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Hallo, Angst!

In Corona-Zeiten gibt es mehr Anlässe denn je, Angst zu haben. Dabei ist die Angststörung schon jetzt eine der häufigsten psychischen Krankheiten überhaupt. Führungskräfte bleiben davon nicht verschont. Wie können sie sinnvoll auf die eigene Angst reagieren? Viele kleine Tipps für den Umgang mit einem starken Gefühl.

Hier die Liste ohne Anspruch auf Vollständigkeit, verstanden als kleiner Werkzeugkasten, aus dem man sich bedienen kann.

  • Gestehen Sie sich ein, dass Sie Angst haben. Es muss niemand anderes dabei sein, wenn Sie das tun. Erlauben Sie sich ruhig die Vorstellung, dass alles den Bach herunter geht, lassen Sie Ihrer Trauer freien Lauf, weinen Sie, gönnen Sie sich die Verzweiflung, unterdrücken Sie sie nicht.
  • Wenn Sie es nicht fertig bringen, diese Emotionen als „Angst“ zu bezeichnen, dann nehmen Sie andere Namen: Unsicherheit, Unbehagen zum Beispiel. Oder geben Sie ihnen alberne Namen – was auch immer, aber benennen Sie sie.
  • Stellen Sie sich diese Gefühle wie einen Zug vor, der mit Geschwindigkeit in einen Bahnhof einläuft und ihn wieder verlässt und beobachten Sie ihn dabei.
  • Begrüßen Sie die Gefühle: Hallo, Angst! Hallo Sorge! und verabschieden sie wieder: Bis zum nächsten Mal! Bis später!
  • Spielen Sie Detektiv und finden heraus, wann die Angst auftritt. Bestimmte Absender in Ihrem E-Mail-Progamm? Bestimmte Äußerungen anderer? Bestimmte Nachrichten und Berichte? Es hilft, diese Angstanzeiger aufzuschreiben.
  • Die Anzeiger äußern sich oft auch körperlich – Enge in der Brust, flaches Atmen, verkrampfte Schultern, angespannte Kiefermuskulatur. Ich empfehle eine Übung, bei der man sich aufrecht auf einen Stuhl setzt und alle Teile des Körpers der Reihe nach durchgeht und darauf achtet, welche sich angespannt anfühlen. Dann kennen Sie Ihre Angstanzeiger. Linderung verschaffen Sie sich, indem Sie in diese verspannten und vielleicht schmerzenden Regionen hineinatmen.
  • Strukturieren Sie Ihre Zeit – wer es schafft, sich selbst besser zu organisieren, der hat eine stärkere Kontrolle über seine Angst. Also zum Beispiel eine To-Do-Liste jeden Morgen erstellen. Oder einen Tagesplan aufstellen, am besten in 30-Minuten-Abschnitten, wobei man darauf achten sollte, seinen Kalender nicht zu überfrachten.
  • Starten Sie kleine, sinnvolle Handlungen. Ob das nun das Sortieren von Rechnungen ist, das Gießen von Blumen, das Aufräumen Ihres E-Mail-Kontos – wichtig ist, dass man sich auf etwas konzentriert, das unmittelbar ansteht. Solange, bis die Panik nachlässt.
  • Eignen Sie sich eine Achtsamkeitstechnik für den Notfall an. Eine klassische Atemübung zum Beispiel, etwa die 4-7-8-Atemtechnik (bis 4 zählen beim Einatmen, bis 7 beim Atem anhalten und bis 8 beim Ausatmen). Oder sie richten Ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes, indem Sie sich zunächst auf die Angst fokussieren, die Aufmerksamkeit dann aber langsam zu einem Gegenstand in Ihrer Hand (einen Stift, ein Buch) wandern lassen.
  • Vertagen Sie die Angst. Sie können Ihr zum Beispiel mitteilen, dass Sie grade jetzt wenig Zeit für sie haben. Sätze wie: „Angst, bleib wo du bist. Ich arbeite gerade an eine Lösung und muss diese Aufgabe erst erledigen.“

Für Führungskräfte (natürlich nicht nur für dieser) gilt zudem, dass sie sich trauen sollten, über ihre Emotionen zu reden, also auch über ihre Angst. Wenn Sie zum Beispiel zugeben, dass es Ihnen in der aktuellen Situation nicht gut geht, Sie sich Sorgen machen und manchmal nicht schlafen können, dann entlastet das nicht nur Sie selbst, sondern hilft den anderen, sich normal zu fühlen. Diese merken, dass sie mit ihrer Angst nicht allein sind, was zu einer emotionalen Verbundenheit führt.

