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Achtsamkeit

Eine Alltagsgeschichte

Heute ist Samstag, ein warmer Frühlingstag und ich habe mir vorgenommen, meinen Rasen zu mähen. Beim Anschließen des Rasenmähers fällt mein Blick auf mein Auto, und ich sehe, dass es eine Wäsche vertragen könnte. Auf meinem Weg in Richtung Garage sehe ich die Post auf dem Terrassentisch, die ich zuvor vom Briefkasten geholt hatte. Ich entscheide mich, die Post durchzugehen, und Rechnungen zu begleichen, bevor ich das Auto wasche.

Ich lege meinen Autoschlüssel auf den Tisch, werfe die Werbung in den Papiermüll und bemerke, dass der Behälter voll ist. So beschließe ich, die Rechnungen auf den Tisch zurück zu legen und zuerst den Papiermüll zu leeren. Doch dann denke ich, wenn ich dabei schon mal in Richtung Briefkasten unterwegs bin, könnte ich doch genauso gut zuerst die Rechnungen bezahlen.

Ich gehe ins Arbeitszimmer, wo ich auf meinen Schreibtisch eine Flasche Mineralwasser stehen sehe, aus der ich vorhin getrunken habe. Ich möchte online meine Überweisungen machen, doch zuerst muss ich die Flasche zur Seite schieben, damit ich sie nicht aus Versehen umstoße. Bevor das Mineralwasser zu warm wird, will ich es lieber wieder in den Kühlschrank stellen, damit es kalt bleibt.

Auf dem Weg zur Küche fallen mir meine Topfpflanzen ins Auge, die offensichtlich Wasser brauchen. Ich stelle die Flasche auf den Küchentisch und entdecke meine Lesebrille, die ich schon den ganzen Morgen suche. Ich denke, dass ich sie besser zurück auf den Schreibtisch legen sollte, doch zuerst will ich die Blumen gießen. Ich lege die Brille zurück auf den Küchentisch, hole Wasser und entdecke plötzlich die Fernbedienung für den Fernseher. Irgendwer hat sie in der Küche liegen lassen. Wenn wir abends fernsehen wollen, weiß ich bestimmt nicht mehr, dass die Fernbedienung in der Küche liegt, also beschließe ich, sie zurück zum Fernseher zu legen, wo sie hingehört.
Doch zuerst gebe ich den Blumen frisches Wasser. Dabei gieße ich etwas daneben und es bildet sich eine Wasserlache auf dem Boden. Ich lege also die Fernbedienung zurück auf den Tisch, hole einen Lappen und wische das Wasser vom Boden auf. Dann gehe ich den Flur entlang und versuche mich zu erinnern, was ich eigentlich tun wollte.

Unterm Strich: Der Rasen muss noch immer gemäht werden. Das Auto ist nicht gewaschen. Die Rechnungen sind nicht bezahlt. Der Papiermüll ist nicht geleert. Auf dem Küchentisch steht eine Flasche warmes Mineralwasser. Ich kann die Fernbedienung nicht finden. Ich kann auch meine Brille nicht finden. Und ich weiß auch nicht mehr, was ich mit meinem Autoschlüssel gemacht habe.

Wenn ich dann abends versuche herauszufinden, warum ich heute nichts zustande gebracht habe, bin ich richtig verblüfft, denn ich weiß genau, dass ich den ganzen Tag über dauernd beschäftigt war und nun richtig müde bin.
Ich begreife, dass das ein ernsthaftes Problem ist und beschließe, mich darum zu kümmern, was mir dabei helfen könnte.
Aber zuerst checke ich meine Emails…