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Experiment im Unternehmen

Für ein Experiment sollten Chefs täglich 20 Minuten mehr mit ihren Mitarbeitern sprechen — das Ergebnis ist beeindruckend

Es ist eine Binsenweisheit, dass gute Kommunikation in Sachen Mitarbeitermotivation das berühmte „A und O“ ist. Doch ein Forschungsprojekt, das von den Universitäten Köln und Bonn, Frankfurt und Konstanz gemeinsam mit einer großen Supermarktkette im Baltikum — ihr Name wird in der Studie nicht genannt — durchgeführt wurde, beweist das nun abermals eindrücklich.

Die baltische Supermarktkette hat, wie viele ihrer ausländischen Mitbewerber auch, mit einer hohen Fluktuation unter den eigenen Arbeitskräften zu kämpfen: Jedes Jahr kündigten dort durchschnittlich 80 Prozent der 5.500 Angestellten, sodass quasi permanent neue Mitarbeiter eingearbeitet wurden und Erfahrene das Unternehmen verlassen haben.

Deshalb rief der CEO die Hälfte seiner Filialleiterinnen und Filialleiter dazu auf, „alles in ihrer Macht Stehende zu tun“, um die hohe Fluktuation an ihrem Standort zu senken. Daraufhin kümmerten sich 119 der 238 Geschäftsleiter intensiver um ihre Mitarbeiter — und verbrachten im Schnitt 20 Minuten am Tag mit ihnen. In den restlichen Niederlassungen wurde nichts verändert.

„Wir waren überrascht, wie groß der Effekt ist“

Nachdem die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Kündigungsdaten der darauf folgenden Monate ausgewertet hatten, stellten sie fest, dass an den „kommunikativen“ Standorten die Kündigungszahl um bis zu 25 Prozent gesunken war, während sie an den anderen gleich geblieben war.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Fluktuation in der Belegschaft allein durch simple, tägliche Kommunikation zwischen Arbeitnehmern und mittlerem Management gesenkt werden kann. „Wir waren überrascht, wie groß der Effekt dieses relativ simplen Eingriffes ist“, kommentiert Studienleiter Matthias Heinz, Ökonom an der Universität zu Köln.