Sie können dies sogar in Krisenzeiten ein kleines Stück fördern, z.B. durch die Ampelübung. Jeder sagt zu Beginn eines Treffens kurz, wie er sich fühlt, also rot, gelb oder grün. Und wer möchte, kann dazu auch erzählen, warum das so ist, niemand muss.

Mag sein, dass Sie die meisten Empfehlungen für sich als wenig tauglich ansehen, aber vielleicht ist die eine oder andere dabei, die Sie doch ausprobieren möchten. Wichtig ist auf jeden Fall: Je nach dem Grad der Angststörung sollten Sie sich professionelle Hilfe holen! Auch ein Schritt, der eher für Stärke als für Schwäche steht.

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ZOMBIFIKATION zu VUCA-Zeiten

Sollte man in komplexen Situationen lieber auf die Urteilskraft von Nicht-Experten vertrauen?

Eine gewagte Hypothese: In „nur komplizierten“ Fällen helfen uns Experten mit ihrem Fachwissen. Aber in VUCA-Zeiten stehen sie dem Fortschritt eher im Weg, weil sie ihr Wissen in der Vergangenheit erworben haben. Auf wen soll man dann setzen?

Experten werden zweifellos überall benötigt werden und niemand möchte auf ihre Expertise verzichten (Urteilskraft vor Instanz). Aber dummerweise vertrauen wir (und auch Manager) auch bei neuen Problemstellungen auf Fachleute, und diese erstellen in der Tat ja auch ständig Prognosen über die Zukunft. Es gibt eindrucksvolle Beispiele, bei denen Experten um Vorhersagen gebeten wurden und bei 80.000 Prognosen die Trefferquote nicht höher lag als bei Zufallstipps.

Wenn die Experten aber in Sachen Prognosen überfordert sind – wer kann es besser? Angeblich unterschätzen wir „die Leistung von Nichtexperten bei komplexen Fragestellungen fahrlässig„.
Ein schönes Beispiel: Ein niederländischer Verkehrsplaner entfernte in den 80er Jahren sämtliche Schilder und Ampeln an Hauptverkehrsstraßen. Fahrbahn und Bürgersteig wurden zu durchgehenden Flächen. „Shared Space“ hieß das Projekt. Und siehe da: Die Verkehrsunfälle gingen auf NULL zurück, die Zeit zum Zurücklegen der Wegstrecke sank auf die Hälfte, obwohl sich die Geschwindigkeiten verlangsamten.

Fazit: Menschliche Urteilskraft genügt, um komplexe Situationen effektiv zu regulieren. Bevormundet man die Menschen z.B. durch Regeln, Vorschriften und Vorgaben, die von „Experten“ erstellt wurden, verhalten sich die Bevormundeten auch wie Entmündigte. Sie übernehmen keine Verantwortung, diese wird „durch Warnhinweise und Verhaltensaufforderungen ausgeschlossen.“ Dafür gibt es den Begriff „Zombifikation„.

Ich habe viel Sympathie für diese Haltung, allerdings zeigt das Beispiel auch das Problem der Übertragbarkeit. Die Verkehrsteilnehmer mögen zwar keine Experten in Sachen „Verkehrsplanung“ sein, aber sie kennen sich aus mit Auto-, Fahrrad- und Fußgänger-Verhalten. Sie beherrschen diese Fortbewegungsarten meist ziemlich gut. Im Unternehmensalltag bräuchte man Mitarbeiter, die über breites Wissen und Fähigkeiten verfügen und keine „dressierten Spezialisten“ sind, die sich nur auf einem Fachgebiet auskennen. Und sie müssten über alle notwendigen Informationen verfügen, damit das mit der Selbstregulierung funktioniert. Was in der Übergangszeit sicher ein Problem darstellt, das aber lösbar ist.

Eine weitere Frage, die sich wie immer bei solchen Beispielen stellt, ist, ob das mit der Selbstregulierung auch bei großen Organisationen funktioniert – das scheint beim Shared Space auch ein Problem zu sein.

