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DEINE BEWERTUNG VON STRESS

WIE SEHR DU ETWAS ALS BEDROHUNG EMPFINDEST, HÄNGT VON DEINER EIGENEN BEWERTUNG AB

Wir kommen zu der Frage nach den Unterschieden in der Stressbewältigung: Warum nehmen manche Menschen etwas als Bedrohung wahr, was andere völlig unbeeindruckt lässt?

Grundlegend gibt es ja eine offensichtliche Verkettung zwischen Reiz und Reaktion. Wenn du ein traumatisches Erlebnis hast, schreiben sich bestimmte Reize als konditionierte Reaktion in dein Gehirn ein. Nach einem schweren Verkehrsunfall wäre es z.B. normal, wenn das Geräusch einer anhaltenden Autohupe noch lange Zeit Furcht und Stress bei dir auslösen würde. Trotzdem fällt die Verkettung Reiz-Reaktion bei jedem Menschen anders aus: Manche verbinden fortan alle Reize als negativ, die nur irgendwie mit dem Unfall in Verbindung standen. Andere können differenzieren, dass z.B. das Martinshorn des nahenden Krankenwagens für Hilfe und Rettung stand und weiterhin steht.

Deine emotionale Reaktion hängt nämlich auch davon ab, wie du Vorfälle und Dinge bewertest.
Warum können wir im Zoo seelenruhig vor einem Grizzlybären stehen, vor dem wir in freier Wildbahn panisch Reißaus nehmen würden?
Weil wir wissen, dass wir im Zoo sicher sind. Die Verkettung von Grizzly und Angst ist nicht direkt. Zwischen Reiz und Reaktion scheint es eine zwischengeschaltete Bewertung zu geben: Reiz – Bewertung – Reaktion.

Nun muss so ein Reiz oder Stressor im echten Leben nicht immer ein Grizzly sein. Der berühmten Bedürfnispyramide von Abraham Maslow nach streben wir neben überlebenswichtigen Grundbedürfnissen wie Essen und Trinken auch die Erfüllung von Metabedürfnissen wie Liebe, Glück und Erfüllung an. Geraten diese in Gefahr, erleben wir den gleichen Stress wie eine Maus im Angesicht eines aggressiven Rivalen.

Wie stark du Stress erlebst, hängt neben deiner Bewertung der Situation auch davon ab, wie du mit der Bedrohung umgehst. Der Psychologe Richard Lazarus nannte den Umgang mit Stressoren Coping, also Bewältigung. Je größer du dein eigenes Coping-Potenzial einschätzt, desto geringer erlebst du einen Reiz als Bedrohung. Dein Coping hängt wiederum von Faktoren wie der Solidarität deiner Kollegen oder der Unterstützung deiner Freunde ab.