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Nicht Stärke, sondern Warmherzigkeit entscheidet, ob dich deine Mitarbeiter respektieren

Die US-amerikanische Sozialpsychologin Amy Cuddy fand bei ihren Studien mit Führungspersonen heraus, dass allein eine Kombination aus Stärke und Warmherzigkeit dazu führt, dass Mitarbeiter ihre Vorgesetzten respektieren und aktiv unterstützen. Doch wie findest du diese Balance?

Stärke demonstrierst du am besten durch fachliche Kompetenz. Natürlich kannst du deinen Mitarbeitern jederzeit autoritär deine Meinung aufzwingen. Wahre Stärke sieht allerdings anders aus. Überzeuge andere, indem du ihnen mit Intelligenz, Ruhe und Erfahrung die richtigen Anweisungen gibst und ihnen den Weg zum gemeinsamen Erfolg zeigst.

Warmherzigkeit, die zweite Komponente der besonderen Melange, hat mit hoher emotionaler Intelligenz zu tun. Viele klassische Manager orientieren sich wie zuvor erwähnt an einem überholten Stereotyp zielstrebiger und sachlich-kühler Vorgesetzter. Ihr Umgang mit Mitarbeitern ist daher oft aufgesetzt und unnahbar. Verhindern kannst du diese unnötige Distanz durch emotionale Intelligenz, die auf der Sensibilität für deine eigenen Gefühle aufbaut.

Diese Fähigkeit kannst du mit einer einfachen Frage testen: Kannst du, wenn es dir schlecht geht, das Gefühl für dein Unwohlsein einordnen und benennen? Besonders Männer können oft nicht zwischen konkreten Empfindungen wie Trauer, Angst oder Ärger unterscheiden. Versuche, öfter innezuhalten, in dich hineinzuhorchen und deinen Emotionen nachzuspüren. Nur wer weiß, wie er sich selbst fühlt, kann auf die Emotionen anderer eingehen.

Emotionale Intelligenz bedeutet nämlich, sowohl mit den eigenen als auch mit den Gefühlen anderer sensibel umgehen zu können. Emotionen sind unsere stärkste Energiequelle. Versuche, dich in schwierigen Situationen nicht über deine Mitarbeiter aufzuregen und so den Frust zu verstärken, sondern reagiere so verständnisvoll und lösungsorientiert wie möglich. So lenkst du eurer aller Energie in die richtige Richtung. Statt einen Mitarbeiter z.B. nach einer verkorksten Präsentation runterzuputzen, solltest du ihm Hilfestellung dazu geben, wie er es beim nächsten Anlauf besser machen kann.

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Zeige die Seiten deiner Persönlichkeit, die dich zum Original machen

Viele große Lenker erfolgreicher Unternehmen haben wie das Paradebeispiel Steve Jobs Ecken und Kanten, die sie exzentrisch und eigenwillig, aber eben auch besonders machen. Wenn du wie sie bleibenden Eindruck hinterlassen willst, musst du die Seiten deiner Persönlichkeit zeigen, die dich zum Original machen. Nur so wird dir von außen der Stempel einer speziellen Type und markigen Persönlichkeit aufgedrückt, denn selbst geben kannst du ihn dir nicht.

Diese Sperrigkeit wird nämlich außerdem als Integrität und Authentizität empfunden, als Rückgrat und Charaktertreue. Im Gegensatz dazu verschmelzen viele traditionelle Manager mit ihrer weitgehend stereotypen Persona, dem gängigen Bild einer Führungskraft, das sie anstreben und verkörpern. Sie passen sich an die Konventionen der Arbeitswelt an, statt für ihre wahren Werte einzustehen. Ihr Verhalten wirkt daher aufgesetzt und hat quasi keinen Wiedererkennungswert.

Nimm dir also stattdessen ein markantes Original zum Vorbild. Lass dich von außergewöhnlichen Persönlichkeiten wie z.B. Immanuel Kant oder Albert Schweitzer inspirieren, über deren Eigenheiten du am einfachsten in ihren Biografien herausfindest. Scheue dich nicht, deine Persönlichkeit zu zeigen!