Ansonsten sind meine Erfahrungen ähnlich: Wenn man Gruppen mit wenigen Spielregeln „machen lässt“, setzt sich in der Regel tatsächlich die menschliche Urteilskraft durch. Die Kunst ist weniger, Menschen dazu zu befähigen. Die Kunst ist, so viel Vertrauen in sie zu entwickeln und auszuhalten, wenn es nicht sofort funktioniert, dass sie diese Urteilskraft auch wirklich nutzen können. In vielen Workshops die ich gehalten habe oder Besprechungen die ich moderiert habe, habe ich mir zwischendurch das Urteil eines Experten gewünscht. Oder in denen ich dachte: „Was diskutieren die denn hier so lange, die Lösung liegt doch auf der Hand!?“

Um anschließend immer wieder davon überrascht zu werden, welche erstaunlichen und vor allem kreativen und praktischen Lösungen Gruppen entwickeln, wenn man ausreichend Geduld hat. Wobei diese Lösungen manchmal der entsprachen, die ich für die einzig mögliche gehalten hatte, aber oft genug auch völlig anders und viel praktikabler ausfiel.

 

Hilfe, Anregungen und Trainingsmöglichkeiten erhalten Sie unter www.michaeltiefel.com oder info@michaeltiefel.co

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Restrukturierung und strategische Kommunikation

Ob Sparmaßnahmen, Personalabbau oder Standortschließungen: Restrukturierungen brauchen strategische Kommunikation, die alle Maßnahmen intern wie extern flankiert. Das Verhalten des Managements hat dabei Signalcharakter

Die Corona-Krise macht besondere Kompetenzen auf dem Gebiet der Veränderungskommunikation dringend erforderlich.
Veränderungs- und insbesondere Restrukturierungssituationen stellen aber auch gestandene Kommunikationsprofis vor Aufgaben, die nicht unbedingt zu ihrem Tagesgeschäft gehören. Insofern kann eine spezialisierte externe Expertise häufig zum Erfolg beitragen – zumal ein Außenseiter bei der Unternehmensspitze kritische Punkte oft direkter ansprechen kann als die internen Kommunikationsexperten.

„Ich habe studiert. Ich kann Kommunikation.“ Kein erfundener Satz. So etwas sagen Chefs tatsächlich.
Natürlich kann jeder kommunizieren – das macht uns ja als Menschen aus. Eine akademische Ausbildung spielt da meiner Meinung nach gar keine Rolle.  Es gibt  Schichtleiter die auf Firmenveranstaltungen einen ganzen Saal zum Toben brachten, und Vorstandsmitglieder, die das Publikum binnen fünf Minuten in Tiefschlaf versetzten.

Entscheidend ist wohl der Begriff der strategischen Kommunikation – also die Frage, auf welchem Weg ich ein ganz bestimmtes Ziel erreiche und welche kommunikativen Instrumente und Techniken ich dabei einsetze. Dazu gehört das Verständnis, dass gerade in kritischen Situationen jede operative Entscheidung eine kommunikative Wirkung entfaltet.

Wenn zum Beispiel das Management im Rahmen einer Standortschließung gerade mal das gesetzlich vorgeschriebene Minimum an Abfindungen anbietet, mag das rational betrachtet zunächst die Redundanzkosten senken. Die damit verbundene Botschaft aber lautet: ‚Ihr seid uns nichts wert‘. Das führt in der Regel zu Widerstand, der höhere Kosten verursacht als ein ursprünglich besseres Angebot.

In Krisen und Restrukturierungen beschränkt man sich häufig auf das rein Faktische und vergisst dabei Emotionen und Ängste. Da sollte man als Kommunikationsverantwortlicher und Chef rund um die Gefühlslage der Mitarbeiter unbedingt einiges beachten.

Klassische Restrukturierungsmodelle konzentrieren sich auf betriebswirtschaftliche Kennzahlen wie Liquidität, Deckungsbeitrag oder Personalschlüssel. Diese Kennzahlen sind natürlich notwendig, aber eben nicht ausreichend. Eine Restrukturierung gelingt nämlich nur gemeinsam mit der Belegschaft und nicht gegen sie.

Dabei gibt es, stark verkürzt beschrieben, zwei Perspektiven: auf der einen Seite die Mitarbeiter, von denen das Unternehmen sich trennen muss, und auf der anderen Seite diejenigen, die das veränderte Unternehmen perspektivisch voranbringen sollen.

Ein fairer Umgang mit den Erstgenannten ist extrem wichtig; nicht nur, weil sie ja bisher Kolleginnen und Kollegen waren, sondern vor allem, weil das Verhalten des Managements ihnen gegenüber Signalcharakter hat für diejenigen, die nicht unmittelbar betroffen sind.

Der andere Teil – und das ist ja in aller Regel die überwiegende Mehrzahl – muss emotional und rational in die Zukunft mitgenommen werden, mit einem motivierenden Ziel vor Augen und ausgestattet mit den nötigen Fähigkeiten und Instrumenten.

