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Deine emotionale Schatztruhe

Wenn du an deine schönste Kindheitserinnerung denkst, was für eine Szene erscheint dann vor deinem inneren Auge? Siehst du dich mit deiner Mutter ausgelassen über den Spielplatz toben? Backst du gemeinsam mit deiner Oma einen leckeren Apfelkuchen? Oder lauschst du vielleicht gebannt der Stimme deines Vaters, der dich sanft in den Schlaf singt?

Die meisten von uns können mindestens einen solchen Moment kindlicher Seligkeit aus den Tiefen unseres Gedächtnisses hervorkramen. So unterschiedlich sie auch sein mögen – all diese Erinnerungen haben gemeinsam, dass uns jemand seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkte.

Ein Kind, das von seinen Bezugspersonen Geborgenheit und Zuwendung erfährt, lernt, dass es ein wertvoller Mensch ist. Es lernt, dass seine Gedanken und Gefühle in der Welt der Erwachsenen auf Verständnis und Interesse stoßen.

Wir können uns die Seele eines Kindes wie eine Schatztruhe vorstellen: Zu Beginn des Lebens ist sie noch leer und muss erst von den Erwachsenen mit Wärme und Fürsorge gefüllt werden. Erlebt das Kind die Bindung zwischen sich und den Eltern als stabil und erfährt, dass es bedingungslos geliebt wird, fasst es Vertrauen ins Leben und entwickelt ein gesundes Selbstwertgefühl.

Um das kindliche Selbstvertrauen zusätzlich zu stärken, helfen außerdem ermutigende Erfahrungen. Denn alle Kinder dürsten danach, die Welt zu entdecken und sich an ihr zu beweisen. Sie müssen deshalb nicht nur behütet, sondern auch unterstützt werden, damit sich die Schatztruhe weiter füllt. Dazu gehört, dass die Eltern die Begabungen des Kindes entdecken und fördern. Ein Kind, das gelobt und in seinen Fähigkeiten bekräftigt wird, erlebt sich schon früh als kompetentes und eigenständiges Wesen. Und wenn der Knirps sich hin und wieder mal mit einer Aufgabe übernimmt, sollte er in den Arm genommen und getröstet werden.

Ein Kind, dessen innere Schatzkiste bis zum Rand mit emotionalen Kostbarkeiten vollgepackt wurde, ist bereit, die Welt zu erobern: Es traut sich zu, Schwierigkeiten aus eigener Kraft zu meistern und weiß, dass es Liebe und Respekt verdient. Bläst ihm im Erwachsenenalter dann einmal ein schärferer Wind um die Nase, schützen die Schätze der Kindheit die Seele vor den Stürmen des Lebens.

Wenn wir also in unseren ersten Lebensjahren ausreichend Aufmerksamkeit und Liebe erfahren, gehen wir gut gewappnet und mutig in die Welt.

Doch was passiert, wenn die Schatztruhe eher leer bleibt? Was geschieht mit einer Kinderseele, deren Bedürfnisse unerfüllt blieben?