Behalte vor allem deinen Humor, denn er schafft Lockerheit und Nähe. Viele Manager denken, Humor würde ihre Seriosität kompromittieren. Ihre Mitarbeiter folgen ihrem Beispiel – und früher oder später geht die Arbeitsatmosphäre den Bach runter. In Wirklichkeit ist Lachen nämlich ein guter Gradmesser für die Stimmung im Team. Die Fähigkeit, Humor zu zeigen, ist oft Ausdruck eines gelassenen und sogar professionellen Umgangs mit Schwierigkeiten und Herausforderungen.

Wenn du nun bewusst führen willst, klare Werte und das gewisse charakterliche Extra hast, kommt der nächste Schritt: Die Entwicklung einer Strategie, mit der du deine Mitarbeiter fördern kannst.

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Ein We-care-Leader führt mit einer von Liebe geprägten Geisteshaltung

Wohl kaum ein Manager der alten, autoritären Schule würde das Konzept der Liebe mit dem Thema Führung und Teamleading vereinbaren können. Wer Liebe aber in diesem Zusammenhang nicht als weiche Gefühlsduselei oder starke affektive Zuneigung versteht, sondern als positive Geisteshaltung, wird ihre gewaltigen Potenziale schnell erkennen.

Dein Ziel muss es sein, dich in deiner Arbeit als Führungsperson von drei Qualitäten der Liebe leiten zu lassen. Der erste Schritt besteht darin, allen Mitarbeitern grundlegend und unabhängig von Rang und Performance mit Achtung und Akzeptanz zu begegnen. Beides ist nämlich nicht an eine bestimmte Leistung geknüpft, sondern an ihre Person.

So schaffst du die Grundlage für eine konstruktive und vor allem offene Kommunikation, in der ehrliches Feedback und Kritik selbstverständlich sind. Selbst wenn du einen deiner Mitarbeiter kritisieren musst, wird er im schlimmsten Falle sagen: Meine Chefin ist zwar mit meiner Leistung unzufrieden, ich weiß aber, dass sie mich achtet und meine Arbeit grundlegend wertschätzt.

Der zweite Schritt besteht darin, die Verantwortung für deine Mitarbeiter und deine Familie in Balance zu halten. Sei deinen Mitarbeitern gegenüber verantwortungsvoll, indem du sie bei Fehlern schützt und dich für ihre Bedürfnisse und persönliche Entwicklung einsetzt. Du hast jedoch nur eine begrenzte Menge an Zeit und Energie und bist auch für deine Familie und dein Privatleben verantwortlich. Das kann bedeuten, dass du z.B. eine Beförderung oder Aufgaben ablehnen musst, die deine ohnehin knappe Zeit weiter einschränken.

Versuche zu guter Letzt, das Motto „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ auch auf das Berufsleben zu übertragen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Das kann beispielsweise bedeuten, dass du deinen Mitarbeitern ein kurzes Lob als Zeichen deiner Wertschätzung gibst. In anderen Fällen kann das aber auch heißen, dass du einem Mitarbeiter Grenzen aufzeigst, weil er z.B. verletzende Witze über einen anderen Kollegen macht.

Grundlegend geht es bei der Liebe als Geisteshaltung also darum, die Grundlagen für ein konstruktives Miteinander mit deinen Mitmenschen zu schaffen.

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Baue für deine innere Einstellung auf Vertrauen, Akzeptanz und Demut

Als gute Führungskraft brauchst du Werte, an denen du dich bei deinen Entscheidungen und Taten orientieren kannst. Der erste dieser grundlegenden Werte lautet Vertrauen. Wer in der modernen, vernetzten Wirtschaft etwas bewegen möchte, braucht Vertrauen in sich und andere.

