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Pathos kann Wut schüren, es kann sie aber auch in Empfänglichkeit umwandeln

Wir bleiben beim Pathos und den nicht ganz unproblematischen Tricks der Rhetorik. Übrigens: Formulierungen wie „nicht ganz unproblematisch“ werden als Litotes bezeichnet. Die doppelte Verneinung schwächt das Argument scheinbar ab, kann es durch den Effekt der Ironie aber wieder stärken.

Eine weitere unter Politikern beliebte Taktik ist die Nostalgie. Sie ist deshalb problematisch, weil sie in die Vergangenheit blickt. Gerade reaktionäre Politiker versprechen ihren Wählern gerne die Rückkehr in vermeintlich bessere Zeiten. Donald Trumps „Make America great again“ ist da ein besonders grelles Beispiel, genauso die Brexit-Kampagne in Großbritannien oder die AfD-Polemik in Deutschland.

Pathos kann aber auch eine nützliche Abwehrstrategie gegen Kritik sein. Wissenschaftler bedienen sich seit Jahrhunderten dieses rhetorischen Tricks. So verwenden sie zum Beispiel gerne das Passiv, denn es distanziert den Sprecher von seinem Tun. Mit einem Satz wie „Das Experiment wurde mit 30 Probanden durchgeführt“ schieben sie die Verantwortung auf eine nicht greifbare Entität, so als habe sich das Experiment von selbst durchgeführt.

Auch Politiker nutzen diesen Kniff. Barack Obama reagierte auf die Kritik an einem Flugdrohnen-Einsatz in Nahost einst mit den Worten: „Es stimmt, dass Menschen getötet wurden, die nicht hätten getötet werden sollen.“ Als wäre das Unglück von selbst geschehen. Der Trick ist klar: Dort wo niemand Schuld ist, kann sich auch keine Wut entladen.

Wenn sich die Wut gar nicht mehr ablenken lässt, machst du dir am besten das zunutze, was Neurobiologen als kognitive Bequemlichkeit bezeichnen. Damit ist der mentale Autopilot gemeint, in den wir alle gerne verfallen. Das spart Ressourcen und fühlt sich gut an. Heinrichs nennt ihn auch den Homer-Simpson-Modus, in Anlehnung an die Denkfaulheit der beliebten Cartoonfigur.

Wir alle wechseln zwischen zwei kognitiven Modi. Im ersten Modus, dem kraftsparenden Autopilot, kauen wir dankbar wieder, was auch immer man uns serviert. Zwei und zwei sind? Da sind Hopfen und was verloren? Das macht regelrecht Spaß. Im Modus zwei werden wir zu Grüblern und Harte-Nuss-Knackern. Da gehen wir den Sachverhalten skeptisch auf den Grund.

Wenn dein Publikum dir kritisch auf den Mund schaut, willst du es in den Homer-Simpson-Modus bringen. Das schaffst du, indem du ihm jene leichte Kost gibst, die es sich insgeheim wünscht. Formuliere kurze und klare Sätze. Halte deine Rhetorik einfach und vorhersehbar. Du willst die Leute weder verwirren noch veralbern, du willst sie nur einlullen.