Person beeinflussen kann ist mein Vorbild, mein Verhalten – mein Charakter.

Um Ratschläge geben zu können und mehr über eine Person zu verstehen, muss sie sich erst öffnen – sie muss Vertrauen in mir haben.

Was ist EINFÜHLENDES ZUHÖREN? Es ist Zuhören mit der Absicht den anderen zu verstehen. Erst verstehen wollen – dann Verstehen!

EINFÜHLENDES ZUHÖREN führt einen in den Bezugsrahmen des anderen. Das hilft sein Paradigma und seine Gefühle zu verstehen.

Dies bedeutet, dass ich die Meinung des anderen nicht teilen muss. Es geht darum, dass ich den Menschen voll und ganz verstehe – emotional und intellektuell!

Wie ist eine Kommunikation aufgebaut?

Sie besteht aus 10% Worte – 30% Stimme – 60% Körpersprache

Wie man hier sieht, ist es nicht so wichtig was man sagt, sondern was man fühlt und diese Gefühle auch wiedergibt. Der Gegenüber spürt und sieht was man von ihm hält und ob man ihn wichtig nimmt.

Der Mensch strebt danach:   – verstanden,

– bestätigt,

– geliebt und

– anerkannt zu werden.

 

Dies setzt voraus, dass wir ihn erst verstehen und dann selbst verstanden zu werden.

Deshalb müssen wir immer erst eine Diagnose stellen und dann das Rezept.

Ein effektiver Verkäufer zum Beispiel versucht zunächst die Bedürfnisse, die Anliegen und die Situation des Kunden zu verstehen. Danach verkauft er Lösungen für das Problem. Man muss aber auch den Mut haben zu sagen, „Mein Produkt, meine Dienstleistungen werden Ihre Bedürfnisse nicht erfüllen.“

Erst verstehen und dann verstanden zu werden ist ein richtiges Prinzip, jenes für alle Lebensbereiche gilt. Es ist ein allgemeines Prinzip, das ganz besonders wichtig ist, wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht.

Zu oft wenden wir unsere autobiografischen Antworten, teils bewusst, teils unbewusst, an.

Wir müssen beide Seiten des Gehirns verwenden um beide Seiten des Gegenübers zu verstehen.

 

 

 

 

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Das steinzeitliche Gehirn macht Menschen zu Jammerlappen

Unser Gehirn hat sich seit der Steinzeit nur wenig weiterentwickelt und steht uns daher oft im Weg: Wir sind darauf spezialisiert, übervorsichtig und angepasst zu handeln. Doch so erreichen wir unsere Ziele nicht. Um Erfolg zu haben und glücklich zu sein, müssen wir den Autopiloten in unserem Gehirn ausschalten, lernen flexibler zu denken und anfangen, selbstbestimmt unsere eigenen Ziele zu stecken.

Es gibt sicherlich tausende Menschen in Mitteleuropa, die lieber eine Strandbar auf Bali eröffnen würden, als sich weiter jeden Tag an ihren langweiligen Arbeitsplatz zu schleppen. Und wie viele öffnen die Bar wirklich? Vermutlich entweder keiner oder höchstens einer pro Jahr. Dabei wären wahrscheinlich viele von ihnen hinter einem Tresen tatsächlich glücklicher. Doch weshalb dieses Zögern? Warum stehen sich so viele Leute selbst im Weg und haben unnötige Angst vor Veränderungen? 

Es liegt an den Steinen, die uns unser steinzeitliches Gehirn in den Weg legt und das immer auf die Eingrenzung von Lebensgefahren aus ist. Den Wenigsten gelingt es, sich über diesen inneren Angsthasen hinwegzusetzen und ihr sicheres Leben für einen Traum aufzugeben. 

Es gibt kein Patentrezept, das jeden Menschen glücklich macht.

Der Job macht Menschen unzufrieden: Klar, der Chef und die ganze Firma sind schuld. Privat sind die Leute unglücklich: Es liegt am Partner, der sie nicht so behandelt, wie sie es verdient hätten. Viele schieben die Verantwortung für das eigene Glück gern auf andere oder auf die äußeren Umstände. Andere holen sich Rat von Experten, und wenn es trotzdem nicht klappt mit Glück und Erfolg, dann ist eben der Experte schuld, der keine Ahnung hat.

Dabei gibt es für Glück kein Patentrezept – wir Menschen sind alle viel zu unterschiedlich. Viele Coaches und Berater werben damit, dass sie den einen universellen Weg gefunden haben, auf dem jeder Mensch erfolgreich und glücklich wird. Dabei übersehen sie aber zu oft, dass nicht alle über den gleichen Kamm geschoren werden können.

Im Fernsehen wurde vor einiger Zeit von einem Mann berichtet, der unglücklich in seinem Job war und zudem darunter litt, zu viel Gewicht und keine Freundin zu haben. Der Mann ließ sich von einer Lebensberaterin helfen, die selbst mit ihrem Gewicht kämpfte. Die Beraterin riet sofort: „Lassen sie uns zuerst mit dem Job anfangen, denn Abnehmen ist das schwierigste der drei Probleme, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.“

Hier hat die Expertin von sich auf andere geschlossen. Woher will sie wissen, dass bei dem Klienten nicht gerade das Abnehmen der erste Schritt sein sollte? Um glücklich zu werden, musst du deinen eigenen Weg finden und gehen. Daher wird auch kein Patentrezept präsentiert, sondern verschiedene Methoden vorgestellt, die einen neuen Blick auf deine individuellen Möglichkeiten eröffnen. Mit ihrer Hilfe kannst du dann selbst den Weg bestimmen, der dich ans Ziel führt. 

Doch schauen wir uns zunächst erst einmal an, was uns Menschen oftmals davon abhält, größere Ziele zu verwirklichen.

Das steinzeitliche Gehirn macht Menschen zu Jammerlappen.

Seit der Steinzeit hat sich unser Gehirn in einigen Aspekten nur noch wenig entwickelt. Laut wissenschaftlichen Studien nehmen wir unsere Außenwelt fast genauso wahr wie vor 20.000 Jahren. Leider sind wir damit eher schlecht an die moderne Welt angepasst. 

Unsere Vorfahren hatten bessere Überlebenschancen, wenn sie sich ihrer Gruppe anpassten und so vorsichtig wie möglich waren. Unser Gehirn stellt unsere Sicherheit leider noch immer über unsere abenteuerlichen Wünsche. Sobald es etwas Ungewöhnliches wie „eigene Strandbar“ oder „Bali“ hört, geht es los wie eine Alarmanlage: „Altersvorsorge! Moskitos und Alligatoren! Was wird deine Familie sagen? Du wirst deine Freunde vermissen!“

Dabei spielen besonders zwei mentale Altlasten eine entscheidende Rolle. Die erste ist der Herdentrieb. Für unsere Vorfahren war es extrem wichtig, nicht aus ihrer Gruppe verstoßen zu werden. Sie hätten allein in der Wildnis vermutlich keinen Tag überlebt. Unser Gehirn ist folglich darauf getrimmt, uns den anderen anzupassen, statt unsere eigenen Wege zu gehen.