Wie sollte, in wenigen Worten, eine gelungene Kommunikation in Restrukturierungen maßgeblich sein?

Managemententscheidungen werden meist aus einer Innenperspektive heraus getroffen: Was wollen wir erreichen, welche Ressourcen stehen zur Verfügung, und so weiter. Kommunikation hat korrelierend dazu die Aufgabe, die Außenperspektive einzubringen: Wie wirken diese Entscheidungen auf die Betroffenen, und welche Reaktionen werden sie vermutlich auslösen? Das gilt innerhalb der Organisation mit Blick auf die Belegschaft und außerhalb mit Blick auf die unterschiedlichen Stakeholder.

Vor diesem Hintergrund halte ich drei Aspekte für besonders wichtig.

Erstens: Die Kommunikationsfunktion muss von Beginn an in die Planung eingebunden sein. Holt man sie erst dazu, wenn die zentralen Entscheidungen bereits getroffen sind, kann sie bestenfalls noch als Ausputzer zur Schadensminimierung beitragen.

Zweitens: Auf Basis einer klaren operativen Zielsetzung müssen Verhandlungs- und Kommunikationsstrategien miteinander verzahnt werden. Auf diese Weise stellt das Management sicher, dass sein Handeln und damit auch seine Kommunikation immer konsistent bleiben.

Drittens: Eine umfassende Stakeholder-Analyse ist unabdingbar, um Handlungsmuster unterschiedlicher Interessengruppen zu antizipieren und daraus kommunikative Teilstrategien abzuleiten.

Starke negative Außenwirkung entsteht ja meist gerade dadurch, dass das Management die emotionalen Wirkungen des vermeintlich rationalen operativen Handelns ausblendet oder unterschätzt. Wenn Sie also die drei gerade angesprochenen Regeln berücksichtigen und die entsprechende Planung professionell umsetzen, stehen die Chancen für eine weiterhin starke Reputation ganz gut.

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Firmencoaching – anders als gedacht

Meine praktische Tätigkeit als freier Coach und Trainer spielt sich wie folgt ab:

Ich werde in eine Firma gerufen, wo man mir eröffnet, dass man mich für eine Schulung vorgesehen hat (meist aufgrund einer mündlichen Empfehlung). Jetzt lasse ich mir erst einmal erzählen, was die Firma tut und wie der „Laden läuft“. Dann komme ich auf die spezielle Problematik zu sprechen – denn gäbe es keine Probleme, so hätte man mich nicht gerufen.

Bei diesem Stand der Gespräche hake ich mit (oft sehr direkten und teilweise unangenehmen) Fragen so lange nach, bis ich genau weiß, wo die Nöte der Firma beziehungsweise ihrer Mitarbeiter liegen.

Erst jetzt fällt die Entscheidung: Was für eine Art Seminar wollen wir abhalten? Ein Management-Seminar? Ein Kommunikationsseminar? Eine Rhetorikschulung? Eine Schulung für Gesprächstechnik? Ein ausgesprochenes Verhaltenstraining? Ein Motivationsseminar? Oder mehrere dieser Seminare – und in welcher Reihenfolge? Oder eine Kombination?

Nehmen wir mal an, das Grundproblem einer Firma sei folgendes: Die Firma hat ein Marketing-Konzeption erarbeitet – und der Außendienst zieht nicht mit! Im Augenblick „mauern“ die „alten Hasen“; möglicherweise steht auch eine „Palastrevolution“ ins Haus. Mein Vorschlag heißt in diesem Falle: „Offiziell“ machen wir ein „Verkaufstraining“. Richtziel des Seminars muss es aber sein, den Außendienst zu motivieren, dass er die neue Marketing-Konzeption anerkennt und nach dem Seminar „moralisch aufgerüstet“ an die Front zurückeilt, um höhere Umsätze denn je zuvor zu erzielen. Denn an den erzielten Umsätzen wird letztlich mein Erfolg gemessen.

Jetzt hole ich möglichst detaillierte Auskünfte über den Außendienst ein. Und zwar auf zweierlei Weise: Zum einen lasse ich mir von meinem Verhandlungspartner (meist Vertriebs- und/oder Außendienstleiter erzählen, was er von „seinem“ Außendienst hält. Und dann gehe ich mit mindestens zwei Außendienstmitarbeitern einige Tage auf die Reise. Erst dann entscheide ich endgültig über Zeitdauer und Lernziele des Seminars und übersende der Firma einen Programmvorschlag.