Habe Vertrauen, dass sich dein Vertrauen in andere auszahlt und gute Taten früher oder später belohnt werden. Du kennst das Prinzip von Ursache und Wirkung, nach dem alle Handlungen grundsätzlich Folgen haben. Wenn du also z.B. deine Mitarbeiter respektvoll behandelst und ihnen Freiräume lässt, werden sie es dir irgendwann mit viel Eigeninitiative und großem Engagement zurückzahlen.

Begegne den Dingen, Situationen und Menschen stets mit Akzeptanz. Viele Menschen regen sich regelmäßig über Dinge auf, die sie nicht beeinflussen können. Das führt zwangsläufig zu falschen Erwartungen, Einschätzungen und innerem Widerstand. Statt dich z.B. permanent über das schlechte Wetter aufzuregen, solltest du von vornherein keine Erwartungen an das Klima haben und das Beste aus dem machen, was kommt.

Achte entsprechend auch als Führungskraft auf deine Erwartungen. Statt stets exzellente Leistungen vorauszusetzen und dadurch „lediglich“ akzeptable Arbeit als schlecht zu bewerten, solltest du die Dinge grundlegend so annehmen, wie sie sind. Dadurch begegnest du Situationen und Mitarbeitern vorurteilsfrei und ergebnisoffen und wirst schnell merken, wie selten du dich gestresst oder enttäuscht fühlst. Genau diese optimistische und konstruktive Haltung werden auch deine Mitarbeiter schätzen.

Die dritte grundlegende Einstellung ist die Demut, also das Gegenteil von Hochmut. Viele Manager legen steile Karrieren hin und schauen schneller von oben auf die Welt herab, als sich ihr Ego an die neue Perspektive gewöhnen kann. Dieser Hochmut macht sie unbeliebt und belastet das Verhältnis zu Mitarbeitern und Mitmenschen generell. Demut ist daher keine Schwäche, sondern eine Stärke. Du bleibst am Boden, auf Augenhöhe mit deinen Kollegen. Du stellst dich auf eine Stufe und zollst ihnen den Respekt, den sie auch dir entgegenbringen.

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Zum beliebten Chef musst du zwei grundlegende Entscheidungen treffen

Bevor du dir Gedanken darüber machst, welche Qualitäten dich in deinem Führungsstil ausmachen, musst du dir zwei grundlegende Fragen stellen.

Sie helfen dir, dich auf deinem Weg zum beliebten Leader einzuordnen und dir über deine Ziele und Werte klar zu werden.

Die erste lautet: Will ich führen? So einfach diese Frage klingen mag, so wichtig ist die Erkenntnis, dass Führen eine bewusste Entscheidung sein muss. In der Arbeitswelt gibt es nämlich leider einen hohen Anteil von Führungskräften, die mehr oder weniger zufällig auf dem Chefsessel gelandet sind und sich nicht bewusst auf das Führen von Menschen eingestellt haben. Sie agieren häufig eher als Verwalter, die keine aktive Führungsrolle einnehmen, sich wenig um die Belange der Mitarbeiter sorgen und entsprechend selten als Respektsperson wahrgenommen werden.

Die zweite Frage lautet dann: Welche Art von Führungskraft will ich sein? Stell dir dafür eine Skala oder eine Art Spannungsfeld zwischen den beiden Extremen Selfserving-Leader und Serving-Leader vor. Selfserving-Leader verhalten sich als Führungskräfte ausschließlich so, dass es ihnen zum Vorteil für die eigene Karriere gereicht. Sie priorisieren die Ziele, Themen und Werte, die ihnen den Aufstieg auf der Karriereleiter ermöglichen. Die Mitarbeiter stehen frühestens an zweiter Stelle.

Serving-Leader hingegen sind das genaue Gegenteil. Sie orientieren sich in ihrem Führungsverhalten ausschließlich am Wohlbefinden und Nutzen ihrer Mitarbeiter und fragen sich daher bei jeder Entscheidung: „Wie können meine Mitarbeiter hiervon profitieren?“

Da beide Prototypen zwar durchaus realistisch, aber nicht in jeder Hinsicht ideal sind, solltest du einen Kompromiss anstreben. Dieser Führungstyp versucht stets, die eigenen Ambitionen und die Ansprüche seiner Mitarbeiter in Balance zu halten. So verlierst du deine eigene Karriere nicht aus den Augen, unterstützt deine Kollegen aber dennoch, wo immer du kannst.

