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Tief verbunden: Leib und Seele – 1/8

Herzkrankheiten zählen zu den häufigsten Erkrankungen auf der Welt. Warum ist das so?

Die meisten Menschen meinen, dass sich die vielen Herzleiden in unserer Gesellschaft auf einen hohen Blutdruck, erhöhtes Cholesterin oder Rauchen zurückführen lassen. Und es stimmt, dass diese Dinge zu Herzerkrankungen beitragen. Aber das größte Risiko ist eine hohe berufliche Belastung – sie macht mehr aus als alle anderen Faktoren zusammen. Und arbeitsbedingter Stress ist gleich mehrfach schädlich: Er ist nämlich auch hauptverantwortlich für hohen Blutdruck und einen erhöhten Cholesterinspiegel.

Jahrhundertelang galt in der westlichen Medizin die Theorie des Geist-Körper-Dualismus. Sie besagt, dass die inneren Abläufe unserer Psyche nichts mit unserem restlichen Körper zu tun haben. Dieser Dualismus ist schuld daran, dass Ärzte bis heute Kopf und Körper getrennt untersuchen und dabei die tiefe Verbindung zwischen Körper und Geist ignorieren.

Bis heute ist diese Auffassung weitverbreitet – allerdings gibt es mittlerweile eindeutige Beweise dafür, dass sie als medizinisches Erklärungsmodell notdürftig ist. Hier kommt ein neues Gebiet der Medizin ins Spiel: die Psychoneuroimmunologie. Sie untersucht genau jene Prozesse, durch die mentale Vorgänge unseren Organismus beeinflussen.

Inzwischen belegen unzählige Studien, wie sich unsere täglichen Erfahrungen und Belastungen auf unser Immunsystem auswirken. So fand man heraus, dass der Stress einer bevorstehenden Abschlussprüfung das Immunsystem von Medizinstudenten schwächte. Und je einsamer die Studenten waren, desto mehr beeinträchtigte der Prüfungsstress ihre Immunabwehr.

Wie das funktioniert? Nun, alles beginnt mit emotionalen Reizen. Emotionen lassen sich als elektrische, chemische und hormonelle Entladungen unseres Nervensystems verstehen. Diese wirken auf die Funktion unserer Hauptorgane und unseres Immunsystems ein und werden wiederum selbst von diesen beeinflusst. Stress wirkt sich besonders schädlich auf unser Immunsystem aus. Das hat enorme Folgen für unseren gesamten Körper, denn Stress kann sogar chronische Krankheiten verursachen.

Eine Frau zum Beispiel lidt an Sklerodermie – einer Autoimmunerkrankung, bei der Haut, Speiseröhre, Herz, Lunge und andere Gewebe verhärten.

Eines Tages offenbarte sie ihrem Coach ihre tragische Lebensgeschichte. Sie war als Kind missbraucht worden und hatte ihre Schwestern ständig vor den Pflegeeltern beschützen müssen. Im Erwachsenenalter übernahm sie zwanghaft die Verantwortung für andere, anstatt sich um sich selbst zu kümmern – selbst als sich ihre Sklerodermie verschlimmerte.

Zunächst einmal kannst du dir also merken, dass das Feld der Psychoneuroimmunologie die Verbindungen zwischen körperlicher und geistiger Gesundheit analysiert.

Eine Psychoneuroimmunologin würde untersuchen, inwiefern Marys permanente emotionale Verdrängung ihrer eigenen Bedürfnisse die körpereigene Immunabwehr geschädigt und so für die Folgen ihrer Sklerodermie anfälliger gemacht hat.