Wie man sieht, lege ich sehr viel Wert auf die „Vorarbeit“ und gehe nicht blauäugig in ein Coaching/Seminar. Gerade in Unternehmen ist dies besonders wichtig.

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Schädliche Angst bei der Arbeit

Was ist zu tun, wenn aufgrund anhaltender Angstzustände die Leistung eines Mitarbeiters leidet? Wie sollten Vorgesetzte und Unternehmen am besten reagieren? 

Vorgesetzte dürfen keine persönlichen Gesundheitsinformationen abfragen. Aber sie können spezifische Aufgaben oder Verhaltensweisen ansprechen. Wenn Fristen nicht eingehalten werden oder Projekte gefährlich in Verzug geraten, können Sie den Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin um ein Gespräch bitten. Sprechen Sie darüber genauso, wie Sie über eine körperliche Erkrankung oder Verletzung reden würden. Seien Sie zugewandt und offen. Wenn Sie um den heißen Brei herumreden, kann das peinlich wirken und nach hinten losgehen. Sagen Sie: „Ich wollte mal nachfragen, was bei den letzten Deadlines los war. Mir ist klar, dass diese Krise uns alle vor große Herausforderungen stellt. Sie müssen das nicht allein stemmen. Lassen Sie uns darüber reden, was wir tun können, um Sie zu unterstützen.“ Oder: „Ich weiß, dass es seit einer Weile wirklich stressig ist und große Unsicherheit herrscht. Es ist nicht Ihre Art, Termine zu reißen, deshalb wollte ich einfach mal nachfragen. Sie sind ein so wichtiges und wertvolles Teammitglied. Wir möchten sichergehen, dass Sie alles haben, was Sie brauchen.“

Die Krise ist eine gute Gelegenheit für Sie und Ihre Mitarbeiter Coachings zu nutzen. Auch hier werden Videositzungen über sichere Plattformen angeboten. Womöglich ist für manche Betroffene die Privatsphäre nicht so einfach zu wahren, weil Partner und Kinder in Hörweite sind. Einfallsreiche Menschen haben sich daher für eine Sitzung schon mal mit ihrem Laptop ins Auto zurückgezogen oder telefonieren auf einsamen Spaziergängen mit uns.

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Achtsame Kommunikation

Nur wenn wir zusammen achtsam sind, können wir eine Gemeinschaft werden.

Eine gesunde und achtsame Kommunikation ist nicht nur wichtig, wenn wir mit einer Person über konkrete Probleme sprechen, sondern auch in alltäglichen Situationen oder wenn wir mit mehreren Personen sprechen.

Auf der Arbeit lassen wir uns z.B. oft in giftige Gespräche hineinziehen. Wenn sich die Stimmung im Team verschlechtert, sei es wegen Stress oder aufgrund anderer Probleme, müssen wir immer versuchen, ein Vorbild zu sein und den anderen zeigen, wie wir durch Achtsamkeit die Atmosphäre schnell wieder zum Positiven wenden können.

Am besten gelingt uns das, wenn wir gut ausgeruht und selbstbewusst in den Arbeitstag starten. Dabei lohnt es sich, den Weg zur Arbeit für ein paar Achtsamkeitsübungen zu nutzen. Anstatt z.B. auf dem Fahrrad oder in der U-Bahn darüber nachzudenken, welche Probleme der heutige Tag wieder bringen wird und an all die Dinge zu denken, auf die wir eigentlich keine Lust haben, können wir diese Zeit einfach dazu nutzen, an gar nichts zu denken. Wir können einfach nur dasitzen oder Fahrrad fahren und auf unseren Körper und unseren Atem achten. Wir können uns darüber freuen, dass unser Körper uns die Kraft gibt, diesen Tag zu bewältigen, und einfach nur zuhören, wie unser Atem von ganz alleine immer weiter fließt. So werden wir ausgeglichen und konzentriert im Büro ankommen und nicht so leicht in den alltäglichen Stress verfallen.

Auch im Büro selbst wirkt es Wunder, wenn wir uns einfach einmal fünf Minuten Zeit nehmen um sich zurückzulehnen und sich nur auf den eigenen Atem zu konzentrieren. Wer weiß, vielleicht haben ja auch unsere Kollegen Lust, nach der Mittagspause ein paar Minuten lang ihre Achtsamkeit zu trainieren und ihre Konzentration zu steigern?