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Vergebung und Verständnis heilen die Seele

Eines Tages fiel Sabine (oder Kathrin, oder Harald oder…) beim Aufräumen ein Zettel in die Hände, der ihr Leben veränderte. Darauf stand in der Handschrift ihrer Mutter: „Liebe Sabine! Danke für all deine Liebe und Fürsorge. Ich bin so glücklich, dass ich dich habe. Liebe Grüße, deine Mama.“

Sabine konnte sich nicht erinnern, den Zettel jemals zuvor gelesen zu haben. Diese liebevollen Worte passten so gar nicht zu ihrer kühlen und strengen Mutter. Sie begann, die Frau, die sie großgezogen hatte, mit anderen Augen zu sehen.

So wie Sabine geht es vielen Menschen: Irgendwann stellen sie erstaunt fest, dass sie ihre Eltern eigentlich gar nicht richtig kennen, weil die Beziehung so sehr von Groll, Bitterkeit und enttäuschten Erwartungen überschattet ist.

Vielen erwachsenen Söhnen und Töchtern wird es irgendwann zu anstrengend, weiterhin das brave Kind zu spielen. Sie meiden deshalb den Kontakt zur Familie, wo es nur geht. Umgekehrt bemüht sich manch einer verzweifelt, den Eltern doch noch nachträglich Liebe und Anerkennung abzuringen. In beiden Fällen ist die emotionale Ablösung von den Eltern nicht gelungen.

Wenn wir in der Rolle des enttäuschten Kindes stecken bleiben, zahlen wir allerdings einen hohen Preis: Wir leben dann in emotionaler Abhängigkeit zu unseren Eltern und bleiben ein Leben lang an die schmerzhaften Kindheitserlebnisse gefesselt. Da hilft nur eines: Wir müssen unseren Eltern ihre Fehler vergeben. Vielleicht erscheint diese Vorstellung schier unmöglich. Doch Vergeben heißt nicht Vergessen. Vielmehr geht es darum, die Geschichte unserer Eltern kennenzulernen und zu versuchen, uns in ihre Lage zu versetzen.

Wo ein direktes Gespräch mit den Eltern nicht möglich ist, können womöglich andere Verwandte Licht ins Dunkel bringen. Vielleicht macht es dir ja sogar Spaß, ein bisschen Familienforschung zu betreiben: Was für ein Mensch war deine Mutter als junge Frau? Was für Träume hatte sie? Wie war das Verhältnis zu ihren eigenen Eltern? Auch wenn du ihr späteres Verhalten nicht gutheißen kannst, gelingt es dir eventuell, es zumindest etwas besser zu verstehen.

Vergebung ist ein innerer Prozess, für den du dich bewusst entscheiden kannst. Damit übernimmst du Verantwortung für deine Gefühle und verabschiedest dich endgültig von der Opferrolle.

Wenn du deinen Eltern ihre Fehltritte vergibst, findest du inneren Frieden und wirst wahrhaft erwachsen.

Erst durch die Versöhnung mit deiner Kindheit kannst du die schmerzhaften Erfahrungen von damals auf ihren angestammten Platz verweisen – in die Vergangenheit. Denn die Gegenwart gehört deinem erwachsenen Ich. Deine Kindheit kannst du dir nicht aussuchen, aber die Zukunft liegt in deiner Hand.

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Streicheleinheiten für das innere Kind

Kennst du das auch, dass dir an manchen Tagen schon ein kleiner Zwischenfall die Tränen in die Augen treibt oder du vor Wut platzen könntest? Womöglich ärgerst du dich dann über dich selbst und fragst dich, warum du dich so kindisch verhältst. Doch eigentlich ist das kein Wunder, denn in jedem Unterbewusstsein wohnt ein kleines, verletzliches Kind.