Die andere mentale Altlast ist die Angst vor Veränderung: Für unsere Vorfahren war es sinnvoll, allem Neuen skeptisch gegenüberzustehen. Eine unbekannte Pflanze, eine dunkle Felsspalte oder ein fremdartiges Tier hätten ihren Tod bedeuten können. Daher war es für sie sicherer, sich einfach so zu verhalten wie immer und nichts Neues auszuprobieren. 

Dass diese Angst vor Veränderung immer noch tief in unserem Körper verankert ist, erkennst du vielleicht mit folgender Übung: Verschränke die Finger beider Hände einmal so, wie du es immer tust. Nun wiederhole dasselbe mit dem anderen Daumen obenauf. Wie fühlt sich das an? Vermutlich seltsam, unangenehm und falsch. Das ist dein Urzeit-Ich, das dich davor warnt, etwas anders zu machen, als du es gewohnt bist.

Diese beiden Denkmuster haben Menschen früher vor Gefahren bewahrt, heute sind sie jedoch oft unnütz und eher hinderlich. Sie sind sie wie ein kleiner Jammerlappen in unserem Kopf.

Sobald die Werbung verkündet, Bakterien im Müll seien gefährlich, lässt uns dieser Jammerlappen in den Supermarkt marschieren und – vollkommen überflüssige – antibakterielle Müllbeutel kaufen.

Doch je mehr Angst wir haben, desto kleiner wird unser Spielraum. Der Jammerlappen sitzt mitten in unserer Komfortzone und will nicht, dass wir sie verlassen. Je mehr Gewohnheiten wir folgen, desto kleiner wird diese Zone und wir fühlen uns eingesperrt. Veränderungen und Verbesserungen finden jedoch nur außerhalb dieser Zone statt. Um dich weiterzuentwickeln, musst du also deinen inneren Jammerlappen in die Schranken weisen.

Mithilfe der AUSGEJAMMERT!-Strategie kannst du dein volles Potenzial ausschöpfen. 

Um den inneren Jammerlappen zu überwinden, folge der AUSGEJAMMERT!-Strategie. Sie basiert auf den Studien und Erkenntnissen vieler erfahrener Evolutions- und Verhaltensforscher, Psychologen, Körpertherapeuten und anderer Wissenschaftler. Neben diesen Grundlagen sind auch die Erfahrungen des Autors Fischedick als Mentalcoach in die AUSGEJAMMERT!-Strategie mit eingeflossen. 

Sie besteht aus drei Phasen:

Phase eins: Du schaltest du deinen Automatikmodus ab. Phase zwei: Du trainierst deine Flexibilität. Phase drei: Du nutzt deinen neuen Spielraum. Für jede Phase stehen dir verschiedene Methoden und Tools zur Verfügung. Daraus kannst du diejenigen auswählen, die am besten zu dir passen. 

Viele der vorgestellten Methoden wirken einfach und unspektakulär. Da scheint es erstaunlich, dass sie so eine große Wirkung haben sollen. Doch oft ist es nur entscheidend, an der richtigen Stelle anzusetzen, um einen großen Mechanismus in Bewegung zu setzen.

Die AUSGEJAMMERT!-Strategie funktioniert im Übrigen nur, wenn du dich ganz auf sie einlässt. Du kannst dich jetzt und hier entscheiden, die volle Verantwortung für dein Leben zu übernehmen. Vielleicht erscheint dir die eine oder andere Methode suspekt. Auch hier hast du dann die Wahl zu entscheiden: Bist du bereit, etwas Neues auszuprobieren oder nicht? Doch wer nichts wagt, wird auch seine Ziele nicht erreichen. Bevor wir mit Phase eins beginnen, betrachten wir noch einmal, warum das menschliche Hirn den Autopiloten als so angenehm empfindet.

Menschen verbringen einen großen Teil ihres Lebens mit Gewohnheiten, da diese Energie sparen.

Es erfordert viel Rechenleistung im Gehirn, um eine Sprache zu lernen, eine unbekannte Software zu bedienen oder eine neue Sportart auszuüben. Je mehr Erfahrungen wir im Laufe der Zeit über die Sprache oder Software sammeln, umso weniger Ressourcen sind zur Bewältigung derselben Aufgaben nötig. Einfachste Hirnstrukturen reichen dann aus, um komplexe Vorgänge zu steuern, ohne dass wir uns anstrengen oder bewusst nachdenken müssen.

„Super“, denkt sich das Gehirn, „dann kann ich ab jetzt Energie sparen“, und schaltet ab diesem Zeitpunkt auf Autopilot. Nun kommen Gewohnheiten ins Spiel. Je älter wir werden, desto mehr erledigen wir gewohnheitsmäßig: jeden Abend um 23:00 Uhr ins Bett, jeden Morgen ein Brötchen mit Marmelade und eine Schale Müsli zum Frühstück, immer dieselbe Art Romane als Urlaubslektüre. Gewohnheiten führen aber dazu, dass wir nicht mehr genau hinschauen. Das ist so, als würden wir fast den ganzen Tag mit offenen Augen schlafen. 

Für unseren Kopf ist das ein angenehmer Zustand, denn Gewohnheiten geben ihm Sicherheit. Auch bei Kindern geben Gewohnheiten bereits Ruhe und Stabilität, weshalb sie sich die gleiche Geschichte immer wieder wünschen. Ihr Gehirn legt dann eine kurze Ruhepause ein.

Andererseits hat der „Gewohnheitsschlaf“ auch Nachteile: Wir übersehen Chancen, die sich außerhalb unserer Komfortzone befinden, auch wenn sie direkt vor unserer Nase liegen. Außerdem denken wir im Autopiloten weniger über die Konsequenzen unseres Verhaltens nach.

Verallgemeinerungen und Vorurteile gehören ebenfalls zu den Tücken des Autopiloten. Wenn das Gehirn wenig Energie für komplizierte Analysen und Wertungen aufwenden will, kommen simplifizierte Deutungsmuster und Schubladendenken wie gerufen. 

Auch sie sind ein Überbleibsel unseres Steinzeithirns. Vor einigen Jahrtausenden war es sicher von Vorteil, schnell und ungenau statt langsam und genau zu reagieren. Und auch heute kann dieses Denkmuster in Notsituationen sinnvoll sein. Lieber einmal zu schnell vor einer vermeintlichen Gefahr weggerannt, als zu lange überlegt, ob die düstere Gestalt, die sich aus der dunklen Gasse nähert, wirklich gefährlich ist. Allerdings urteilen wir auch in vollkommen ungefährlichen Situationen zu schnell zu ungenau. Das führt unter anderem dazu, dass wir Menschen unbewusst wegen ihres Aussehens oder Andersseins diskriminieren.

