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Mai 16

Um sich gegen schmutzige Angriffe zu wehren, braucht es oft alle drei Ebenen – Ethos, Pathos und Logos

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1988 wurde der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Michael Dukakis in einem TV-Interview von Moderator Bernard Shaw in die Mangel genommen. Das Thema war die Todesstrafe. Dukakis sollte sich vorstellen, seine eigene Frau würde vergewaltigt. Würde er dann eine Todesstrafe ohne Aussicht auf Begnadigung einführen? Wie reagierte der Politiker auf die hässliche Frage?

Nun, Dukakis beging den Fehler, logisch zu antworten: Nein, würde er nicht. Der Moderator wisse genau, dass er ein Gegner der Todesstrafe sei. Dukakis’ Replik war logisch einwandfrei, verunsicherte aber dennoch Millionen von Wählern. Bis dahin hatte er in den Umfragen vorn gelegen, aber nach der Sendung begann die Talfahrt. Was hätte er anders machen sollen?

Dukakis hätte den Moderator auf den logischen Fehlschluss der reductio ad absurdum hinweisen können – also auf die geringe Wahrscheinlichkeit, dass der beschriebene Fall jemals eintreten und seine Frau tatsächlich Opfer eines Sexualverbrechens werden würde. Dann hätte er aber immer noch gefühlskalt gewirkt. Das Problem lag woanders: Der Moderator hatte sich nicht an das Protokoll der logischen Argumentation gehalten, sondern das Ethos und Pathos des Kandidaten attackiert, um ihn und die Zuschauer emotional zu manipulieren. Dukakis hätte also auch auf diesen Ebenen kontern müssen!

Er hätte einen kalkulierten Gefühlsausbruch wagen müssen, um sich menschlich zu zeigen und seine Integrität zu schützen: „Das geht eindeutig zu weit! Solche schamlosen Fragen sind der Grund für die Verrohung des politischen Diskurses. Sie hätten meine Frau da nicht mit reinziehen dürfen und ich erwarte eine Entschuldigung.“

Shaw hätte die Entschuldigung nur schwer verweigern können. Dukakis hätte so oder so seinen Mann gestanden. Er hätte Shaws Kernthema abgelehnt und zu seinen Gunsten neu definiert. Dann hätte er sagen können:

„Lassen Sie uns gern über die Todesstrafe sprechen, aber bitte, werden wir dabei nicht persönlich. Juristische Strafen sollen Verbrechen ahnden und nicht rächen. Sie sollen abschrecken, um die Kriminalität insgesamt zu verringern. Und Sie wissen so gut wie ich, dass die Hinrichtung von Verurteilten nicht hilft, die Anzahl der Verbrechen zu reduzieren.“

Das wäre ein rhetorischer Dreiercoup gewesen: starkes Ethos, leidenschaftliches Pathos und logische Vernunft in einer Antwort.


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