Für dieses innere Kind ist die Zeit stehen geblieben. Geraten wir als Erwachsene in eine schwierige Situation, die einem traumatischen Erlebnis aus Kindertagen ähnelt, übernimmt das innere Kind das Ruder und reproduziert all die Gefühle und Gedanken von damals. Zahlreiche Google-Einträge beweisen, dass das Konzept des inneren Kindes längst Einzug in die Ratgeberliteratur und modernen Therapieangebote gehalten hat. Die Idee ist denkbar einfach: Als erwachsener Mensch kannst du deinem inneren Kind nachträglich all die Liebe und Aufmerksamkeit schenken, die es früher entbehren musste.

Innere Kinder kommen in allen Altersstufen vor – je nachdem, zu welchem Zeitpunkt das einschneidende Erlebnis stattfand. Ist dein inneres Kind ein trotziger Teenager, musst du vielleicht einfach mal die Tür hinter dir zuknallen, die Musik deiner Lieblingsband von damals in voller Lautstärke hören und lauthals mitsingen.

Wenn du dich vor Veränderungen oder dem Alleinsein fürchtest, kann das bedeuten, dass du irgendwann in den ersten drei Lebensjahren einen tief greifenden Verlust erlitten hast. Diese Erfahrung versetzt dein inneres Kind immer wieder aufs Neue in Panik. Wenn das passiert, kann dir ein anderer Anteil deiner Persönlichkeit helfen: der innere Erwachsene. Dessen Aufgabe ist es, das innere Kind zu trösten. Hege und pflege es so, wie du es mit einem Kleinkind tun würdest: Kuschle dich mit einer Wärmflasche ins Bett, entspanne in der Badewanne oder gönne dir eine Portion warmen Grießbrei.

Starke Probleme mit dem Selbstwertgefühl haben ihren Ursprung hingegen oft im dritten bis elften Lebensjahr. Überlege, wie du dieses Kind ermutigen und aufheitern kannst. Vielleicht möchte es einen Trickfilm gucken oder in den Zoo gehen? Oder du redest ihm gut zu und erklärst ihm, dass es okay ist, hin und wieder wütend und traurig zu sein. Solche Selbstgespräche fühlen sich anfangs vielleicht ungewohnt an, sind aber Balsam für dein psychisches Wohlbefinden:

Noch einmal zum Mitschreiben: Der Kontakt mit dem inneren Kind hilft dabei, die eigenen emotionalen Bedürfnisse kennenzulernen und die Wunden der Vergangenheit aus eigener Kraft zu heilen.

Es geht also darum zu lernen, sich selbst eine gute Mutter oder ein guter Vater zu sein. Aber welche Rolle spielen die eigentlichen Eltern aus Fleisch und Blut bei der Kindheitsbewältigung?

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Die Macht konstruktiver Selbstgespräche

Ein Perspektivwechsel ist also ein wichtiger Schritt zur Heilung. Das klingt einleuchtend, ist aber in der Praxis gar nicht immer so leicht umzusetzen. Das gilt vor allem für die negativen Glaubenssätze, die als Erbe einer schwierigen Kindheit unser Denken und Fühlen vergiften.

Sie bringen einen dazu, die Welt und vor allem sich selbst durch eine dunkle Brille zu betrachten. So zieht man Unglück und Misserfolge geradezu an: Wenn man tief im Inneren davon überzeugt ist, ein Versager zu sein, wird man das neue Projekt auf der Arbeit gar nicht erst erfolgreich zu Ende bringen. Wenn man fest daran glaubt, es nicht wirklich wert zu sein, geliebt zu werden, gibt man der neuen Beziehung erst gar keine Chance.

Um sich aus diesem Wiederholungszwang zu befreien, hilft es, sich jeden Glaubenssatz einzeln vorzuknöpfen. Dazu muss man diese aber zunächst einmal aus dem ständigen Hintergrundrauschen der Gedanken herausfiltern. Und das geht etwa so: Lausche im Alltag immer mal wieder deinem inneren Selbstgespräch. Lege dann eine Liste mit allen negativen Überzeugungen über dich als Person an, die in deinem Kopf herumgeistern. Führe parallel dazu auf einer alternativen Liste all deine positiven Eigenschaften auf.