Leider können wir nicht ganz verhindern, dass Menschen andere in Schubladen stecken. Aber wir können es uns regelmäßig bewusst machen und versuchen, die Menschen und Situationen um uns herum möglichst vorurteilsfrei zu betrachten. In einigen Firmen wird beispielsweise mittlerweile auf anonymisierte Bewerbungen zurückgegriffen, um Vorurteile einzuschränken und wirklich nur auf die Qualifikationen von Bewerbern zu achten. Im Folgenden stellen wir einige Übungen vor, mit denen du persönlich deinen Autopiloten ausschalten und dein komplettes Gehirn aktivieren kannst.

Schalte den Autopiloten aus und aktiviere das gesamte Gehirn.

Kommen wir nun zurück zu den drei Phasen der AUSGEJAMMERT!-Strategie, genau genommen zur Phase eins. Zum Glück bist du nicht zum ewigen Gewohnheitsschlaf verdammt, sondern kannst die Müdigkeit deines trägen Denkapparats abschütteln. Wenn du vor einer wichtigen Aufgabe stehst oder eine relevante Entscheidung treffen musst, verhelfen dir ein paar Tricks zu mehr Aktivität im Hirn. 

Alle Übungen funktionieren nach dem gleichen Prinzip: durch anspruchsvolle Körper- oder Augenbewegungen, durch die im Hirn Dopamin ausgeschüttet wird. Dieses Hormon führt dazu, dass dein gesamtes Gehirn aktiviert wird und deine Aufmerksamkeit steigt.

Fordere deine Koordination heraus. Du kannst beispielsweise einen Ball aus Papier formen, ihn von einer Hand in die andere werfen und dann allmählich den Schwierigkeitsgrad erhöhen, indem du den Abstand zwischen den Händen vergrößerst, die Augen schließt oder mit mehreren Bällen gleichzeitig jonglierst.

Da du gerade unter dem Einfluss von Stress oder Angst dazu neigst die sicherste, naheliegendste Möglichkeit zu wählen, braucht es zudem eine Übung, die diese starken urzeitlichen Emotionen in Schach hält.

Manchmal hilft es schon, einfach eine oder zwei Minuten lang zu lächeln. Denn durch deine Mimik kannst du bekanntlich deine Emotionen beeinflussen. Auch wenn du aufrecht gehst oder nach oben blickst, kannst du deine Stimmung heben. Bei der US-amerikanischen Telefonseelsorge wird den Anrufern als erste Notfall-Maßnahme die Anweisung gegeben, nach oben zur Decke zu schauen. Dauerhaft nutzbar wird dieser Trick, indem du den Computerbildschirm höher aufstellst. Dadurch sitzt du aufrecht und hebst den Blick leicht – und damit auch deine Stimmung.

Wenn du diffuse Sorgen aus der Welt schaffst, kannst du auch besser über deine Möglichkeiten nachdenken kannst, ohne dass deine Sicht vom Autopiloten eingegrenzt wird.

Flexibilität entscheidet heute oft über Erfolg oder Misserfolg und kann trainiert werden.

Sobald du deinen Autopiloten deaktiviert hast, geht es weiter mit Phase zwei, in der du Möglichkeiten und Chancen erkennst, die außerhalb deiner Komfortzone liegen. Das bedeutet, dass du flexibler werden musst.

Wenn du nichts unternimmst, verkleinert sich dein Handlungsspielraum immer weiter und du wirst eine grantige Person, die schimpft, dass früher alles besser war. Dabei ist es mit der Flexibilität wie mit den Muskeln: Wenn du sie eine Weile nicht trainierst, entwickelt sie sich schnell zurück und jede kleinste geistige Anstrengung oder Veränderung überfordert dich.

Außerdem bedeutet mangelnde Flexibilität oft das Aus, nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für Unternehmen. Ein Beispiel dafür ist der Versandhändler Quelle, der nicht in der Lage war, auf die neue Konkurrenz aus dem Internet wie Amazon zu reagieren. In dem Versandhaus setzte man auch Anfang der 2000er-Jahre noch auf die Erfolgsrezepte aus den 1950ern. Und so verschickte Quelle weiter seine aufwendig produzierten Kataloge, bis der Geldtopf leer war. Amazon gewann derweil fleißig Marktanteile, indem das Unternehmen auf moderne und Online-Kataloge setzte, die je nach Trend flexible und schnell veränderbar war. 2009 ging Quelle pleite.

Mehr Flexibilität hingegen macht erfolgreicher. Um sie zu schulen, musst du dich aktiv mit neuen Dingen beschäftigen, auch wenn dein Jammerlappen dagegen protestiert. Wenn du stets die Abwechslung suchst, kannst du bis ins hohe Alter Neues lernen und so freier, selbstsicherer und glücklicher leben.

Verbessere deine mentale Flexibilität, indem du neue Dinge lernst und ausprobierst.

Es ist egal, ob du eine Fremdsprache, ein Musikinstrument oder eine neue Kultur kennenlernst. Jeder Lernvorgang hält dein Hirn fit und macht es flexibel. Das dürfte eine recht bekannte Möglichkeit sein, die geistige Flexibilität zu steigern. 

Du kannst aber auch bewusste Trainingseinheiten einlegen, die dein Gehirn mit neuen Situationen konfrontieren – auch wenn es sich im ganz kleinen Rahmen abspielt. Flexis sind kleine, einfache Übungen, die gezielt die Flexibilität trainieren. So gewöhnst du deinen Kopf daran, dass ungewohnte Situationen keine Gefahr bedeuten, sondern eine Chance sein können.

Versuche etwa folgende Miniübung: Trage ein paar Tage lang absichtlich zwei verschiedene Socken oder schlafe mit dem Kopf am Fußende des Bettes. Noch mehr Ideen gefällig? Lass jemand anderen das Essen im äthiopischen Restaurant für dich aussuchen oder lies eine Zeitschrift, deren Thema dich bisher noch nicht interessiert hat, wie etwa Güterzüge oder Handarbeit. So bekommt dein Gehirn neue Impulse.

Flexibilität kann aber auch darin bestehen, die Perspektive zu ändern. Denn es gibt nun einmal Situationen, an denen du nichts ändern kannst. Wenn dich die Grippe erwischt, kannst du mit Flexibilität auch nicht viel ausrichten, oder? Falsch! Denn du hast immer noch die Wahl, wie du die Situation wahrnimmst und was du aus ihr machst.

Versuche es mit Reframing. Das ist eine Technik, bei der du Umstände in einen anderen Rahmen setzt, um sie positiver zu bewerten. Stell dir in einer unangenehmen Situation folgende Fragen: Wie könnte diese Situation nützlich für mich sein? Was kann ich daraus lernen? Hat der andere vielleicht eine positive Absicht?

Wenn dir etwa dein Vorgesetzter eine Extra-Aufgabe aufbrummt, denkst du vermutlich zuerst: „Er hat mich auf dem Kieker und will mir das Leben schwer machen.“ Nach einem Reframing wird daraus vielleicht so etwas wie: „Er ist zufrieden mit meiner Arbeit und traut mir zu, eine neue Aufgabe erfolgreich zu lösen.“ Das Reframing bietet eine neue, nützliche und motivierende Sichtweise für denselben Sachverhalt. 

