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CHRONISCHE SCHMERZEN

Chronische Schmerzen haben biologische, psychische und soziale Ursachen

Wenn ein Schmerz länger als drei Monate anhält und auf keine körperliche oder seelische Grunderkrankung zurückzuführen ist, spricht man von einer chronischen und eigenständigen Schmerzerkrankung. Aber wie kommt es dazu? Und vor allem: Was kann man dagegen tun?

Sicher ist, dass auch eine chronische und eigenständige Schmerzerkrankung irgendwann einen konkreten Ursprung hatte. Ob der akute Schmerz zum chronischen Leiden wird, hängt allerdings von drei Faktoren ab: den körperlichen, seelischen und sozialen Begleitumständen. Die Schmerzforscher veranschaulichen das mithilfe des bio-psycho-sozialen Schmerzmodells.

Die körperlichen, seelischen und sozialen Faktoren sind eng miteinander verknüpft. Die meisten Menschen kennen den „Normalfall“: Wer sich körperlich und psychisch im Gleichgewicht befindet, steckt eine akute Verletzung früher oder später vollständig weg. Der Bänderriss im Sprunggelenk oder die Zahn-OP verheilt und wird nicht zum Ausgangspunkt eines langwierigen chronischen Schmerzes.

Wenn jemand aber unter einer Depression oder extremem Stress leidet, kann sich derselbe Auslöser zu einer langjährigen Schmerzerkrankung verwachsen. Darum müssen bei chronischen Leiden zunächst alle drei Faktoren betrachtet werden.

Auf biologischer Ebene führen die Schmerzen einer akuten Erkrankung, zum Beispiel von einem Bänderriss im Sprunggelenk, oft zu körperlicher Inaktivität. Diese kann wiederum Einschlafstörungen, Schlafmangel oder Gewichtszunahmen verursachen, die die physischen Schmerzen zusätzlich verstärken. Auf psychischer Ebene können Schmerzen Angstzustände, Depressionen, Frust und Aggressionen hervorrufen. Auch diese Empfindungen machen die chronischen Schmerzen schlimmer.

Auf sozialer Ebene führen Schmerzen oft zu Rückzug und Isolation. Wer wegen chronischer Schmerzen weder dem Beruf noch dem gewohnten Privatleben nachgehen kann, vereinsamt. Die soziale Stigmatisierung als „Faulpelz“ oder „Simulantin“ führt zu psychischen Problemen – und der Teufelskreis ist perfekt.

Schmerzerkrankungen sind also so vielschichtig, dass sie nicht eindimensional behandelt werden können. Eine Therapie mit Medikamenten, Massagen oder Bewegung reicht schlichtweg nicht aus. Der chronische Schmerz muss von allen relevanten Seiten behandelt werden.

Das bedeutet, dass die Behandlung neben dem körperlichen Schmerz auch psychische Aspekte und das soziale Umfeld der Patienten berücksichtigen muss.