Je tiefer deine Selbstzweifel sitzen, desto mehr Überwindung wird dich diese zweite Liste kosten. In dem Fall können auch gute Freunde dabei helfen, die Versagerbrille einmal abzusetzen. Was mögen sie besonders an dir? Gibt es etwas, dass sie an dir bewundern? Durch dieses Vorgehen entwickelst du ein neues, realistischeres Bild von dir selbst. Mag sein, dass Pünktlichkeit und Organisationsgeschick nicht unbedingt zu deinen Stärken zählen. Aber vielleicht wirst du von deinem Umfeld als gute Zuhörerin und begnadete Köchin geschätzt?

Ein weiteres Mittel gegen negative Glaubenssätze ist eine Haltung innerer Distanz. Wenn das nächste Mal ein selbstkritischer Gedanke auftaucht, formuliere ihn einfach um. Anstatt zu sagen „Ich bin hässlich“, sagst du: „Ich habe gerade das Gefühl, hässlich zu sein“. Durch diesen simplen Kniff erkennst du, dass der selbstzerstörerische Gedanke nur in deinem Kopf existiert und erst einmal nichts über die Realität aussagt. Passend dazu heißt es in einem chinesischen Sprichwort: „Du kannst nicht verhindern, dass die Vögel der Besorgnis über deinen Kopf fliegen. Aber du kannst verhindern, dass sie sich in deinem Kopf ein Nest bauen.“

Wir halten fest: Negative Glaubenssätze verlieren an Kraft, wenn du sie umformulierst oder durch positive Gedanken ersetzt.

Natürlich kann es trotzdem immer mal wieder vorkommen, dass deine inneren Kritiker die Oberhand gewinnen. Das ist aber nicht weiter tragisch, solange es dir in solchen Situation gelingt, mit dir selbst nachsichtig zu sein und dir etwas Gutes zu tun.

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Ein Perspektivwechsel relativiert negative Kindheitserlebnisse

Eine traurige Kindheit mündet nicht zwingend in ein unglückliches Leben. Trotzdem hadern viele Menschen noch Jahrzehnte später mit den Schicksalsschlägen ihrer frühen Jahre. Sie sind überzeugt, dass sie heute zufriedener und selbstbewusster wären, wenn ihnen als Kind eine bessere Behandlung widerfahren wäre. So schieben wir beispielsweise unsere Bindungsangst auf einen ständig abwesenden Vater oder eine allzu dominante Mutter und lassen zu, dass unsere Kindheit weiterhin das Drehbuch unseres Lebens bestimmt.

Es ist also höchste Zeit, dass wir selbst die Regie übernehmen und aus der Opfergeschichte eine Heldensage machen. Die Grundlage dafür ist eine positive Selbsteinschätzung. Je vorteilhafter diese ausfällt, desto wahrscheinlicher erinnern wir uns auch an schöne Dinge. Können wir uns gerade selber nicht leiden, treten die dunklen Aspekte unserer Lebensgeschichte in den Vordergrund. Manchmal verschmilzt unsere Fantasie dann sogar mehrere negative Ereignisse und macht daraus ein einziges Horrorszenario. Es lohnt sich also, die Geschichten deiner Kindheit etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Nehmen wir an, du gehörst du den Menschen, deren Kindheitserlebnisse durchweg negativ erscheinen. Hier rate ich dir, sich eine Erinnerung herauszupicken – sagen wir den ersten Schultag – und sich möglichst viele Details ins Gedächtnis zu rufen. Am besten schreibst du alles auf, woran du dich erinnerst, oder nimmst Fotos von dem Tag zur Hilfe. Nun begib dich auf Spurensuche. Entdeckst du nicht vielleicht doch einen Moment der Freude und Leichtigkeit? Vielleicht war deine Schultüte randvoll gefüllt mit Süßigkeiten und Geschenken? Oder die Großeltern kamen zu Besuch? Nun forsche weiter und gehe gedanklich die darauffolgenden Jahre durch: Gab es ein Schulfach, das dir besonders viel Spaß gemacht hat, oder einen Schulfreund, mit dem du gerne in der Pause gespielt hast?