Jedes Team und jede Gemeinschaft ist stärker und effektiver, wenn ihre Mitglieder achtsam miteinander umgehen. Denn durch effektive Kommunikation und einen achtsamen Umgang miteinander wird die Gemeinschaft gestärkt und entwickelt eine große kollektive Energie. Um das zu erreichen, können wir gemeinsam meditieren und versuchen, uns gegenseitig achtsam zuzuhören und achtsam zu sprechen. Dadurch werden wir gemeinsam stark und haben die Kraft, unsere Welt positiv zu verändern.

Wie das am einfachsten geht? info@michaeltiefel.com

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Wenn es persönlich wird

…oder: Konflikte am Arbeitsplatz

Die Arbeitswelt von heute steckt voller Herausforderungen. Ständig müssen wir mehr mit weniger erreichen. Der Wettbewerb wird immer härter, die Erwartungen immer höher und der Zeitdruck immer größer. Hier entsteht Druck, der sich oft auch auf der persönlichen Ebene entlädt. Dann kann es passieren, dass Menschen ihre guten Umgangsformen vergessen, sich in ihr Schneckenhaus verkriechen oder mit Worten und schlimmstenfalls mit Fäusten aufeinander losgehen. Dutzende von Büchern und Webseiten versprechen „Lösungen“ für Konflikte am Arbeitsplatz.

Fast alle predigen dasselbe: Als Führungskraft sollten sie versuchen, die Streithähne zu trennen, zwischen ihnen vermitteln oder sie in ein Konflikt-Training zu schicken. Und wenn Sie selbst Teil des Konflikts sind, sollten Sie möglichst ruhig und sachlich bleiben.

Das alles ist nicht falsch. Aber es ändert nichts an den Ursachen des Konflikts, sondern bekämpft lediglich die Symptome.

Sie müssen an den Beziehungen arbeiten und nicht an den Symptomen der Konflikte. Dann kennen Sie nicht nur Ihren eigenen Wert, sondern auch den Ihres Gegenübers. Setzen Sie sich gemeinsam an einen ruhigen Ort und sahen Sie: „Ich sehe die Dinge anders. Und deshalb will ich wissen was Sie zu sagen haben.“ Und hören Sie dann wirklich zu. Vielleicht wird man Ihnen Dinge sagen, die Ihnen nicht gefallen. Dennoch: Erliegen Sie nicht der Versuchung, sich zu verteidigen. Die Chance dazu haben Sie später immer noch. Zunächst geht es ums Verstehen und nicht ums Kämpfen. Vermutlich werden Sie erkennen, dass unter der Oberfläche des Konflikts ein viel größeres Problem liegt: Der andere fürchtet um seine Identität, seine emotionale Sicherheit oder seine territoriale Zuständigkeit. Mitunder wird es Ihnen schwerfallen, Ihre eigene Gedankenwelt zu verlassen und sich ganz auf die Denkweise Ihres Gegenübers einzustellen. Den anderen zu verstehen, das ist meist der härtere Teil.

Wenn Sie diesen Test bestehen können Sie viel über sich selbst erfahren. Vielleicht werden Ihnen hier oder da die Augen geöffnet. Mit Sicherheit schärfen Sie Ihren Blick für Dinge, die bislang außerhalb Ihres Gesichtsfelds lagen.

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105 MILLIARDEN EURO SCHADEN IN UNTERNEHMEN

Bei dem Wort „Rhetorik“ denkt man direkt an große Redner – von den Meistern der Antike wie Sokrates und Aristoteles bis hin zu den historischen Auftritten von J.F. Kennedy oder Barack Obama. Man denkt vielleicht auch daran, wie die Nazis mit ihrer reißerischen Demagogie die Massen hinter sich versammelten. So oder so verbinden wir Rhetorik mit Macht.

Heute mögen nur noch die wenigsten Politiker ganz große Reden schwingen, aber Kommunikation ist weiterhin der Schlüssel zu persönlichem und beruflichem Erfolg. Nur über gute Kommunikation gelingt es, sich anderen Menschen mitzuteilen, sie zu informieren und von unseren Gedanken zu überzeugen. Gelungene Kommunikation verbindet und motiviert.

Kommunikation ist komplex und besteht immer aus verschiedenen Komponenten.

Rhetorik, die Kunst der wirkungsvollen Kommunikation, ist Macht. Das wussten schon die großen Redner der Antike. Und dass sich Kommunikation jedweder Art durch die Digitalisierung verändert, liegt auf der Hand.

Führungskräfte brauchen die richtigen Kommunikationsskills.