Auf deinem Weg zum Ziel wirst du auf inneren und äußeren Widerstand stoßen. 

Jetzt geht es darum, deine neu gewonnene Flexibilität einzusetzen, um deine Ziele zu erreichen. Das wird kein leichter Weg und du musst mit Widerstand rechnen. Garantiert wird sich dein innerer Jammerlappen regelmäßig zu Wort melden. 

Ein Hinweis darauf, dass er gerade das Ruder übernimmt, sind die M-Wörter: „man“ und „muss“. Diese beiden Wörter deuten an, dass du nicht die Verantwortung für das übernimmst, was du tust. Falls du sie gelegentlich verwendest, hinterfrage, was du damit genau meinst.

„Ich muss jetzt nach Hause“ deutet auf Fremdbestimmung hin und auf den Glauben, dein Leben nicht selbst in der Hand zu haben. Vermutlich fühlst du so ähnlich darüber, dass du am nächsten Morgen auf die Arbeit „musst“. Durch dieses Denken versetzt du dich in eine Opferrolle ohne Gestaltungsspielraum. Wenn du stattdessen sagst: „Ich gehe jetzt nach Hause, damit ich morgen fit für meinen Job bin“, stehst du zu deiner Entscheidung und gestaltest die Situation aktiv. 

Das unbestimmte Subjekt „man“ weist auf das automatisierte Denken deines inneren Jammerlappens hin, auf Vorurteile oder Schubladendenken, die sich in Allgemeinaussagen wie „Das macht man nicht“ äußern. 

Das sind innere Widerstände gegen deinen Wunsch, etwas zu verändern. Es gibt aber auch Hindernisse, die in deinem sozialen Umfeld entstehen. Der Partner, Freunde oder die Kinder – irgendjemand wird immer dagegen sein, dass du auswandern oder deinen Job kündigen willst, denn sie alle haben ihren eigenen Jammerlappen.

Ein Mitschüler des Autors wurde beispielsweise als Teenager Vegetarier. Die Mutter beschwerte sich daraufhin über den Mehraufwand beim Kochen, der Vater behauptete, der Sohn wolle sich nur in den Mittelpunkt stellen, und seine Mitschüler fanden es „uncool“, wenn er sich bei McDonald’s einen Salat bestellte. Obwohl er der Überzeugung war, dass er das Richtige tat, hielt er sein Vorhaben nicht lange durch.

Auf dem Weg zur Veränderung musst du also mit Widerstand aus deinem Umfeld rechnen – egal wie sinnvoll dir selbst die Änderung erscheint. Doch es rentiert sich, wenn du dich hier durchsetzt und deine eigenen Ziele verwirklichst. Also auf in die Phase drei.

Befreie dich aus der Fremdbestimmung und finde heraus, was deine eigenen Ziele sind.

Ein schönes Haus im Grünen, eine Familie und ein großes Auto: Das sind anerkannte und weit verbreitete Lebensziele. Aber was, wenn du dein eigenes U-Boot bauen möchtest? Dann eckst du mit diesem Ziel womöglich oft an, ganz gleich wie glücklich es dich macht. Egal. Es ist an der Zeit, dass du dich von den Lebensvorstellungen der anderen emanzipierst und deine eigenen Ziele findest.

Die australische Krankenschwester Bronnie Ware hat deutliche Beweise dafür geliefert, dass wir lieber unsere eigenen Ziele verfolgen sollten, selbst wenn sie nicht der Norm entsprechen. Auf der Palliativstation, auf der sie arbeitete, befragte sie todkranke Menschen in ihren letzten Lebenstagen, was sie am meisten bereuten. Die Antworten waren fast immer gleich: „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben.“

Doch wie entdeckt man denn nun, was man will? Häufig sind die eigenen Wünsche unter den ganzen Erwartungen der Gesellschaft vergraben.

Hierfür kannst du die Methode des „inneren Kompasses“ verwenden. Du ermittelst zunächst deine eigenen Werte. Schreibe alles auf, was dein Leben lebenswert macht, denn diese Dinge sind die Maßeinheit deines Kompasses. Du solltest eine möglichst umfangreiche Liste erstellen. Außerdem solltest du auch ein paar Freunde fragen, was sie denken, welche Werte deinen Charakter bestimmen. Anschließend kannst du aus dieser Liste die fünf wichtigsten Werte herausfiltern.

Danach definierst du, wo es hingehen soll. In einem Brainstorming schreibst du alle möglichen Ziele auf, die sich aus den Werten ergeben, egal wie unrealistisch sie sind. Nehmen wir an, dir ist Soziales und Bildung wichtig, dann wäre ein mögliches Ziel die Gründung einer Schule. Schließlich versuchst du, ein großes Ziel herauszufiltern und so genau wie möglich zu visualisieren. Vielleicht ist es auch eine Kombination aus mehreren Wünschen, die du im Brainstorming notiert hast.

Je genauer und detaillierter du das Bild werden lässt, indem du es etwa aus verschiedenen Perspektiven betrachtest, desto besser. Abschließend schreibst du dein großes Ziel möglichst präzise und mit vielen Details auf.

Jetzt weißt du, wohin es gehen soll – aber wo sollst du anfangen?

Das große Ziel erreichst du am besten über klar abgesteckte Etappenziele.

Um eine Brücke zu bauen, müssen zuerst Steinchen gelegt und dann Pfeiler aufgestellt werden. So ähnlich ist es mit deinem Ziel. Es mag dir vielleicht erst einmal unerreichbar vorkommen. Die Gründung einer Schule oder die berühmte Strandbar auf Bali sind so große Ziele, dass sie dein steinzeitliches Gehirn komplett überfordern. Aber wenn du sie in einzelne Meilensteine aufteilst und dich Schritt für Schritt vorarbeitest, gelangst du an dein Ziel. 

So hat es auch der französische Entertainer Michel Lotito gemacht, der einen sehr ungewöhnlichen Wunsch hegte: Er wollte gern eine Cessna verspeisen … ja richtig, ein Flugzeug. Das geht natürlich nicht, sagt der Jammerlappen. Monsieur Lotito hat es einfach trotzdem gemacht, indem er das Flugzeug in Einzelteile zersägte und jeden Tag ein paar von ihnen zu sich nahm. So hat er im Laufe der Zeit das komplette Flugzeug verspeist und sein großes Ziel erreicht.

Ein Etappenplan kann dir bei der Umsetzung deines Zieles helfen: Du teilst den Weg in viele kleine, überschaubare Schritte ein. Zusätzlich legst du eine Liste mit allen Ressourcen an, die dir bei der Realisierung helfen. Das kann Literatur zu dem Thema sein, Werkzeuge, Erfahrungen, Freunde etc. Das Ergebnis ist eine konkrete, zeitlich gestaffelte To-do-Liste mit realistischen Schritten und Hilfsmitteln, um die Aufgaben zu erledigen.

