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Sabotierende Stimmen aus der Vergangenheit

Manche Menschen treiben uns zur Weißglut, obwohl sie uns eigentlich gar nichts getan haben. Sie erfüllen uns mit einem unerklärlichen Groll oder wir fühlen uns in ihrer Gegenwart so klein und elend, dass wir am liebsten im Erdboden versinken würden. Was steckt hinter diesen Emotionen? Oft ist die Ursache ein schmerzhaftes Erlebnis aus der Kindheit, das durch eine bestimmte Situation oder Begegnung wieder wachgerufen wird.

Stellen wir uns zum Beispiel ein Kind vor, das regelmäßig von den Wutausbrüchen eines jähzornigen Vaters in Angst und Schrecken versetzt wird. Gut möglich, dass dieses innere Kind noch Jahrzehnte später ähnlich reagiert, sobald eine Autoritätsperson laut wird. Sobald der Chef beispielsweise Anzeichen von schlechter Laune zeigt, verwandelt sich der Erwachsene wieder in das verschreckte Kind von damals, das sich am liebsten unter der Bettdecke verkriechen würde. Allerdings ist ihm dieser Zusammenhang höchstwahrscheinlich nicht bewusst, weil seine Psyche die Erinnerung an die negative Kindheitserfahrung ins Unterbewusstsein verbannt hat.

Für die empfindliche Kinderseele war Verdrängung damals der einzige Weg, sich von der erlittenen Kränkung zu erholen. Auch als Erwachsene gehen wir diesen unangenehmen Gefühlen meist lieber aus dem Weg oder versuchen, sie mit Fernsehen, Essen oder Alkohol zu betäuben. Doch in Stresssituationen werden diese Stimmen wieder laut und der Schmerz von damals trifft uns erneut mit voller Wucht.

Ein besonders dominanter Part im Orchester unserer Seele gehört den Stimmen unserer Eltern. Beständig wiederholen sie die immer gleichen Ratschläge und Aussagen, mit denen sie uns schon zu Kinderzeiten in den Ohren lagen. Für die meisten Kinder sind die Worte ihrer Eltern gleichbedeutend mit einer unumstößlichen Wahrheit. Sagt die Mutter zum Kind: „Du bist ein solcher Tollpatsch“, hat es keine andere Wahl, als ihr zu glauben.

Um die Anerkennung ihrer Eltern zu gewinnen, wollen Kinder deren Erwartungen an sie unbedingt erfüllen. Die Psyche hilft dabei, indem sie ihnen immer wieder einflüstert, was die Eltern sich von ihnen wünschen. Mit der Zeit werden daraus innere Überzeugungen bzw. unbewusste Glaubenssätze, die unser Selbstbild auch als Erwachsene noch prägen. Oft mit fatalen Folgen. Wem etwa von klein auf gesagt wurde, dass er dumm sei, der wird sich schwerlich für eine akademische Laufbahn entscheiden. Wer von seinen Eltern ständig vermittelt bekommen hat, eine Last zu sein, der wird es später schwerer haben, für die eigenen Bedürfnisse einzustehen.

Unangenehme Kindheitserfahrungen leben also als schmerzhafte Gefühle in unserer Seele weiter und schädigen als negative Glaubenssätze unser Selbstbewusstsein.

Aber sind wir dem Fluch der frühen Jahre wirklich auf Gedeih und Verderb ausgeliefert?