Wenn es dir gelingt, eine Geschichte zu erzählen, die über Leid und Unglück hinausreicht, ändert sich damit auch deine Selbstwahrnehmung. Nach und nach wirst du verstehen, dass die unangenehmen Erlebnisse deiner Kindheit zwar immer ein Teil von dir sein werden, aber längst nicht dein ganzes Wesen ausmachen.

Wir können also festhalten, dass ein wohlwollender Blick auf die eigene Geschichte das erlittene Unrecht relativiert und die Vergangenheit in ein anderes Licht rückt.

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Resilient durch starke Beziehungen

Die frühen Kindheitserfahrungen stellen also die Weichen für unsere seelische Entwicklung, so viel steht fest. Doch die gute Nachricht ist, dass sie keineswegs als ewiger Fluch auf unserem Leben lasten müssen. Wir selbst können ihren Bann brechen. Das Zauberwort für diesen Befreiungsschlag heißt Resilienz.

Der Begriff Resilienz beschreibt eine Art seelische Elastizität, die uns hilft, uns von traumatischen Erlebnissen zu erholen. Im besten Fall lernen wir sogar daraus. Resiliente Menschen ähneln Bäumen im Wind: Sie werden von den Stürmen des Lebens zwar heftig hin- und hergeworfen, aber sie zerbrechen nicht.

Das trifft auch auf Kinder zu. Die US-amerikanische Entwicklungspsychologin Emmy Werner fand schon in den 1970er-Jahren heraus, dass sogar misshandelte und vernachlässigte Kinder über diese psychische Widerstandskraft verfügen. Über einen längeren Zeitraum beobachtete sie die Entwicklung von Kindern aus Problemfamilien und stellte fest, dass sich ein Teil von ihnen – wenn auch nicht alle – später erfolgreich in die Gesellschaft integrierte. Allem Anschein nach waren sie trotz ihrer schweren Kindheit zu zufriedenen Erwachsenen herangewachsen.

Heute wissen wir, dass das Geheimnis solcher Erfolgsgeschichten in positiven Erfahrungen außerhalb des Elternhauses liegt. Wenn in das Leben eines Kindes mindestens ein Erwachsener tritt, zu dem es eine stabile Bindung aufbauen kann und der ihm zeigt, dass es geliebt wird, können seine seelischen Blessuren verheilen. Als alternatives Vorbild zu den eigenen Eltern hilft ihm dieser Erwachsene, Lebensfreude und Selbstvertrauen zu entwickeln.

Gab es vielleicht auch in deinem Umfeld eine solche Person? Ein Lehrer, der deine Talente erkannt und gefördert hat? Eine Tante, die dich auf Ausflüge mitnahm? Oder eine ältere Schwester, die dir bei den Hausaufgaben half? Und wie sieht es heute aus? Vielleicht lebst du in einer liebevollen Partnerschaft oder hast Freunde, die mit dir durch dick und dünn gehen? Öffne deinen Blick für die Menschen in deinem Leben, die dich auf deinem Weg unterstützen. Zwar können sie die Vergangenheit nicht ungeschehen machen, aber sie können dir im Hier und Jetzt Trost und Halt bieten.

Verlässliche Bezugspersonen wecken also unsere seelischen Widerstandskräfte und können die Schmerzen negativer Kindheitserfahrungen auch nachträglich lindern.

In den Armen dieser Menschen können wir neue Kraft schöpfen und endlich aus dem Schatten der Vergangenheit heraustreten. So können wir die Geschichte unseres Lebens überarbeiten und selbst bestimmen, wohin die Reise gehen soll.