Dann fängst du einfach an. Am besten erzählst du möglichst vielen Menschen von deinem Plan und setzt anschließend den ersten Schritt um. Dein Gehirn ist so konstruiert, dass es begonnene Aufgaben unbedingt zu Ende führen will, und wird dir dabei helfen, das Projekt weiterzuverfolgen.

Es gibt übrigens noch einen Trick, mit dem du das eine oder andere Etappenziel überspringen kannst, um schneller ans Ziel zu kommen. Oft haben Menschen eine bestimmte Vorstellung, in welcher Reihenfolge Dinge passieren müssen: Wenn erst der Stress mit meinem Freund beseitigt ist, kann ich mich auch wieder besser auf den Job konzentrieren und mein Leben wieder richtig genießen.

Doch du drehst den Spieß einfach um: Vielleicht ist es der schnellere Weg, dich zunächst mehr auf den Job zu konzentrieren. Durch dieses Erfolgserlebnis gehst du viel entspannter auf deinen Freund zu und so löst sich der Knoten auf ganz andere Art.

Das kann auch mit deinen Etappenzielen funktionieren: Wenn du dich eine Weile so verhältst, als hättest du es schon erreicht, gibt dir das mehr Rückenwind auf der Wanderung zu deinem Ziel.

Unser Gehirn hat sich seit der Steinzeit nur wenig weiterentwickelt und steht uns daher oft im Weg: Wir sind darauf spezialisiert, übervorsichtig und angepasst zu handeln. Doch so erreichen wir unsere Ziele nicht. Um Erfolg zu haben und glücklich zu sein, müssen wir den Autopiloten in unserem Gehirn ausschalten, lernen flexibler zu denken und anfangen, selbstbestimmt unsere eigenen Ziele zu stecken.

Es gibt sicherlich tausende Menschen in Mitteleuropa, die lieber eine Strandbar auf Bali eröffnen würden, als sich weiter jeden Tag an ihren langweiligen Arbeitsplatz zu schleppen. Und wie viele öffnen die Bar wirklich? Vermutlich entweder keiner oder höchstens einer pro Jahr. Dabei wären wahrscheinlich viele von ihnen hinter einem Tresen tatsächlich glücklicher. Doch weshalb dieses Zögern? Warum stehen sich so viele Leute selbst im Weg und haben unnötige Angst vor Veränderungen? 

Es liegt an den Steinen, die uns unser steinzeitliches Gehirn in den Weg legt und das immer auf die Eingrenzung von Lebensgefahren aus ist. Den Wenigsten gelingt es, sich über diesen inneren Angsthasen hinwegzusetzen und ihr sicheres Leben für einen Traum aufzugeben. 

Es gibt kein Patentrezept, das jeden Menschen glücklich macht.

Der Job macht Menschen unzufrieden: Klar, der Chef und die ganze Firma sind schuld. Privat sind die Leute unglücklich: Es liegt am Partner, der sie nicht so behandelt, wie sie es verdient hätten. Viele schieben die Verantwortung für das eigene Glück gern auf andere oder auf die äußeren Umstände. Andere holen sich Rat von Experten, und wenn es trotzdem nicht klappt mit Glück und Erfolg, dann ist eben der Experte schuld, der keine Ahnung hat.

Dabei gibt es für Glück kein Patentrezept – wir Menschen sind alle viel zu unterschiedlich. Viele Coaches und Berater werben damit, dass sie den einen universellen Weg gefunden haben, auf dem jeder Mensch erfolgreich und glücklich wird. Dabei übersehen sie aber zu oft, dass nicht alle über den gleichen Kamm geschoren werden können.

Im Fernsehen wurde vor einiger Zeit von einem Mann berichtet, der unglücklich in seinem Job war und zudem darunter litt, zu viel Gewicht und keine Freundin zu haben. Der Mann ließ sich von einer Lebensberaterin helfen, die selbst mit ihrem Gewicht kämpfte. Die Beraterin riet sofort: „Lassen sie uns zuerst mit dem Job anfangen, denn Abnehmen ist das schwierigste der drei Probleme, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.“

Hier hat die Expertin von sich auf andere geschlossen. Woher will sie wissen, dass bei dem Klienten nicht gerade das Abnehmen der erste Schritt sein sollte? Um glücklich zu werden, musst du deinen eigenen Weg finden und gehen. Daher wird auch kein Patentrezept präsentiert, sondern verschiedene Methoden vorgestellt, die einen neuen Blick auf deine individuellen Möglichkeiten eröffnen. Mit ihrer Hilfe kannst du dann selbst den Weg bestimmen, der dich ans Ziel führt. 

Doch schauen wir uns zunächst erst einmal an, was uns Menschen oftmals davon abhält, größere Ziele zu verwirklichen.

Das steinzeitliche Gehirn macht Menschen zu Jammerlappen.

Seit der Steinzeit hat sich unser Gehirn in einigen Aspekten nur noch wenig entwickelt. Laut wissenschaftlichen Studien nehmen wir unsere Außenwelt fast genauso wahr wie vor 20.000 Jahren. Leider sind wir damit eher schlecht an die moderne Welt angepasst. 

Unsere Vorfahren hatten bessere Überlebenschancen, wenn sie sich ihrer Gruppe anpassten und so vorsichtig wie möglich waren. Unser Gehirn stellt unsere Sicherheit leider noch immer über unsere abenteuerlichen Wünsche. Sobald es etwas Ungewöhnliches wie „eigene Strandbar“ oder „Bali“ hört, geht es los wie eine Alarmanlage: „Altersvorsorge! Moskitos und Alligatoren! Was wird deine Familie sagen? Du wirst deine Freunde vermissen!“

Dabei spielen besonders zwei mentale Altlasten eine entscheidende Rolle. Die erste ist der Herdentrieb. Für unsere Vorfahren war es extrem wichtig, nicht aus ihrer Gruppe verstoßen zu werden. Sie hätten allein in der Wildnis vermutlich keinen Tag überlebt. Unser Gehirn ist folglich darauf getrimmt, uns den anderen anzupassen, statt unsere eigenen Wege zu gehen.

Die andere mentale Altlast ist die Angst vor Veränderung: Für unsere Vorfahren war es sinnvoll, allem Neuen skeptisch gegenüberzustehen. Eine unbekannte Pflanze, eine dunkle Felsspalte oder ein fremdartiges Tier hätten ihren Tod bedeuten können. Daher war es für sie sicherer, sich einfach so zu verhalten wie immer und nichts Neues auszuprobieren. 

Dass diese Angst vor Veränderung immer noch tief in unserem Körper verankert ist, erkennst du vielleicht mit folgender Übung: Verschränke die Finger beider Hände einmal so, wie du es immer tust. Nun wiederhole dasselbe mit dem anderen Daumen obenauf. Wie fühlt sich das an? Vermutlich seltsam, unangenehm und falsch. Das ist dein Urzeit-Ich, das dich davor warnt, etwas anders zu machen, als du es gewohnt bist.

Diese beiden Denkmuster haben Menschen früher vor Gefahren bewahrt, heute sind sie jedoch oft unnütz und eher hinderlich. Sie sind sie wie ein kleiner Jammerlappen in unserem Kopf.

