DAS DENKEN FÄLLT UNS IMMER SCHWERER

Heute hatte ich eine kurze Unterhaltung zum Thema „Selbstverantwortung“. Ich schreib einfach mal so vor mich hin und zum Ende fügt sich (hoffentlich) alles zusammen.

Immer wieder werden wir von Krisen, ob groß oder klein, getroffen und gebeutelt. Das kann im Privatleben oder auch beruflich sein. Im Prinzip ist es egal, ob es eine Finanzkrise oder ein Loch im Fahrradschlauch ist. Unterm Strich ist es für den, den es betrifft und er so etwas noch nicht erlebt hat Stress und im schlimmsten Fall, ein unlösbares Problem.

Es liegt immer an der jeweiligen Person und seiner Erfahrung, wie er diese bewertet. Jemand, der schon öfters schwere Krisen oder Schicksalsschläge erfolgreich weggesteckt hat, sieht das ziemlich entspannt und handelt entsprechend. Wir sprechen da von Resilienz.

Jemand, der zum Beispiel alleine mit dem Fahrrad eine längere Tour macht und abseits der Zivilisation (oder ein paar km zur nächsten Ortschaft) plötzlich einen Platten hat und dies noch nie hatte, bzw. weiß, wie man diesen flickt, hat ein großes Problem. Panik kommt auf, da es schon dunkel wird oder es regnet und er sich auch nicht die Blöße geben will um Hilfe zu bitten.

Wie man sieht, ist es im Prinzip egal wie groß oder klein solch eine „Krise“ ist. Es liegt immer an der Person, die sie erlebt.

So, kommen wir zur Überschrift zurück. Was hat das nun mit dem Denken zu tun?

Wir leben in einer Zeit, in der wir dank Internet ALLES erlernen können, bzw. Zugriff auf jede (ok, fast jede) Information haben. Somit kann ich mich über alles informieren und etwas darüber LERNEN.
Nur… wer macht das noch? Vielmehr schalten wir unseren Fernseher an und lassen uns von Informationen aus der Sicht (jeder sieht die Welt durch seine eigne Brille) des Senders berieseln. Das ist im Prinzip nichts Schlechtes, jedoch eventuell nicht meine Sichtweise. Ja, und das wars dann auch. Wir bilden uns immer weniger eine eigene Meinung und nehmen Meinungen an. Egal ob vom TV oder Zeitung oder Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen….

Aber warum ist das nun so?
Schuld sind wir eigentlich nicht. Schuld ist unter anderem unser Gehirn. Dieses ist nämlich ziemlich faul und träge!
Wie bereits erwähnt, kann ich alles lernen. Und dass bis ins hohe Alter. Das ist der große Vorteil, den nur wir Menschen und einige Primaten haben ein neuroplatisches Gehirn. Dieses ist fast leer wenn wir geboren werden, und wir können es bis zu unserem Tod immer mehr füllen (glaub mir, dass bekommt keiner voll). Wir können lernen bis zum Erbrechen.#
Und nun kommt das große ABER.

Ich erkläre es immer mit dem Schlittenfahren. Wenn ich etwas Neues lerne, bilden sich Synapsen. Dies geht jedoch nicht so schnell und ist sehr aufwendig.
Jetzt kommt der Schlitten ins Spiel.
Geh mal ein paar Jahre oder Jahrzehnte zurück in deine Kindheit. Es ist Winter und der erste Schnee fiel auf deinen Lieblingshügel. Du schnappst dir voller Euphorie deinen Schlitten und flitzt los. Den Hügel stampfst du hinauf, stellst den Schlitten in Position, setzt dich drauf und….es passiert nichts!

Der Schnee ist noch zu tief und locker und du musst erst mal eine Spur in diesen fahren. Sehr zäh und lange dauert es, bis du zum ersten Mal unten ankommst. Du gehst wieder hoch, richtest deinen Schlitten aus und…wieder nix. Es reicht noch immer nicht und es geht wieder sehr schwer und langsam nach unten.
Da du aber weißt, dass es mit jeder Fahrt besser und schneller wird, gehst du wieder hoch und wiederholst die Prozedur. Wieder und wieder. Am Ende bist du unaufhaltbar und schreist vor Freude und Geschwindigkeitsrausch.

So ist es auch mit dem Lernen und Denken. Die Synapsen brauchen Zeit, um sich neu zu verbinden. Um Neues zu speichern und zu „kapieren“. UND genau da liegt der Hund begraben. Viele haben keinen Bock immer und immer wieder den Berg hochzulaufen und hören einfach auf. Auch unser Gehirn sagt zu dir: Hej, schau dir doch lieber eine Folge auf Netflix an oder hör auf die Meinung der Anderen – die haben bestimmt recht. Das entspannt dich und ich verbrauche keine Energie.

Hinzu kommt, dass wir mittlerweile eine Aufmerksamskeitsspanne eines Goldfisches haben. 7 Sekunden und dann lassen wir uns ablenken. In sieben Sekunden lernst nicht viel!

Fassen wir mal zusammen:
Um mit Krisen besser umgehen zu können oder uns vor Ängste zu befreien, müssen wir bereit sein immer wieder Neues zu lernen. Auch wenn es uns Anfangs schwer fällt.
Meinen Klienten rate ich immer wieder dazu, sich einen Monat mit einem Thema zu beschäftigen, jenes sie anfangs nicht auf den Schirm hatten und sie NICHT interessiert. Das ist zwar der harte und schwere Weg, aber so lernen sie viel schneller mit kommenden Tiefen umzugehen. Sie wissen, dass sie alles lernen können, dass es immer eine Lösung gibt UND sie erst mal alles aus ihrem Blickwinkel betrachten sollen, bevor sie sich eine Meinung bilden.

Zum Schluss noch eine Buchempfehlung:
Schnelles Denken, langsames Denken von Daniel Kahneman (ist zwar ein dicker Schmöker, aber hey, was haben wir gerade gelernt :-))