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Wie unser Körper auf Stress reagiert – 2/8

Jeder Mensch erlebt Stress anders. Ein Ereignis, das den einen fast in den Wahnsinn treibt, lässt die andere völlig kalt.

Woran das liegt? Nun, das Verarbeitungssystem, das Stressoren interpretiert, funktioniert bei jedem anders. Es besteht zwar bei allen Menschen aus Gehirn und Nervensystem, doch was wir als Stressor wahrnehmen, hängt stark von unseren persönlichen Lebensumständen ab. Wer beispielsweise von einem Gehalt zum nächsten leben muss, für den ist ein Jobverlust viel stressiger als für eine Managerin mit dickem Sparkonto.

Doch letztlich beruhen alle Formen von Stress auf demselben Gefühl: nämlich dass etwas, das wir für überlebenswichtig halten, in Gefahr ist.

Stress kann in vielen Teilen des Körpers spürbar werden. In erster Linie betrifft er aber drei Systeme: das Hormonsystem, das Immunsystem und das Verdauungssystem.

Wenn du zum ersten Mal eine Bedrohung wahrnimmst, schüttet dein Hypothalamus – ein Teil des Stammhirns – ein Hormon namens CRH aus. Dieses Hormon wandert zur Hypophyse, einer Hirndrüse an der Schädelbasis, die wiederum ein anderes Hormon namens ACTH freisetzt.

Das Blut transportiert ACTH zu den Nebennieren, die sich im Fettgewebe über den Nieren befinden. Die Nebennieren schütten dann Cortisol aus. Und Cortisol wirkt auf fast alle Gewebe und Organe im Körper: Es unterdrückt das Immunsystem, leitet das Blut von den Organen zu den Muskeln um und lässt das Herz schneller schlagen. Das alles passiert, um den Fokus auf die aktuelle Bedrohung zu ermöglichen – sodass du besser auf die Gefahr reagieren kannst.

Cortisol hilft uns also, akute, kurzfristige Bedrohungen zu überleben. Doch was geschieht, wenn die Bedrohung über lange Zeit anhält und der Stress chronisch wird? Dann beginnt der erhöhte Cortisolspiegel, unserem Körper zu schaden. Er zerstört Gewebe, erhöht den Blutdruck – und schädigt das Herz.

Nehmen wir eine Studie als Beispiel, die sich mit den Auswirkungen von chronischem Stress auf die Aktivität von natürlichen Killerzellen beschäftigte. NK-Zellen sind eine Art von Immunzellen, die bösartige Zellen – wie etwa Krebs – zerstören. Die Studie untersuchte chronisch gestresste Pflegekräfte, die sich um Alzheimer-Patienten kümmerten. Dabei zeigte sich, dass die Funktion der NK-Zellen bei ihnen deutlich unterdrückt war. Und nicht nur das: Beim gestressten Pflegepersonal dauerte die Wundheilung durchschnittlich neun Tage länger als bei der Kontrollgruppe. Sie reagierten auch schlechter auf eine Grippeimpfung.

Stress ist also eine natürliche Reaktion auf eine Bedrohung, die sich auf all unsere Körpersysteme, auch auf unsere Immunabwehr, auswirkt.

Und je länger Stress andauert, desto mehr schaden diese Auswirkungen unserem Körper.