Sobald die Werbung verkündet, Bakterien im Müll seien gefährlich, lässt uns dieser Jammerlappen in den Supermarkt marschieren und – vollkommen überflüssige – antibakterielle Müllbeutel kaufen.

Doch je mehr Angst wir haben, desto kleiner wird unser Spielraum. Der Jammerlappen sitzt mitten in unserer Komfortzone und will nicht, dass wir sie verlassen. Je mehr Gewohnheiten wir folgen, desto kleiner wird diese Zone und wir fühlen uns eingesperrt. Veränderungen und Verbesserungen finden jedoch nur außerhalb dieser Zone statt. Um dich weiterzuentwickeln, musst du also deinen inneren Jammerlappen in die Schranken weisen.

Mithilfe der AUSGEJAMMERT!-Strategie kannst du dein volles Potenzial ausschöpfen. 

Um den inneren Jammerlappen zu überwinden, folge der AUSGEJAMMERT!-Strategie. Sie basiert auf den Studien und Erkenntnissen vieler erfahrener Evolutions- und Verhaltensforscher, Psychologen, Körpertherapeuten und anderer Wissenschaftler. Neben diesen Grundlagen sind auch die Erfahrungen des Autors Fischedick als Mentalcoach in die AUSGEJAMMERT!-Strategie mit eingeflossen. 

Sie besteht aus drei Phasen:

Phase eins: Du schaltest du deinen Automatikmodus ab. Phase zwei: Du trainierst deine Flexibilität. Phase drei: Du nutzt deinen neuen Spielraum. Für jede Phase stehen dir verschiedene Methoden und Tools zur Verfügung. Daraus kannst du diejenigen auswählen, die am besten zu dir passen. 

Viele der vorgestellten Methoden wirken einfach und unspektakulär. Da scheint es erstaunlich, dass sie so eine große Wirkung haben sollen. Doch oft ist es nur entscheidend, an der richtigen Stelle anzusetzen, um einen großen Mechanismus in Bewegung zu setzen.

Die AUSGEJAMMERT!-Strategie funktioniert im Übrigen nur, wenn du dich ganz auf sie einlässt. Du kannst dich jetzt und hier entscheiden, die volle Verantwortung für dein Leben zu übernehmen. Vielleicht erscheint dir die eine oder andere Methode suspekt. Auch hier hast du dann die Wahl zu entscheiden: Bist du bereit, etwas Neues auszuprobieren oder nicht? Doch wer nichts wagt, wird auch seine Ziele nicht erreichen. Bevor wir mit Phase eins beginnen, betrachten wir noch einmal, warum das menschliche Hirn den Autopiloten als so angenehm empfindet.

Menschen verbringen einen großen Teil ihres Lebens mit Gewohnheiten, da diese Energie sparen.

Es erfordert viel Rechenleistung im Gehirn, um eine Sprache zu lernen, eine unbekannte Software zu bedienen oder eine neue Sportart auszuüben. Je mehr Erfahrungen wir im Laufe der Zeit über die Sprache oder Software sammeln, umso weniger Ressourcen sind zur Bewältigung derselben Aufgaben nötig. Einfachste Hirnstrukturen reichen dann aus, um komplexe Vorgänge zu steuern, ohne dass wir uns anstrengen oder bewusst nachdenken müssen.

„Super“, denkt sich das Gehirn, „dann kann ich ab jetzt Energie sparen“, und schaltet ab diesem Zeitpunkt auf Autopilot. Nun kommen Gewohnheiten ins Spiel. Je älter wir werden, desto mehr erledigen wir gewohnheitsmäßig: jeden Abend um 23:00 Uhr ins Bett, jeden Morgen ein Brötchen mit Marmelade und eine Schale Müsli zum Frühstück, immer dieselbe Art Romane als Urlaubslektüre. Gewohnheiten führen aber dazu, dass wir nicht mehr genau hinschauen. Das ist so, als würden wir fast den ganzen Tag mit offenen Augen schlafen. 

Für unseren Kopf ist das ein angenehmer Zustand, denn Gewohnheiten geben ihm Sicherheit. Auch bei Kindern geben Gewohnheiten bereits Ruhe und Stabilität, weshalb sie sich die gleiche Geschichte immer wieder wünschen. Ihr Gehirn legt dann eine kurze Ruhepause ein.

Andererseits hat der „Gewohnheitsschlaf“ auch Nachteile: Wir übersehen Chancen, die sich außerhalb unserer Komfortzone befinden, auch wenn sie direkt vor unserer Nase liegen. Außerdem denken wir im Autopiloten weniger über die Konsequenzen unseres Verhaltens nach.

Verallgemeinerungen und Vorurteile gehören ebenfalls zu den Tücken des Autopiloten. Wenn das Gehirn wenig Energie für komplizierte Analysen und Wertungen aufwenden will, kommen simplifizierte Deutungsmuster und Schubladendenken wie gerufen. 

Auch sie sind ein Überbleibsel unseres Steinzeithirns. Vor einigen Jahrtausenden war es sicher von Vorteil, schnell und ungenau statt langsam und genau zu reagieren. Und auch heute kann dieses Denkmuster in Notsituationen sinnvoll sein. Lieber einmal zu schnell vor einer vermeintlichen Gefahr weggerannt, als zu lange überlegt, ob die düstere Gestalt, die sich aus der dunklen Gasse nähert, wirklich gefährlich ist. Allerdings urteilen wir auch in vollkommen ungefährlichen Situationen zu schnell zu ungenau. Das führt unter anderem dazu, dass wir Menschen unbewusst wegen ihres Aussehens oder Andersseins diskriminieren.

Leider können wir nicht ganz verhindern, dass Menschen andere in Schubladen stecken. Aber wir können es uns regelmäßig bewusst machen und versuchen, die Menschen und Situationen um uns herum möglichst vorurteilsfrei zu betrachten. In einigen Firmen wird beispielsweise mittlerweile auf anonymisierte Bewerbungen zurückgegriffen, um Vorurteile einzuschränken und wirklich nur auf die Qualifikationen von Bewerbern zu achten. Im Folgenden stellen wir einige Übungen vor, mit denen du persönlich deinen Autopiloten ausschalten und dein komplettes Gehirn aktivieren kannst.

Schalte den Autopiloten aus und aktiviere das gesamte Gehirn.

Kommen wir nun zurück zu den drei Phasen der AUSGEJAMMERT!-Strategie, genau genommen zur Phase eins. Zum Glück bist du nicht zum ewigen Gewohnheitsschlaf verdammt, sondern kannst die Müdigkeit deines trägen Denkapparats abschütteln. Wenn du vor einer wichtigen Aufgabe stehst oder eine relevante Entscheidung treffen musst, verhelfen dir ein paar Tricks zu mehr Aktivität im Hirn. 

Alle Übungen funktionieren nach dem gleichen Prinzip: durch anspruchsvolle Körper- oder Augenbewegungen, durch die im Hirn Dopamin ausgeschüttet wird. Dieses Hormon führt dazu, dass dein gesamtes Gehirn aktiviert wird und deine Aufmerksamkeit steigt.

