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Die positive Kraft des negativen Denkens – 8/8

Denkt man über die Folgen von Emotionen, Stress, Persönlichkeit und Beziehungen auf unseren Körper nach, entsteht schnell das Gefühl, an seiner Erkrankung selbst schuld zu sein.

Diese Denkweise ist jedoch falsch. Stattdessen sollte man die wertvollen Erkenntnisse über Krankheitsursachen als Chance sehen, Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen. Denn je mehr du über dich selbst lernst, desto aktiver kannst du deiner Krankheit gegenübertreten. Und je mehr Kontrolle du über deinen Körper und Geist erlangst, desto größer sind deine Chancen, deine Erkrankung zu überwinden.

Viele Palliativpatienten verstehen nicht, warum ausgerechnet sie an Krebs erkrankt waren. Ein Mann beklagte sich, dass er doch immer Optimist gewesen sei – und sich nie einem negativen Gedanken hingegeben hatte. Wenn unsere Psyche unseren Körper beeinflusst, wie konnte er an so etwas Bösartigem wie Krebs erkranken?

Nun, ganz so einfach ist es nicht. Positive Emotionen steigern zwar unser Wohlbefinden, doch zwanghaft positives Denken kann sich als schädlicher Bewältigungsmechanismus entpuppen. Wenn wir Schlechtes permanent ignorieren und negative Emotionen komplett verdrängen, erhöhen wir in Wahrheit unseren Stresspegel und sind anfälliger für stressbedingte Krankheiten.

Stattdessen kann es manchmal besser sein, sich auf negative Gedanken einzulassen. Das heißt nicht, das Leben als halb leeres Glas zu betrachten. Es bedeutet lediglich, auch die schlechten Seiten unserer Realität zu akzeptieren und anzunehmen. Denn nur so können wir einen Weg finden, sie zu verbessern.

Auch die Forschung bestätigt die positive Kraft des negativen Denkens. Eine amerikanische Studie fand heraus, dass ein hohes Maß an Verleugnung bei Melanompatienten häufiger zu Rückfällen und Tod führte. Im Gegensatz dazu ermittelte eine andere Studie, dass Melanompatienten, die sich schlecht mit ihrer Krankheit abfinden konnten und nur schwer mit ihrer Diagnose zurechtkamen, tatsächlich seltener einen Rückfall erlitten.

Es sollte also nicht überraschen, dass auch psychologische Hilfe während der Krebstherapie einen großen Unterschied machen kann. Eine Studie der UCLA beobachtete 34 Personen mit einem Melanom im Stadium I. Die Hälfte der Teilnehmer bildeten eine Kontrollgruppe, die andere Hälfte nahm innerhalb von sechs Wochen an sechs Gruppentherapiesitzungen teil. Sechs Jahre später waren zehn Mitglieder der Kontrollgruppe gestorben, und bei dreien kehrte der Krebs zurück. Im Gegensatz dazu waren lediglich drei Mitglieder der Therapiegruppe gestorben – und nur vier rückfällig geworden.

Was das für uns bedeutet? Um Stress gesund zu verarbeiten, können wir psychologische Hilfe in Anspruch nehmen und die Macht des negativen Denkens nutzen.

Wenn Menschen krank werden, reagieren viele mit Verleugnung oder Verharmlosung. Aber das ist genau das Gegenteil von dem, was unser Körper in solchen Zeiten braucht. Stattdessen müssen wir an unserer Krankheit wachsen – und beginnen, die Ursachen für unseren Stress zu verstehen. Denn nur so können wir Körper und Geist heilsam in Einklang bringen.