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Mai 16

Mit Pathos überzeugen heißt, bewusst mit den Gefühlen des Publikums zu spielen

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Nehmen wir an, deine fünfjährige Tochter will etwas von dir. Was würde eher bei dir fruchten: Wenn sie sich kreischend auf den Boden schmeißt oder wenn sie ihren Wunsch leise vorbringt und sichtlich mit den Tränen kämpft? Die Antwort dürfte klar sein, aber warum?

Beim Pathos geht es weniger darum, Gefühle auszudrücken, als darum, sie bei anderen zu wecken. Pathologie ist die Lehre des Leidens. Pathos bedeutet mitzuleiden und mitzufühlen. Ein kreischendes Kind auf dem Boden ist im modernen, negativen Sinne des Wortes pathetisch. Aber mühevoll unterdrückter Schmerz und randvoll mit Tränen gefüllte Augen – das geht an die Substanz.

Öffnen wir die pralle Trickkiste des Pathos, der Überzeugung durch Gefühl. Du erinnerst dich an das Instrument der Sympathie? Es hieß, die Gefühle des Publikums zu verstehen, ohne sie zwingend selbst zu fühlen. Die bemühte Selbstkontrolle ist hierfür das passende rhetorische Werkzeug. Du übertreibst nicht, sondern überlässt das Fühlen deinen Zuhörern. Weniger ist mehr. Setze auf eine starke und ruhige Sprache. Die emotionalsten Worte sind kurz, aber ihre Wirkung hallt lange nach.

Emotionale Reaktionen erzeugst du nicht durch Fakten, sondern durch Geschichten. Gib deinem Publikum durch lebendige Schilderungen das Gefühl, selbst dabei gewesen zu sein. Als Firmengründer motivierst du deine Mitarbeiter nicht mit trockenen Businessplänen, sondern mit der packenden Geschichte davon, wie deine noble Vision in einem winzigen WG-Zimmer entstand.

Bereite dein Publikum mit Logos und Ethos vor und setze das Pathos erst später ein. Spiele auch mit der Lautstärke. Viele gute Redner sprechen kurz vor dem Finale langsamer und leiser. Erst dann steigern sie die Lautstärke, um mit einem Crescendo den dramatischen Höhepunkt der Rede hinzulegen.

Manche Redner schüren auch gezielt die Wut ihres Publikums, indem sie den Eindruck vermitteln, vom rhetorischen Gegner herabgesetzt worden zu sein. Das kann nützlich sein, wenn ein Politiker zum Beispiel die lasche Klimapolitik kritisiert: „Die Gletscher schmelzen und die Erde heizt sich auf, aber die Kanzlerin belächelt die Schüler, die jeden Freitag für ihre Zukunft auf die Straße gehen.“

Doch Obacht, dieses Mittel kann auch missbraucht werden, zum Beispiel, wenn Politiker Minderheiten an den Pranger stellen, um patriotische Gruppengefühle zu befeuern: „Merkel hat zu viele Fremde hereingelassen und das Vaterland verraten.“ Das Problem bei dieser Gerichtsrhetorik ist der Vergangenheitsbezug. Beratende oder politische Rede sollte sich immer auf die Zukunft konzentrieren – also nicht darauf, wer Schuld hat, sondern darauf, was man besser machen könnte.


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