Fordere deine Koordination heraus. Du kannst beispielsweise einen Ball aus Papier formen, ihn von einer Hand in die andere werfen und dann allmählich den Schwierigkeitsgrad erhöhen, indem du den Abstand zwischen den Händen vergrößerst, die Augen schließt oder mit mehreren Bällen gleichzeitig jonglierst.

Da du gerade unter dem Einfluss von Stress oder Angst dazu neigst die sicherste, naheliegendste Möglichkeit zu wählen, braucht es zudem eine Übung, die diese starken urzeitlichen Emotionen in Schach hält.

Manchmal hilft es schon, einfach eine oder zwei Minuten lang zu lächeln. Denn durch deine Mimik kannst du bekanntlich deine Emotionen beeinflussen. Auch wenn du aufrecht gehst oder nach oben blickst, kannst du deine Stimmung heben. Bei der US-amerikanischen Telefonseelsorge wird den Anrufern als erste Notfall-Maßnahme die Anweisung gegeben, nach oben zur Decke zu schauen. Dauerhaft nutzbar wird dieser Trick, indem du den Computerbildschirm höher aufstellst. Dadurch sitzt du aufrecht und hebst den Blick leicht – und damit auch deine Stimmung.

Wenn du diffuse Sorgen aus der Welt schaffst, kannst du auch besser über deine Möglichkeiten nachdenken kannst, ohne dass deine Sicht vom Autopiloten eingegrenzt wird.

Flexibilität entscheidet heute oft über Erfolg oder Misserfolg und kann trainiert werden.

Sobald du deinen Autopiloten deaktiviert hast, geht es weiter mit Phase zwei, in der du Möglichkeiten und Chancen erkennst, die außerhalb deiner Komfortzone liegen. Das bedeutet, dass du flexibler werden musst.

Wenn du nichts unternimmst, verkleinert sich dein Handlungsspielraum immer weiter und du wirst eine grantige Person, die schimpft, dass früher alles besser war. Dabei ist es mit der Flexibilität wie mit den Muskeln: Wenn du sie eine Weile nicht trainierst, entwickelt sie sich schnell zurück und jede kleinste geistige Anstrengung oder Veränderung überfordert dich.

Außerdem bedeutet mangelnde Flexibilität oft das Aus, nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für Unternehmen. Ein Beispiel dafür ist der Versandhändler Quelle, der nicht in der Lage war, auf die neue Konkurrenz aus dem Internet wie Amazon zu reagieren. In dem Versandhaus setzte man auch Anfang der 2000er-Jahre noch auf die Erfolgsrezepte aus den 1950ern. Und so verschickte Quelle weiter seine aufwendig produzierten Kataloge, bis der Geldtopf leer war. Amazon gewann derweil fleißig Marktanteile, indem das Unternehmen auf moderne und Online-Kataloge setzte, die je nach Trend flexible und schnell veränderbar war. 2009 ging Quelle pleite.

Mehr Flexibilität hingegen macht erfolgreicher. Um sie zu schulen, musst du dich aktiv mit neuen Dingen beschäftigen, auch wenn dein Jammerlappen dagegen protestiert. Wenn du stets die Abwechslung suchst, kannst du bis ins hohe Alter Neues lernen und so freier, selbstsicherer und glücklicher leben.

Verbessere deine mentale Flexibilität, indem du neue Dinge lernst und ausprobierst.

Es ist egal, ob du eine Fremdsprache, ein Musikinstrument oder eine neue Kultur kennenlernst. Jeder Lernvorgang hält dein Hirn fit und macht es flexibel. Das dürfte eine recht bekannte Möglichkeit sein, die geistige Flexibilität zu steigern. 

Du kannst aber auch bewusste Trainingseinheiten einlegen, die dein Gehirn mit neuen Situationen konfrontieren – auch wenn es sich im ganz kleinen Rahmen abspielt. Flexis sind kleine, einfache Übungen, die gezielt die Flexibilität trainieren. So gewöhnst du deinen Kopf daran, dass ungewohnte Situationen keine Gefahr bedeuten, sondern eine Chance sein können.

Versuche etwa folgende Miniübung: Trage ein paar Tage lang absichtlich zwei verschiedene Socken oder schlafe mit dem Kopf am Fußende des Bettes. Noch mehr Ideen gefällig? Lass jemand anderen das Essen im äthiopischen Restaurant für dich aussuchen oder lies eine Zeitschrift, deren Thema dich bisher noch nicht interessiert hat, wie etwa Güterzüge oder Handarbeit. So bekommt dein Gehirn neue Impulse.

Flexibilität kann aber auch darin bestehen, die Perspektive zu ändern. Denn es gibt nun einmal Situationen, an denen du nichts ändern kannst. Wenn dich die Grippe erwischt, kannst du mit Flexibilität auch nicht viel ausrichten, oder? Falsch! Denn du hast immer noch die Wahl, wie du die Situation wahrnimmst und was du aus ihr machst.

Versuche es mit Reframing. Das ist eine Technik, bei der du Umstände in einen anderen Rahmen setzt, um sie positiver zu bewerten. Stell dir in einer unangenehmen Situation folgende Fragen: Wie könnte diese Situation nützlich für mich sein? Was kann ich daraus lernen? Hat der andere vielleicht eine positive Absicht?

Wenn dir etwa dein Vorgesetzter eine Extra-Aufgabe aufbrummt, denkst du vermutlich zuerst: „Er hat mich auf dem Kieker und will mir das Leben schwer machen.“ Nach einem Reframing wird daraus vielleicht so etwas wie: „Er ist zufrieden mit meiner Arbeit und traut mir zu, eine neue Aufgabe erfolgreich zu lösen.“ Das Reframing bietet eine neue, nützliche und motivierende Sichtweise für denselben Sachverhalt. 

Auf deinem Weg zum Ziel wirst du auf inneren und äußeren Widerstand stoßen. 

Jetzt geht es darum, deine neu gewonnene Flexibilität einzusetzen, um deine Ziele zu erreichen. Das wird kein leichter Weg und du musst mit Widerstand rechnen. Garantiert wird sich dein innerer Jammerlappen regelmäßig zu Wort melden. 

Ein Hinweis darauf, dass er gerade das Ruder übernimmt, sind die M-Wörter: „man“ und „muss“. Diese beiden Wörter deuten an, dass du nicht die Verantwortung für das übernimmst, was du tust. Falls du sie gelegentlich verwendest, hinterfrage, was du damit genau meinst.

„Ich muss jetzt nach Hause“ deutet auf Fremdbestimmung hin und auf den Glauben, dein Leben nicht selbst in der Hand zu haben. Vermutlich fühlst du so ähnlich darüber, dass du am nächsten Morgen auf die Arbeit „musst“. Durch dieses Denken versetzt du dich in eine Opferrolle ohne Gestaltungsspielraum. Wenn du stattdessen sagst: „Ich gehe jetzt nach Hause, damit ich morgen fit für meinen Job bin“, stehst du zu deiner Entscheidung und gestaltest die Situation aktiv. 