Ausnahmslos alle Angestellten haben eine Meinung zu ihren Chefs. „Meine Chefin hat immer ein offenes Ohr“ oder „Bei meinem Chef weiß man nie, was er einem wirklich sagen will“ sind nur zwei Beispiele für viele verschiedene Eindrücke. Allen gemein ist jedoch, dass es im Grunde immer um Kommunikation geht.

Gute Kommunikation ist eine der besten Voraussetzungen für gute Mitarbeiterführung. Vorgesetzte, die gut kommunizieren, können die Unternehmensziele nachvollziehbar vermitteln. Sie motivieren ihre Mitarbeiter, sich persönlich für diese Ziele einzusetzen, und geben ihnen das Gefühl, verstanden und wertgeschätzt zu werden. Sie lösen Konflikte feinfühlig und geben klares und konstruktives Feedback. Das ist so ziemlich die Lehrbuch-Definition für echte Führungsqualität.

Die Realität sieht leider meist anders aus. Eine Gallup-Studie von 2016 ergab, dass sich 97% der deutschen Vorgesetzten selbst als gute Führungskräfte empfanden. Also quasi alle. Ulkig war nur, dass zwei von drei Erwerbstätigen angaben, im Laufe ihres Arbeitslebens mindestens einmal unter einer schlechten Führungskraft gearbeitet zu haben. Die Folge ist immer Demotivation. Experten schätzen, dass der Wirtschaft durch die nachlassende Leistung der Angestellten jährlich Schäden von bis zu 105 Milliarden Euro entstehen.

Eine der kommunikativen Sollbruchstellen ist das Mitarbeiterfeedback. Vorgesetzte müssen ihren Mitarbeitern konstruktive Rückmeldung zu ihrer Arbeit geben, aber niemand wird gerne kritisiert. Eine gute Führungskraft ist sich dessen bewusst und formuliert ihr Feedback feinfühlig und deeskalierend.

Feedbackgespräche sind natürlich nur ein kleiner Ausschnitt der betrieblichen Kommunikationskultur. Als Vorgesetzter sollten Sie im Grunde immer versuchen, eine persönliche Gesprächsatmosphäre zu schaffen. Die Menschen sollen Ihnen vertrauen können – da schadet es nicht, Gespräche zu Beginn mit ein bisschen Smalltalk aufzulockern. Sie dürfen Ihren Mitarbeitern auch mal von Ihrem Wochenende erzählen.

Sie können Ihre Ausdrucksweise sogar ganz subtil an die Ihres Gesprächspartners anpassen. Sprachwissenschaftler haben herausgefunden, dass der Eindruck der Ähnlichkeit Sympathie erzeugt. Sie müssen natürlich aufpassen, dass Sie es nicht übertreiben und z.B. einen Dialekt nachahmen, weil sich Ihre Mitarbeiter spätestens dann veralbert fühlen.

Kommunikation ist auch in der digitalisierten Welt der wichtigste Schlüssel zu privatem Glück und beruflichem Erfolg. Die Trends der Digitalisierung – von den Kurznachrichten bis zu den berüchtigten Fake News – verändern, wie wir uns informieren und miteinander kommunizieren. Also bleiben Sie am Ball: Seien Sie der Wirkung Ihrer Körpersprache bewusst, befassen Sie sich mit neuen Kommunikationsstrategien wie dem Storytelling und seien Sie, egal ob als Verkäufer oder Teamleiter, konstruktiv, nahbar und professionell.

Sie wollen mehr über die Kunst des Sprechens erfahren oder lernen?

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Gib die Schuld nicht ab!

Das Leben ist nie schuld

Viele Menschen behaupten, das Leben sei ungerecht. Sie meinen, vom Pech verfolgt oder um wertvolle Chancen und Möglichkeiten beraubt zu werden. Hast auch Du schon einmal dasselbe gedacht? Wenn ja, dann bist Du damit sicherlich nicht alleine. Es gibt Situationen, Tage oder sogar ganze Phasen, in denen nichts so läuft, wie wir es gerne hätten.

In diesen Zeiten ist es leicht, sein eigenes Handeln nicht zu hinterfragen und mit dem Finger auf jemanden oder etwas zu zeigen, das irgendwie nicht ganz greifbar ist:

Das Leben.

Amüsant wird es, wenn man versucht, sich das Leben als Person vorzustellen, die unsere Pläne durchkreuzen oder uns gar etwas Böses anhaben will. Ist da etwa ein Schurke mit schwarzem Bart und Augenklappe, der uns ständig Steine in den Weg legt?