Das unbestimmte Subjekt „man“ weist auf das automatisierte Denken deines inneren Jammerlappens hin, auf Vorurteile oder Schubladendenken, die sich in Allgemeinaussagen wie „Das macht man nicht“ äußern. 

Das sind innere Widerstände gegen deinen Wunsch, etwas zu verändern. Es gibt aber auch Hindernisse, die in deinem sozialen Umfeld entstehen. Der Partner, Freunde oder die Kinder – irgendjemand wird immer dagegen sein, dass du auswandern oder deinen Job kündigen willst, denn sie alle haben ihren eigenen Jammerlappen.

Ein Mitschüler des Autors wurde beispielsweise als Teenager Vegetarier. Die Mutter beschwerte sich daraufhin über den Mehraufwand beim Kochen, der Vater behauptete, der Sohn wolle sich nur in den Mittelpunkt stellen, und seine Mitschüler fanden es „uncool“, wenn er sich bei McDonald’s einen Salat bestellte. Obwohl er der Überzeugung war, dass er das Richtige tat, hielt er sein Vorhaben nicht lange durch.

Auf dem Weg zur Veränderung musst du also mit Widerstand aus deinem Umfeld rechnen – egal wie sinnvoll dir selbst die Änderung erscheint. Doch es rentiert sich, wenn du dich hier durchsetzt und deine eigenen Ziele verwirklichst. Also auf in die Phase drei.

Befreie dich aus der Fremdbestimmung und finde heraus, was deine eigenen Ziele sind.

Ein schönes Haus im Grünen, eine Familie und ein großes Auto: Das sind anerkannte und weit verbreitete Lebensziele. Aber was, wenn du dein eigenes U-Boot bauen möchtest? Dann eckst du mit diesem Ziel womöglich oft an, ganz gleich wie glücklich es dich macht. Egal. Es ist an der Zeit, dass du dich von den Lebensvorstellungen der anderen emanzipierst und deine eigenen Ziele findest.

Die australische Krankenschwester Bronnie Ware hat deutliche Beweise dafür geliefert, dass wir lieber unsere eigenen Ziele verfolgen sollten, selbst wenn sie nicht der Norm entsprechen. Auf der Palliativstation, auf der sie arbeitete, befragte sie todkranke Menschen in ihren letzten Lebenstagen, was sie am meisten bereuten. Die Antworten waren fast immer gleich: „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben.“

Doch wie entdeckt man denn nun, was man will? Häufig sind die eigenen Wünsche unter den ganzen Erwartungen der Gesellschaft vergraben.

Hierfür kannst du die Methode des „inneren Kompasses“ verwenden. Du ermittelst zunächst deine eigenen Werte. Schreibe alles auf, was dein Leben lebenswert macht, denn diese Dinge sind die Maßeinheit deines Kompasses. Du solltest eine möglichst umfangreiche Liste erstellen. Außerdem solltest du auch ein paar Freunde fragen, was sie denken, welche Werte deinen Charakter bestimmen. Anschließend kannst du aus dieser Liste die fünf wichtigsten Werte herausfiltern.

Danach definierst du, wo es hingehen soll. In einem Brainstorming schreibst du alle möglichen Ziele auf, die sich aus den Werten ergeben, egal wie unrealistisch sie sind. Nehmen wir an, dir ist Soziales und Bildung wichtig, dann wäre ein mögliches Ziel die Gründung einer Schule. Schließlich versuchst du, ein großes Ziel herauszufiltern und so genau wie möglich zu visualisieren. Vielleicht ist es auch eine Kombination aus mehreren Wünschen, die du im Brainstorming notiert hast.

Je genauer und detaillierter du das Bild werden lässt, indem du es etwa aus verschiedenen Perspektiven betrachtest, desto besser. Abschließend schreibst du dein großes Ziel möglichst präzise und mit vielen Details auf.

Jetzt weißt du, wohin es gehen soll – aber wo sollst du anfangen?

Das große Ziel erreichst du am besten über klar abgesteckte Etappenziele.

Um eine Brücke zu bauen, müssen zuerst Steinchen gelegt und dann Pfeiler aufgestellt werden. So ähnlich ist es mit deinem Ziel. Es mag dir vielleicht erst einmal unerreichbar vorkommen. Die Gründung einer Schule oder die berühmte Strandbar auf Bali sind so große Ziele, dass sie dein steinzeitliches Gehirn komplett überfordern. Aber wenn du sie in einzelne Meilensteine aufteilst und dich Schritt für Schritt vorarbeitest, gelangst du an dein Ziel. 

So hat es auch der französische Entertainer Michel Lotito gemacht, der einen sehr ungewöhnlichen Wunsch hegte: Er wollte gern eine Cessna verspeisen … ja richtig, ein Flugzeug. Das geht natürlich nicht, sagt der Jammerlappen. Monsieur Lotito hat es einfach trotzdem gemacht, indem er das Flugzeug in Einzelteile zersägte und jeden Tag ein paar von ihnen zu sich nahm. So hat er im Laufe der Zeit das komplette Flugzeug verspeist und sein großes Ziel erreicht.

Ein Etappenplan kann dir bei der Umsetzung deines Zieles helfen: Du teilst den Weg in viele kleine, überschaubare Schritte ein. Zusätzlich legst du eine Liste mit allen Ressourcen an, die dir bei der Realisierung helfen. Das kann Literatur zu dem Thema sein, Werkzeuge, Erfahrungen, Freunde etc. Das Ergebnis ist eine konkrete, zeitlich gestaffelte To-do-Liste mit realistischen Schritten und Hilfsmitteln, um die Aufgaben zu erledigen.

Dann fängst du einfach an. Am besten erzählst du möglichst vielen Menschen von deinem Plan und setzt anschließend den ersten Schritt um. Dein Gehirn ist so konstruiert, dass es begonnene Aufgaben unbedingt zu Ende führen will, und wird dir dabei helfen, das Projekt weiterzuverfolgen.

Es gibt übrigens noch einen Trick, mit dem du das eine oder andere Etappenziel überspringen kannst, um schneller ans Ziel zu kommen. Oft haben Menschen eine bestimmte Vorstellung, in welcher Reihenfolge Dinge passieren müssen: Wenn erst der Stress mit meinem Freund beseitigt ist, kann ich mich auch wieder besser auf den Job konzentrieren und mein Leben wieder richtig genießen.

Doch du drehst den Spieß einfach um: Vielleicht ist es der schnellere Weg, dich zunächst mehr auf den Job zu konzentrieren. Durch dieses Erfolgserlebnis gehst du viel entspannter auf deinen Freund zu und so löst sich der Knoten auf ganz andere Art.

Das kann auch mit deinen Etappenzielen funktionieren: Wenn du dich eine Weile so verhältst, als hättest du es schon erreicht, gibt dir das mehr Rückenwind auf der Wanderung zu deinem Ziel.