Aber auch, wenn wir den Spaß beiseite lassen, bleibt die ernsthafte Frage:

Ist es möglich, dass das Leben ungerecht zu uns ist?

Die Antwort darauf lautet ganz eindeutig:

NEIN!

Das Leben ist unpersönlich und nicht in der Lage dazu, uns zu bevorzugen oder zu benachteiligen. Tatsache ist, dass die Menschen ungerecht sind. Es liegt in der Natur des Menschen, sowohl positiv als auch negativ handeln zu können.

Schlägt eine der Neigungen ins Extreme aus, ist das für uns, bzw. die ganze Welt deutlich spürbar. Das Leben selbst ist jedoch völlig unpersönlich und hat seine ganz eigenen Regeln, die stetig und nicht veränderbar sind.

So gibt es zum Beispiel die physikalischen Gesetze, die immer gleich sind, aber von uns unterschiedlich genutzt werden können. Es gibt die Zeit, die wir messen, aber nicht verändern können. Genauso gibt es den Tod, der endgültig ist und den wir nicht austricksen können. Das Leben hat seine ganz eigenen Regeln und ist immer beständig. Es ändert seine Meinung nicht und manchmal, wenn wir Menschen darunter leiden, wollen wir das nicht wahrhaben.

Wir verhalten uns wie trotzige Kinder und beschuldigen das Leben für negative Erlebnisse.

In Wahrheit sind wir uns jedoch alle früher oder später dessen bewusst, worauf wir uns mit dem Leben einlassen und dass es uns nichts Böses will. Es ist zum Beispiel grausam, wenn ein Kind im See ertrinkt. Niemand würde sich so etwas wünschen und dennoch ist es unfair, das Leben deshalb als ungerecht zu bezeichnen. Dass wir unter Wasser nicht atmen können, gehört zu den physikalischen Grundgesetzen. Das war schon immer so und daran wird sich vermutlich auch niemals etwas ändern.

Wenn Du Dich mit einer Geschäftsidee selbstständig machst, dabei scheiterst und anschließend mit einer Pleite zu kämpfen hast, ist es sehr kontraproduktiv, dem Leben die Schuld daran zu geben. Das Geldsystem und der Kapitalismus wurde vom Menschen gemacht, nicht vom Leben. Die damit verbundenen Herausforderungen zu meistern, liegt stets im eigenen Verantwortungsbereich. Mit Pech hat das selten etwas zu tun.

Es ist unglaublich wichtig zu begreifen, dass Verantwortung Macht ist. Wir geben Macht über unser Leben ab, wenn wir dem Leben die Schuld für negative Umstände oder Situationen geben. Wir implizieren damit, dass wir nichts dafür können, dass etwas Schlimmes passiert ist oder wir bei einem Vorhaben gescheitert sind.

Dieser Logik entsprechend liegt es also auch nicht im eigenen Verantwortungsbereich, die eigene Situation zu verbessern oder mit den frisch entstandenen Herausforderungen umzugehen.

Diese Einstellung ist fatal!

Wie bereits gesagt, geben wir damit Macht über unser Leben ab. Wer stattdessen Eigenverantwortung übernimmt, befindet sich immer (!) in der Lage, aus einer negativen Situation eine positive zu formen.

Manchmal geschehen wirklich unglückliche und tragische Ereignisse. Sie passieren aber auch genauso nicht. Oft begehen Menschen Fehler und kommen mit großem Glück ohne Schaden davon. In diesem Momenten beschwert sich niemand über das Leben, nicht wahr?

Diese Wahrheit klingt unangenehm und mag dem ein oder anderen sogar herzlos vorkommen, aber bei genauer und vor allem logischer Betrachtung kann man nur zu dem Schluss kommen, dass das Leben tatsächlich unpersönlich ist. Und das ist eine große Erleichterung! Es bedeutet, dass wir einen viel größeren Freiraum zur Gestaltung des eigenen Lebens haben, als wenn wir immer nur glauben, einem unsichtbaren Schurken namens „Leben“ unterworfen zu sein.

Fakt ist auch, dass es nur sehr wenig gibt, auf das man sich freuen kann, wenn man ständig glaubt, das Leben sei schlecht und habe es auf einen abgesehen.

Also atme durch, schließe Freundschaft mit dem Leben und freue Dich über die Erkenntnis, dass es am Ende des Tages immer ganz in Deinen Händen liegt, was Du aus Dir und Deinem Möglichkeiten machen möchtest.